Corona FAQ: Versicherungsschutz und Unfallanzeige

Die wichtigsten Fragen zur Unfallanzeige nach einer COVID-19-Erkrankung und zum Versicherungsschutz in der Coronapandemie.

Sie sind Arbeitgeberin, Arbeitgeber, Personalsachbearbeiterin oder Personalsachbearbeiter und haben Fragen rund um das Thema Unfallanzeige im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung?

Alle wichtigen Informationen erhalten Sie zusammengefasst hier.

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Bin ich im Homeoffice oder am Telearbeitsplatz bei einem Unfall gesetzlich unfallversichert?

Beschäftigte und versicherte Unternehmerinnen und Unternehmer sind im Homeoffice beziehungsweise bei Telearbeit grundsätzlich gesetzlich unfallversichert. Dabei ist es egal, ob der Arbeitsplatz ein eigener Raum ist oder nur eine Ecke in einem Zimmer.

Es sind jedoch nur solche Tätigkeiten versichert, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Arbeit stehen. Gleiches gilt für betriebliche Tätigkeiten in Räumen, in denen zum Beispiel aus technischen Gründen ein für die Arbeit benötigtes Gerät aufgestellt ist. Ebenso versichert sind Wege vom häuslichen Arbeitsplatz in die Firma, um beispielsweise Arbeitsergebnisse abzuliefern, neue Arbeitsaufträge entgegenzunehmen oder an Besprechungen teilzunehmen. Der Versicherungsschutz beginnt und endet auf Wegen zum Betrieb mit Durchschreiten der äußeren Haustür.

Zu beachten ist: Unterbricht jemand für private Tätigkeiten oder Erledigungen die Arbeit, ist der Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung zumindest für diese Zeit unterbrochen.

Grundsätzlich gilt: Versichert sind alle Tätigkeiten, die in einem sachlichen Zusammenhang mit dem Beschäftigungsverhältnis stehen. Entscheidend ist dabei die Handlungstendenz der versicherten Person zum Unfallzeitpunkt. Eine rechtsverbindliche Bewertung hängt letztlich immer von den konkreten Umständen jedes einzelnen Falles ab.

Stand: 06.07.2021

Kann eine Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 eine Berufskrankheit darstellen?

Grundsätzlich ist dies möglich. Von der Nummer 3101 der Berufskrankheitenliste werden jedoch nur Personen erfasst, die infolge ihrer Tätigkeit im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert werden und deshalb an COVID-19 erkranken. Gleiches gilt für Personengruppen, die bei ihrer versicherten Tätigkeit der Infektionsgefahr in einem ähnlichen Maße besonders ausgesetzt waren.

Zum Gesundheitsdienst zählen z. B. Krankenhäuser, Arztpraxen, Apotheken, Physiotherapieeinrichtungen, Krankentransporte, Rettungsdienste oder Pflegedienstleistungen.

Einrichtungen der Wohlfahrtspflege sind vor allem solche der Kinder-, Jugend-, Familien und Altenhilfe sowie zur Hilfe für behinderte oder psychisch erkrankte Menschen bzw. Menschen in besonderen sozialen Situationen (z. B. Suchthilfe oder Hilfen für Wohnungslose).

Neben wissenschaftlichen und medizinischen Laboratorien werden auch Einrichtungen mit besonderen Infektionsgefahren erfasst, soweit die dort Tätigen mit Kranken in Berührung kommen oder mit Stoffen umgehen, die kranken Menschen zu Untersuchungszwecken entnommen wurden.

Eine Anerkennung als Berufskrankheit setzt weiterhin voraus, dass nach einer Infektion klinische Symptome auftreten. Treten erst später Gesundheitsschäden auf, die als Folge der Infektion anzusehen sind, kann eine Berufskrankheit ab diesem Zeitpunkt anerkannt werden.

Gibt es Besonderheiten, die bei der Erstellung einer Unfallanzeige im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung zu beachten sind?

Grundsätzlich gelten keine Besonderheiten für die Erstattung der Unfallanzeige im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung.

Detaillierte Informationen finden Sie unter "Arbeitsunfall melden".

Formular Unfallanzeige (barrierefrei)

Ist eine Unfallanzeige zu erstellen, wenn das Gesundheitsamt anordnet, dass Beschäftigte in Quarantäne müssen?

Wenn die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter nicht mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 infiziert ist oder zwar infiziert ist, aber keine Symptome aufweist, liegt keine Arbeitsunfähigkeit vor. Wurde lediglich eine Quarantäne angeordnet, ist folglich keine Unfallanzeige zu erstellen.

Müssen sich Beschäftigte mit Verdacht auf eine COVID-19-Erkrankung bei einem Durchgangsarzt vorstellen?

Nein – eine Vorstellung beim Durchgangsarzt, einzig zur Aufnahme der versicherungsrechtlich relevanten Daten, ist aus Gründen der Infektionsprävention nicht sinnvoll. Durchgangsärzte führen keinen Test und keine Behandlung bei COVID-19-Erkrankungen durch. Vor dem Hintergrund der besonderen Sachlage, der Quarantäneauflagen, der erforderlichen fachspezifischen Behandlung und der Gefahr der Kontamination der Arztpraxen, ist von der Vorstellung beim Durchgangsarzt abzusehen. Nach den Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen sich Personen, die eine Infektion vermuten, telefonisch an das zuständige Gesundheitsamt oder ihren Hausarzt wenden, die dann die Koordination übernehmen. Bei einem positiven Befund einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters im Betrieb, muss die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber umgehend das weitere Vorgehen mit dem zuständigen Gesundheitsamt abstimmen und veranlassen.

Was bedeutet intensiver beruflicher Kontakt?

Ob ein intensiver beruflicher Kontakt vorgelegen hat, ist immer anhand der Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu beurteilen. Als Anhaltspunkte können eine Distanz von weniger als 1,5 m und ein Kontakt von mehr als 15 Minuten dienen (vgl. SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel vom 20. August 2020). Im Einzelfall kann auch ein zeitlich kürzerer Kontakt ausreichen, wenn es sich um eine besonders intensive Begegnung gehandelt hat. Umgekehrt kann dies für einen längeren Kontakt gelten, obwohl der Mindestabstand von 1,5 m eingehalten wurde.

Zu berücksichtigen ist aber auch die Art der Tätigkeit (bei schwerer körperlicher Arbeit und mangelnder Lüftung kann das Ansteckungsrisiko höher sein), ob ein Mund-Nasen-Schutz getragen wurde sowie die Größe, die Belüftung und die Temperatur der Räumlichkeiten.

In welchen Fällen liegt der Verdacht nahe, dass die Infektion bei der beruflichen Tätigkeit erfolgt ist?

Der Verdacht liegt nahe, wenn die infizierte Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter einen intensiven beruflichen Kontakt  mit einer Indexperson (Person, die nachweislich mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 infiziert ist) hatte. Hierbei kommt es vor allem auf die Dauer und die Intensität des Kontaktes im konkreten Einzelfall an.

Entsprechendes gilt, wenn die Infektion nachvollziehbar auf dem Weg zur oder von der Arbeit erfolgt ist. Insbesondere ist hier an vom Unternehmen organisierte Gruppenbeförderung oder Fahrgemeinschaften von Versicherten zu denken.

Lässt sich keine konkrete Indexperson feststellen, kann im Einzelfall auch das Vorhandensein einer größeren Anzahl nachweislich infizierter Personen innerhalb eines Betriebs oder einer Einrichtung ausreichen. Zusätzliche Voraussetzung ist, dass konkrete, die Infektion begünstigende Bedingungen bei der versicherten Tätigkeit vorgelegen haben. Diese Fallgruppe kann zum Beispiel einschägig sein bei Fällen eines Massenausbruchs in der Fleischindustrie.

Infektionen, die in grundsätzlich unversicherten Lebensbereichen (z. B. beim Kantinenbesuch oder in Gemeinschaftsunterkünften) eintreten, können nur in eng begrenzten Ausnahmefällen als Arbeitsunfälle gelten. Voraussetzung ist, dass dort eine gesteigerte Infektionsgefahr bestand, die der unternehmerischen Sphäre zuzurechnen ist. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn SARS-CoV-2- Arbeitsschutzregeln nicht eingehalten werden konnten.

Beispiel

Eine Kollegin oder ein Kollege, die/der ebenfalls mit dem Virus infiziert ist/war, hat sich mit der infizierten Mitarbeiterin oder dem infizierten Mitarbeiter in den letzten 14 Tagen am selben Ort (z. B. im selben Büro/im selben Verkaufsbereich) aufgehalten. Vergleichbar ist ein intensiver beruflicher Kontakt in den letzten 14 Tagen mit einer infizierten Lieferantin oder einem infizierten Lieferanten. In Betracht kommt auch ein intensiver Kontakt mit einer infizierten Kundin oder einem infizierten Kunden.

In welchen Fällen ist beim Auftreten von COVID-19 im Betrieb eine Unfallanzeige zu erstatten?

Eine Unfallanzeige ist grundsätzlich nicht schon dann zu erstatten, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter an COVID-19 erkrankt ist, sondern nur, wenn die folgenden Voraussetzungen gemeinsam vorliegen:

  • Mitarbeiterin oder Mitarbeiter wurde positiv auf Corona-Virus SARS-CoV-2 getestet,
  • Mitarbeiterin oder Mitarbeiter zeigt Krankheitssymptome (z. B. Fieber, Husten, Störungen des Geruchs- und/oder Geschmackssinns, Atemnot/Atembeschwerden, Lungenentzündung etc.),
  • Die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber hat den Verdacht, dass die Infektion im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit erfolgt ist, 
  • Arbeitsunfähigkeit von mehr als 3 Tagen.

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Kann die Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 einen Arbeitsunfall darstellen?

Sofern die Infektionskrankheit durch eine Einwirkung bei der versicherten Tätigkeit (z. B. Beschäftigung) verursacht wurde, kann eine Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 einen Arbeitsunfall darstellen.

Voraussetzung ist, dass im Rahmen der versicherten Tätigkeit nachweislich ein intensiver beruflicher Kontakt mit einer Indexperson (Person, die nachweislich mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 infiziert ist) stattgefunden hat. Dieser Kontakt muss innerhalb der letzten 14 Tage vor Erkrankungsbeginn bzw. dem Nachweis einer Infektion erfolgt sein.

Bei der Prüfung der Voraussetzungen eines Arbeitsunfalls ist stets zu berücksichtigen, ob im maßgeblichen Zeitpunkt Kontakt zu anderen Indexpersonen in nicht versicherten Lebensbereichen (z. B. Familie, Freizeit oder Urlaub) bestanden hat.

Bitte beachten Sie, dass immer die Umstände des konkreten Einzelfalls entscheidend sind.

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