Lüftung: Was ist bei Lüftungsanlagen, mobilen Lüftungsgeräten, Luftreinigern und natürlicher Belüftung zu beachten?

Lüftungsanlagen - mobile / dezentrale Lüftungsgeräte -Luftreiniger - Fenster

Stand 29.10.2020

Stand 29.10.2020

Das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 über sachgerecht instandgehaltene RLT-Anlagen wird als gering eingestuft. Der Betrieb der RLT-Anlage hat stets derart zu erfolgen, dass ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft zugeführt, Stoff-, Feuchte- oder Wärmelasten zuverlässig abgeführt werden. 

  • Der Umluftbetrieb von RLT-Anlagen, die nicht über geeignete Einrichtungen zur Luftreinigung verfügen, ist zu vermeiden, soweit dies aus technischen und technologischen Gründen möglich ist.
  • Erhöhen Sie die Außenluftzufuhr über die RLT-Anlage und vermeiden Sie oder reduzieren Sie den Umluftbetrieb soweit wie möglich. Dies ist erfahrungsgemäß nicht anwenderseitig einstellbar sondern durch die Fachfirma umzusetzen.
  • Die Überprüfung der Qualität der Lüftung kann durch eine CO2-Messung erfolgen. Entsprechend ASR A3.6 ist eine CO2-Konzentration im Raum bis zu 1.000 ppm noch akzeptabel. In der Zeit der Epidemie ist dieser Wert soweit möglich zu unterschreiten.
  • Um bei  CO2 gesteuerten Lüftungsanlagen einen durchgehenden Betrieb sicherzustellen sollten Sie einen Zielwert von 400 ppm einstellen.
  • Die Lüftungsanlage soll mindestens 2 Stunden vor und nach Benutzung des Gebäudes auf Nennleistung gefahren werden.
  • In Zeiten, in denen das Gebäude nicht benutzt wird, z. B. nachts oder am Wochenende, Lüftung nicht ausschalten, sondern mit abgesenkter Leistung fahren.
  • RLT-Anlagen in Sanitärräumen sollen zu den Betriebszeiten der Arbeitsstätte dauerhaft betrieben werden.
  • Erhöhen Sie nach Möglichkeit und Abstimmung der Fachunternehmen druckseitig die eingesetzten Filterstufen, z. B. von Klasse F7 auf F8 oder F9. Sofern technisch möglich können auch HEPA-Filter der Klassen H13 oder H14 verwendet werden. Die Erhöhung der Filterklassen hat bei bestehenden Anlagen eine Absenkung des Luftvolumenstroms zur Folge. Sofern die Strömungsleistung beibehalten werden soll, ist eine Vergrößerung der angeströmten Filterflächen notwendig.
  • Bei Klimaanlagen sind keine Änderungen der Arbeitspunkte (Heizen, Kühlen, Be- oder Entfeuchten) notwendig.
  • Die Lüftungsanlage sollte regelmäßig durch Fachpersonal instandgehalten werden, z. B. Rotationswärmetauscher auf Leckagen zwischen Ab- und Zuluft prüfen und Filterwechsel nur unter Verwendung persönlicher Schutzausrüstungen (mind. Handschuhe und Atemschutz).

Stand 29.10.2020

Der Betrieb von Umluftgeräten wie Klimageräte, Heizlüfter oder Ventilatoren führt nicht dazu, dass die Luft im Innenraum mit Außenluft ausgetauscht wird. Sie tragen lediglich zu einer gleichmäßigen Verteilung der Luft im Raum bei und können im Zuge der Luftumwälzung virenhaltige Aerosole im gesamten Raumbereich verteilen.

  • Für eine ausreichende Frischluftzufuhr von außen sorgen.
  • Schalten Sie Lüftungs- oder Klimageräte, die nur Raumluft umwälzen, nach Möglichkeit aus.
  • Umluftgeräte nur in Innenräumen mit Einzelbelegung betreiben.
  • Sollen trotzdem Umluftgeräte in Innenräumen mit einer Belegung von mehreren Personen eingesetzt werden, ist dies in der Gefährdungsbeurteilung zu begründen. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass der Luftstrom nicht direkt von einer Person zu einer anderen Person geht, um ein erhöhtes Risiko einer Übertragung von virusbelasteten Tröpfchen oder Aerosolen zu vermeiden. Die spezifischen Randbedingungen, z. B. Raumgeometrie, Arbeitsplatzanordnung, Gerätestandort und die Strömungsverhältnisse der Raumluft sind zu beachten.

Stand 23.09.2020

In den Medien wird immer wieder über die Möglichkeit berichtet, mobile Luftreiniger zum Schutz vor SARS-CoV-2-Viren einzusetzen. Zur Luftreinigung werden unterschiedliche Verfahren angeboten die teilweise auch miteinander kombiniert werden. Dazu zählen Hochleistungsfilter, UV-C-Strahlung und Plasmatechnik.
Bei der Wirksamkeit von Geräten mit Filtertechnik wird häufig auf eine Studie der Universität der Bundeswehr in München verwiesen. In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass sich die Aerosolkonzentration durch den Einsatz von Luftreinigern mit Hochleistungsfiltern selbst in Räumen mit einer Fläche von 80 m2 je nach Volumenstrom in 6 ‒ 15 Minuten halbieren lässt. Ein solcher Wirkungsgrad  kann allerdings nicht ohne weiteres auf die Verhältnisse in betrieblich genutzten Räumen übertragen werden. Zum einen  wurde dies mit einem sehr leistungsstarken Gerät bei einem Volumenstrom im Bereich von 600 bis 1500 m³ Luft/Stunde erreicht. Zudem  fand die Untersuchung in einem weitgehend leeren Raum statt. Die Reinigungsleistung in der Praxis hängt stark davon ab, dass die gefilterte Luft möglichst ungehindert durch den Raum strömen kann bzw. belastete Luft möglichst aus dem gesamten Raum angesaugt werden kann. Möbel, Trennwände oder anderes behindern eine gleichmäßige Durchlüftung. Auch durch Wärmequellen wie Menschen, PCs, Lampen oder anderes kann der Luftstrom abgelenkt bzw. in seiner Ausbreitung beeinflusst werden.
Ein kritischer Punkt  ist die Reichweite, mit der Luft aus dem Raum angesaugt werden kann. Die Strömungsgeschwindigkeit der angesaugten Luft lässt bereits in geringem Abstand vom Gerät erheblich nach, so dass je nach Leistung des Gerätes nach einem Meter Abstand kaum noch Luftbewegung feststellbar ist. Wenn jetzt noch Stühle, Tische oder anderes Mobiliar im Raum stehen, wird das Ansaugen bzw. eine gleichmäßige Durchlüftung behindert.

Als Nachweis für die Wirksamkeit wird häufig auf die Filterleistung verwiesen, z.B. die Verwendung von H14-Filtern die gewährleisten, dass Aerosolpartikel mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,3 μm zu 99,995% aus der Raumluft abgeschieden werden. Ob das Gerät als Ganzes diese Reinigungsleistung bringt bzw. als Ganzes getestet wurde, ist aus den Beschreibungen nicht immer ersichtlich. Darüber hinaus gelten die Angaben nur für den Anteil der Raumluft, der durch den Filter hindurchgesaugt wurde. Deshalb sollten immer die Testprotokolle angefordert werden. Gleiches gilt für Luftreinigungsgeräte, die mit UV-C-Strahlung, Plasmatechnik oder anderen Dekontaminationsverfahren arbeiten oder Kombination solche Verfahren einsetzen. Auch hier ist zu beachten, dass die Wirksamkeit des Luftreinigungsgerätes als Ganzes nachgewiesen sein muss. Die Wirksamkeit von UV-C-Strahlung zur Dekontamination von Oberflächen ist nachgewiesen. Ob die UV-C-Strahler oder das Plasma ausreichen, um die vorströmenden Luftvolumen von mehreren Hundert Kubikmetern pro Stunde ausreichend zu dekontaminieren,  ist für die Anwendung in der Praxis ausschlaggebend.

Es lässt sich festhalten, dass pauschale Aussagen zur Wirksamkeit von Luftreingungsgeräten nicht möglich sind. Neben den gerätespezifischen Kriterien muss auch die jeweilige Raumgestaltung und –nutzung berücksichtigt werden. Luftreiniger können zudem Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten nicht ersetzen, da sie keinen Schutz gegenüber Tröpfcheninfektionen bieten. Zu berücksichtigen ist auch, dass Luftreinigungsgeräte den Austausch verbrauchter durch frische Luft nicht ersetzen können.

Weiterführende Informationen zum Einsatz von UV-C-Strahlung und zu möglichen Gefährdungen finden Sie beim Bundesamt für Strahlenschutz .

Stand 29.10.2020

Ein intensives, sachgerechtes Lüften von Innenräumen bewirkt eine Abfuhr und damit Verringerung der Konzentration luftgetragener Viren. Durch kurzeitiges weites Öffnen der Fenster findet mittels Stoßlüftung der Austausch von Raumluft durch Außenluft auf Grund von Temperatur- und Druckdifferenzen statt. 

  • Regelmäßige Stoßlüftung sollte über die gesamte Fensterfläche für 3 Minuten im Winter, 5 Minuten im Frühjahr/Herbst und ca. 10 Minuten im Sommer stattfinden.
  • Zeitliche Lüftungsabstände an die Anzahl der Personen anpassen, z. B. für Büroräume, Besprechungs- und Seminarräumen alle 20 Minuten.
  • Räume, die von mehreren Personen genutzt werden, insbesondere Besprechungs- und Seminarräume, aber auch andere wie Pausen-, Bereitschaftsräume und Kantinen sollten vor und nach Benutzung ausgiebig gelüftet werden.
  • Als Hilfestellung zur Überprüfung der Luftqualität kann mit einer CO2-Ampel die CO2-Konzentration gemessen werden. Alternativ kann die CO2-Konzentration im Raum auch berechnet werden, z. B. mit der CO2-App der DGUV
    Mehr Infos und Download
  • Alternativ kann der Lüftungsrechner der Berufsgenossenschaft für Nahrungsmittel und Gastgewerbe verwendet werden.
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