Corona FAQ: Versicherungsschutz und Unfallanzeige

Die wichtigsten Fragen zur Unfallanzeige nach einer COVID-19-Erkrankung und zum Versicherungsschutz in der Coronapandemie.

Sie sind Arbeitgeberin, Arbeitgeber, Personalsachbearbeiterin oder Personalsachbearbeiter und haben Fragen rund um das Thema Unfallanzeige im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung?

Alle wichtigen Informationen erhalten Sie zusammengefasst hier.

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Kann die Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 einen Arbeitsunfall darstellen?

Sofern die Infektionskrankheit durch eine Einwirkung bei der versicherten Tätigkeit (z. B. Beschäftigung) verursacht wurde, kann eine Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 einen Arbeitsunfall darstellen.

Voraussetzung ist, dass im Rahmen der versicherten Tätigkeit nachweislich ein intensiver beruflicher Kontakt mit einer Indexperson (Person, die nachweislich mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 infiziert ist) stattgefunden hat. Dieser Kontakt muss innerhalb der letzten 14 Tage vor Erkrankungsbeginn bzw. dem Nachweis einer Infektion erfolgt sein.

Bei der Prüfung der Voraussetzungen eines Arbeitsunfalls ist stets zu berücksichtigen, ob im maßgeblichen Zeitpunkt Kontakt zu anderen Indexpersonen in nicht versicherten Lebensbereichen (z. B. Familie, Freizeit oder Urlaub) bestanden hat.

Bitte beachten Sie, dass immer die Umstände des konkreten Einzelfalls entscheidend sind.

Stand: 4.10.2022

In welchen Fällen ist beim Auftreten von COVID-19 im Betrieb eine Unfallanzeige zu erstatten?

Eine Unfallanzeige ist grundsätzlich nicht schon dann zu erstatten, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter an COVID-19 erkrankt ist, sondern nur, wenn die folgenden Voraussetzungen gemeinsam vorliegen:

  • Mitarbeiterin oder Mitarbeiter wurde positiv auf Corona-Virus SARS-CoV-2 getestet,
  • Mitarbeiterin oder Mitarbeiter zeigt Krankheitssymptome (z. B. Fieber, Husten, Störungen des Geruchs- und/oder Geschmackssinns, Atemnot/Atembeschwerden, Lungenentzündung etc.),
  • Die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber hat den Verdacht, dass die Infektion im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit erfolgt ist, 
  • Arbeitsunfähigkeit von mehr als 3 Tagen.

Sie sind Arbeitgeberin, Arbeitgeber, Personalsachbearbeiterin oder Personalsachbearbeiter und haben Fragen zur Unfallanzeige im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung?

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Stand: 4.10.2022

In welchen Fällen liegt der Verdacht nahe, dass die Infektion bei der beruflichen Tätigkeit erfolgt ist?

Der Verdacht liegt nahe, wenn die infizierte Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter einen intensiven beruflichen Kontakt  mit einer Indexperson (Person, die nachweislich mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 infiziert ist) hatte. Hierbei kommt es vor allem auf die Dauer und die Intensität des Kontaktes im konkreten Einzelfall an.

Entsprechendes gilt, wenn die Infektion nachvollziehbar auf dem Weg zur oder von der Arbeit erfolgt ist. Insbesondere ist hier an vom Unternehmen organisierte Gruppenbeförderung oder Fahrgemeinschaften von Versicherten zu denken.

Lässt sich keine konkrete Indexperson feststellen, kann im Einzelfall auch das Vorhandensein einer größeren Anzahl nachweislich infizierter Personen innerhalb eines Betriebs oder einer Einrichtung ausreichen. Zusätzliche Voraussetzung ist, dass konkrete, die Infektion begünstigende Bedingungen bei der versicherten Tätigkeit vorgelegen haben. Diese Fallgruppe kann zum Beispiel einschägig sein bei Fällen eines Massenausbruchs in der Fleischindustrie.

Infektionen, die in grundsätzlich unversicherten Lebensbereichen (z. B. beim Kantinenbesuch oder in Gemeinschaftsunterkünften) eintreten, können nur in eng begrenzten Ausnahmefällen als Arbeitsunfälle gelten. Voraussetzung ist, dass dort eine gesteigerte Infektionsgefahr bestand, die der unternehmerischen Sphäre zuzurechnen ist.

Beispiel

Eine Kollegin oder ein Kollege, die/der ebenfalls mit dem Virus infiziert ist/war, hat sich mit der infizierten Mitarbeiterin oder dem infizierten Mitarbeiter in den letzten 14 Tagen am selben Ort (z. B. im selben Büro/im selben Verkaufsbereich) aufgehalten. Vergleichbar ist ein intensiver beruflicher Kontakt in den letzten 14 Tagen mit einer infizierten Lieferantin oder einem infizierten Lieferanten. In Betracht kommt auch ein intensiver Kontakt mit einer infizierten Kundin oder einem infizierten Kunden.

Stand: 4.10.2022

Was bedeutet intensiver beruflicher Kontakt?

Ob ein intensiver beruflicher Kontakt vorgelegen hat, ist immer anhand der Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu beurteilen. Als Anhaltspunkte können eine Distanz von weniger als 1,5 m und ein Kontakt von mehr als 10 Minuten dienen. Im Einzelfall kann auch ein zeitlich kürzerer Kontakt ausreichen, wenn es sich um eine besonders intensive Begegnung gehandelt hat. Umgekehrt kann dies für einen längeren Kontakt gelten, obwohl der Mindestabstand von 1,5 m eingehalten wurde.

Zu berücksichtigen ist aber auch die Art der Tätigkeit (bei schwerer körperlicher Arbeit und mangelnder Lüftung kann das Ansteckungsrisiko höher sein), ob ein Mund-Nasen-Schutz getragen wurde sowie die Größe, die Belüftung und die Temperatur der Räumlichkeiten.

Stand: 4.10.2022

Muss eine berufsbedingte Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 mit einem PCR-Test dokumentiert werden?

Wer den Verdacht hat, sich bei der Arbeit mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 angesteckt zu haben, und typische Symptome einer Erkrankung an COVID-19 zeigt, sollte die Infektion mit einem PCR-Test prüfen und dokumentieren lassen. Ein positives Testergebnis gilt als Nachweis für die gesetzliche Unfallversicherung, dass es sich bei einer Erkrankung um COVID-19 handelt. Wie das Bundesgesundheitsministerium auf seinen Webseiten zur Corona-Testverordnung vom 11. Februar 2022 klargestellt hat, haben Personen, bei denen der Verdacht auf eine berufsbedingte Infektion besteht, weiterhin Anspruch auf einen PCR-Test. Voraussetzung hierfür ist ein positiver Antigentest sowie Hinweise darauf, dass die Infektion bei der Arbeit erfolgt ist.

Stand: 4.10.2022

Müssen sich Beschäftigte mit Verdacht auf eine COVID-19-Erkrankung bei einem Durchgangsarzt vorstellen?

Nein – eine Vorstellung beim Durchgangsarzt, einzig zur Aufnahme der versicherungsrechtlich relevanten Daten, ist aus Gründen der Infektionsprävention nicht sinnvoll. Durchgangsärzte führen keinen Test und keine Behandlung bei COVID-19-Erkrankungen durch. Vor dem Hintergrund der besonderen Sachlage, der Quarantäneauflagen, der erforderlichen fachspezifischen Behandlung und der Gefahr der Kontamination der Arztpraxen, ist von der Vorstellung beim Durchgangsarzt abzusehen. Nach den Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen sich Personen, die eine Infektion vermuten, telefonisch an das zuständige Gesundheitsamt oder ihren Hausarzt wenden, die dann die Koordination übernehmen. Bei einem positiven Befund einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters im Betrieb, muss die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber umgehend das weitere Vorgehen mit dem zuständigen Gesundheitsamt abstimmen und veranlassen.

Stand: 4.10.2022

Ist eine Unfallanzeige zu erstellen, wenn das Gesundheitsamt anordnet, dass Beschäftigte in Quarantäne müssen?

Wenn die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter nicht mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 infiziert ist oder zwar infiziert ist, aber keine Symptome aufweist, liegt keine Arbeitsunfähigkeit vor. Wurde lediglich eine Quarantäne angeordnet, ist folglich keine Unfallanzeige zu erstellen.

Stand: 4.10.2022

Ist eine Unfallanzeige zu erstellen, wenn die Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 symptomlos verlaufen ist?

In einem solchen Fall müssen Sie keine Unfallanzeige erstellen. Allerdings empfehlen wir alle Tatsachen, die mit der Infektion zusammenhängen im Verbandbuch zu dokumentieren. Kommt es nach einiger Zeit doch noch zu einer Erkrankung im Zusammenhang mit der Infektion, helfen diese Daten uns bei der Ermittlung.

Stand: 4.10.2022

Gibt es Besonderheiten, die bei der Erstellung einer Unfallanzeige im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung zu beachten sind?

Grundsätzlich gelten keine Besonderheiten für die Erstattung der Unfallanzeige im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung.

Detaillierte Informationen finden Sie unter "Arbeitsunfall melden".

Formular Unfallanzeige (barrierefrei)

Stand: 4.10.2022

Kann eine Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 eine Berufskrankheit darstellen?

Grundsätzlich ist dies möglich. Von der Nummer 3101 der Berufskrankheitenliste werden jedoch nur Personen erfasst, die infolge ihrer Tätigkeit im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert werden und deshalb an COVID-19 erkranken. Gleiches gilt für Personengruppen, die bei ihrer versicherten Tätigkeit der Infektionsgefahr in einem ähnlichen Maße besonders ausgesetzt waren.

Zum Gesundheitsdienst zählen z. B. Krankenhäuser, Arztpraxen, Apotheken, Physiotherapieeinrichtungen, Krankentransporte, Rettungsdienste oder Pflegedienstleistungen.

Einrichtungen der Wohlfahrtspflege sind vor allem solche der Kinder-, Jugend-, Familien und Altenhilfe sowie zur Hilfe für behinderte oder psychisch erkrankte Menschen bzw. Menschen in besonderen sozialen Situationen (z. B. Suchthilfe oder Hilfen für Wohnungslose).

Neben wissenschaftlichen und medizinischen Laboratorien werden auch Einrichtungen mit besonderen Infektionsgefahren erfasst, soweit die dort Tätigen mit Kranken in Berührung kommen oder mit Stoffen umgehen, die kranken Menschen zu Untersuchungszwecken entnommen wurden.

Eine Anerkennung als Berufskrankheit setzt weiterhin voraus, dass nach einer Infektion klinische Symptome auftreten. Treten erst später Gesundheitsschäden auf, die als Folge der Infektion anzusehen sind, kann eine Berufskrankheit ab diesem Zeitpunkt anerkannt werden.

Stand: 4.10.2022

Bin ich im Homeoffice oder am Telearbeitsplatz bei einem Unfall gesetzlich unfallversichert?

Mobiles Arbeiten und die Tätigkeit im Homeoffice ist mehr als ein Mittel, um einer Pandemie zu begegnen – 
es sind DIE Arbeitsformen der Zukunft. Für Betriebe und Beschäftigte stellt sich natürlich im Falle eines Unfalls die Frage nach dem Versicherungsschutz.

Beschäftigte stehen bei mobiler Arbeit während ihrer dienstlichen Tätigkeit, zum Beispiel im Homeoffice, im Hotel oder im Zug, unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung – genau wie ihre Kolleginnen und Kollegen im Betrieb.

Denn grundsätzlich gilt: Ein Unfall infolge einer versicherten Tätigkeit ist ein Arbeitsunfall und steht damit unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Maßgeblich ist dabei nicht unbedingt der Ort der Tätigkeit, sondern die Frage, ob die Tätigkeit in einem engen Zusammenhang mit den beruflichen Aufgaben steht – das Bundessozialgericht spricht hier von der Handlungstendenz.

Betriebswege

  • Versichert sind neben der eigentlichen Arbeitstätigkeit auch grundsätzlich sogenannte Betriebswege wie der Weg zum Drucker in einem anderen Raum sowie Wege, um zum Beispiel ein Getränk oder etwas zu essen zu holen oder zur Toilette zu gehen. 
  • Es besteht Versicherungsschutz im selben Umfang, wie bei Ausübung der Tätigkeit auf der Unternehmensstätte.
  • Beispiel: Fällt eine Versicherte die Treppe hinunter und verletzt sich dabei, weil sie im Erdgeschoss die unterbrochene Internetverbindung überprüfen will, die sie für die dienstliche Kommunikation benötigt, wäre dieser Unfall versichert. Fällt sie hingegen die Treppe hinunter, weil sie eine private Paketsendung entgegennehmen will, wäre dies nicht versichert. Denn eigenwirtschaftliche – das heißt private – Tätigkeiten sind auch im Büro grundsätzlich nicht gesetzlich unfallversichert.

Wege zum Unternehmssitz

  • Versichert sind auch Wege vom häuslichen Arbeitsplatz in die Firma, zum Beispiel, um gefertigte Arbeiten dort abzuliefern oder an einer Besprechung teilzunehmen.
  • Der Versicherungsschutz beginnt nicht mit dem Verlassen des Arbeitszimmers, sondern erst mit dem Durchschreiten der Außentür des Wohngebäudes.

Wege zur Kinderbetreuung

  • Versicherungsschutz besteht auch auf den Wegen zur Kinderbetreuung: Bringen Beschäftigte ihr Kind, das mit ihnen in einem gemeinsamen Haushalt lebt, aus dem Homeoffice zu einer externen Betreuung wie zur Kita oder Schule, stehen sie auf dem direkten Hin- und Rückweg unter Versicherungsschutz.
  • Voraussetzung ist, dass für diese Wege ein zeitlicher Zusammenhang mit der im Homeoffice bzw. im Rahmen von mobiler Arbeit  ausgeübten Tätigkeit besteht.

Ob ein Arbeitsunfall vorliegt, muss je nach Einzelfall entschieden werden.

Stand: 4.10.2022

Besteht Unfallversicherungsschutz bei Testungen auf das Corona-Virus?

Testungen auf das Coronavirus dienen der Erkennung einer Infektion mit diesem Virus und haben neben dem Eigenschutz der getesteten Person vor allem den Schutz Dritter vor Ansteckungen zum Ziel. Beide Ziele sind in erster Linie privater Natur. Testungen auf das Coronavirus werden deshalb nur unter bestimmten Voraussetzungen vom Schutzbereich der gesetzlichen Unfallversicherung erfasst.

Dabei reicht es nicht aus, dass die Testung als solche gesellschaftlich erwünscht oder vom Unternehmen bzw. der besuchten Einrichtung unterstützt bzw. gefördert wird. Selbst ein mittelbarer Nutzen für das Unternehmen oder die Einrichtung, z.B. die Erwartung eines niedrigeren Krankenstandes, ändert hieran nichts.

Ausnahmsweise unter Versicherungsschutz stehen dagegen Testungen, die einen engen sachlichen Zusammenhang mit der versicherten Tätigkeit aufweisen. Ein solcher liegt vor, wenn die Testung auf Veranlassung des Arbeitgebers bzw. der besuchten Einrichtung erfolgt oder eine wesentliche Voraussetzung für die Fortführung der versicherten Tätigkeit darstellt.

Die auf Grund der allgemeinen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung erforderliche Vorlage eines negativen Testergebnisses für den Zugang zum Unternehmen oder der Einrichtung für Personen, die nicht geimpft oder genesen sind, erfüllt diese Voraussetzung nicht. Sie ist keine mit den spezifischen Umständen der versicherten Tätigkeit zusammenhängende Maßnahme und stellt daher eine unversicherte Vorbereitungshandlung dar.

Versicherungsschutz für die Testungen über § 2 Abs. 1 Nr. 3 SGB VII scheidet ebenfalls aus, da auch dort nur spezifische, sich aus der jeweiligen speziellen versicherten Tätigkeit ergebende Maßnahmen erfasst werden sollen.

Zuständig ist in diesen Fällen der Unfallversicherungsträger des die Testung veranlassenden Unternehmens bzw. der die Testung veranlassenden Einrichtung.

Stand: 4.10.2022

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