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Berufskrankheiten

Welche Krankheit grundsätzlich als BK anerkannt werden kann, bestimmt die Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) mit ihrer Berufskrankheiten-Liste. Hier sind nur solche Krankheiten aufgeführt, die nach gesicherten medizinischen Erkenntnissen durch besondere berufliche Einwirkungen verursacht werden und denen bestimmte Personengruppen durch ihre Arbeit in erheblich höherem Maße ausgesetzt sind als die übrige Bevölkerung.

Was ist eine Berufskrankheit?

Berufskrankheiten sind also die Krankheiten, die die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates als Berufskrankheiten bezeichnet hat und die Versicherte infolge ihrer versicherten Tätigkeit erleiden.

Eine Krankheit wird nur dann in die Berufskrankheiten-Liste aufgenommen, wenn der Gesetzgeber die Entscheidung trifft, die Krankheit im Rahmen einer Gesetzesänderung in diese aufzunehmen. Der Gesetzgeber veranlasst das Verfahren, wenn er nach eingehenden - auch medizinischen - Beratungen zu der Überzeugung gelangt ist, dass eine bestimmte Personengruppe durch ihre berufliche Tätigkeit einem besonderen Risiko ausgesetzt ist, sich eine solche Krankheit zuzuziehen. Das besondere Risiko muss weitaus größer sein als das der Allgemeinbevölkerung.

Nicht jede Erkrankung, die sich Versicherte bei der Arbeit zuziehen, ist eine Berufskrankheit.

Berufskrankheiten-Liste als Anerkennungsgrundlage

In der zurzeit gültigen Liste sind die Berufskrankheiten in folgende sechs Gruppen eingeteilt:

  • durch chemische Einwirkungen verursachte Krankheiten,
    • z. B. Erkrankungen des Blutes, des blutbildenden und des lymphatischen Systems durch Benzol (BK 1318),
  • durch physikalische Einwirkungen verursachte Erkrankungen,
    • z. B. Schwerhörigkeit durch Lärm am Arbeitsplatz (BK 2301),
  • durch Infektionserreger oder Parasiten verursachte Krankheiten sowie Tropenkrankheiten,
  • Erkrankungen der Atemwege und der Lunge, des Rippen- und Bauchfells,
    • z. B. Lungenkrankheiten durch Asbest (BK 4104) oder
    • durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen (BK 4301),
  • Hautkrankheiten und
  • Krankheiten sonstiger Ursache.

Es handelt sich um eine „abschließende Liste". Auch wenn eine andere Erkrankung als die darin genannten Erkrankungen auf eine berufliche Belastung zurückzuführen ist, kann diese nicht als Berufskrankheit von der gesetzlichen Unfallversicherung anerkannt werden.

Ausnahmen

Daneben ist auch eine nicht in der Berufskrankheiten-Liste aufgeführte Krankheit unter folgenden Voraussetzungen wie eine Berufskrankheit zu entschädigen:

  • Der Versicherte muss einer bestimmten Personengruppe angehören, die durch ihre Arbeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung besonderen Einwirkungen ausgesetzt ist,
  • diese Einwirkungen müssen nach neuen Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft geeignet sein, Krankheiten solcher Art zu verursachen,
  • diese medizinischen Erkenntnisse müssen bei der letzten Ergänzung der Berufskrankheiten-Liste noch nicht in ausreichendem Maße vorgelegen haben oder ungeprüft geblieben sein,
  • der ursächliche Zusammenhang der Erkrankung mit der versicherten Tätigkeit muss im Einzelfall wahrscheinlich sein.

Gründe für die Ausnahmen

Die schnelle Entwicklung von Arbeitsverfahren, Einführung neuer Arbeitsstoffe und Gewinnung neuer medizinisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse über bestimmte chemische und physikalische Einwirkungen sowie über Krankheitsursachen können nicht immer zeitnah in die Berufskrankheiten-Verordnung aufgenommen werden. Die Berufskrankheiten-Liste wird zwar regelmäßig ergänzt, ihre Überarbeitung durch den Verordnungsgeber benötigt jedoch meist mehrere Jahre.
Diesem Umstand trägt die Möglichkeit, unter den dargestellten Voraussetzungen auch Krankheiten als "Wie-Berufskrankheiten" entschädigen zu können, die noch nicht in die Liste aufgenommen wurden, Rechnung. Dies wirkt den Nachteilen des sonst geltenden Listenprinzips entgegen.