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Mund und Nase bedecken, Visiere oder Atemschutz?

Unter dem Schlagwort Atemschutz werden immer wieder unterschiedliche Masken und Gesichtsbedeckungen mit entsprechend unterschiedlichen Einsatzzwecken durcheinander geworfen.

Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS) und Mund-Nasen-Bedecken (MBB)

Visiere / Gesichtsschilde

Filtrierende Atemschutzmasken (FFP2-/FFP3-Masken) 

Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS)  und Mund-Nasen-Bedeckungen (MNB)

Medizinische Mund –Nasen-Schutzmasken (MNS) und auch die inzwischen häufiger zu sehenden selbst genähten Behelfsmasken zur Bedeckung von Mund und Nase (NMB, auch bezeichnet als Alltagsmasken oder Community-Masken) verfolgen ähnliche Ziele, nämlich den Schutz von Personen und Oberflächen in der Umgebung des Trägers  vor winzigen Tröpfchen aus dessen Atemwegen.  Sie sind als Eigenschutz nicht effektiv, da sie die eingeatmete Luft nicht wirksam filtern können. Sie sind aber in der Lage Tröpfchen zumindest teilweise abzufangen, die beim Husten und Sprechen aus den Atemwegen heraus geschleudert werden. Ein gewisser Schutz des Gegenübers im Falle einer eigenen Infektiosität ist daher anzunehmen.

Bei COVID-19 wird davon ausgegangen, dass ein Teil der Infektionen unentdeckt bleibt, weil sich keine oder nur sehr schwache Symptome entwickeln. Auch  Personen, die erkennbar erkranken,  können schon vor dem Eintreten von typischen Symptomen  infektiös sein, ohne es selbst zu bemerken. Tragen unbemerkt Infektiöse  eine Barriere vor Mund und Nase (dies kann auch eine textile Behelfsmaske sein), so wird  die Infektionsgefahr in der unmittelbaren Umgebung etwas reduziert.

Kommerziell und privat hergestellte MNB bestehen meist aus handelsüblichen, unterschiedlich eng gewebten Baumwollstoffen und stellen gegenüber SARS-CoV-2-haltigen Tröpfchen eine begrenzte Barriere dar, allerdings in einem geringeren Maße als z.B. medizinische Gesichtsmasken nach DIN EN 14683 oder gar FFP-Atemschutzmasken nach DIN EN 149. 

Eine Reduzierung potentieller Tröpfchenübertragungen ist vor allem dann zu erwarten, wenn möglichst viele Personen eine Barriere tragen.  Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen wird deshalb als Ergänzung zu den übrigen zentralen Schutzmaßnahmen in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum  dringend empfohlen. Dies bezieht sich insbesondere auf Örtlichkeiten, an denen mehrere Menschen zusammentreffen und sich dort länger aufhalten (z. B. Arbeitsplatz) oder der physische Abstand von mindestens 1,5 Metern nicht immer eingehalten werden kann (z. B. Einkaufssituation, öffentliche Verkehrsmittel).

Gemäß SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard von BMAS und DGUV sollen unabhängig vom Betrieblichen Maßnahmenkonzept  in Zweifelsfällen, bei denen der Mindestabstand nicht sicher eingehalten werden kann, Mund-Nasen-Bedeckungen zur Verfügung gestellt und getragen werden. Aus der Sicht des Arbeitsschutzes leitet sich daraus kein Zwang zum ständigen Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen ab. Erste Priorität hat nach wie vor, das Einhalten eines Mindestabstandes von 1,5 m. Nur wenn dies durch bauliche oder organisatorische Maßnahmen wie Abtrennungen, oder Zugangsregelungen nicht sicher erreicht werden kann, greift die Forderung nach Mund-Nasen-Bedeckungen. Dies gilt z. B. für Beschäftigte im Handel, die Kunden auf der Fläche beraten oder Ware verräumen.

An stationären Kassenarbeitsplätzen, die einen breiten und möglichst mehrseitigen Schutz der Beschäftigten garantieren, wie dies in der Frage „Bieten durchsichtige Trennwände einen Schutz für das Kassenpersonal?“ beschrieben und in den Best-Practice-Beispielen dargestellt ist, müssen keine Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden. Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen darf aber keineswegs dazu führen, dass Schutzmaßnahmen entfallen.  In Betrieben entfällt hierdurch auf keinen Fall die grundsätzliche Forderung, die Arbeitsplätze so zu gestalten, dass die Mindestabstände zwischen den anwesenden Personen gewährleistet sind oder – wenn dies nicht möglich ist, physische  Abtrennungen z. B. in Form transparenter Trennscheiben o. ä. angebracht werden.

Nase-Mund-Bedeckungen stellen einen gewissen Fremdschutz dar, sind aber kein sicherer Selbstschutz für den Träger. Sie können daher das potentiell erhöhte Risiko einer Infektionsübertragung, das mit Unterschreiten des Mindestabstandes von 1,5 Metern anzunehmen ist, nicht so vollständig ausschalten, wie dies für Personen erforderlich wäre, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung haben . Solche Personen sollen auch mit MNB nicht in Bereichen eingesetzt werden, an denen der Mindestabstand nicht sicher eingehalten werden kann.

Die hygienische Handhabung ist auch bei einfachen Mund-Nasen-Bedeckungen zu beachten, d. h.:

  • Auf- und Absetzen möglichst berührungsfrei (am Befestigungsband anfassen) und nur mit gewaschenen Händen
  • Wechsel bei Durchfeuchtung oder Verschmutzung
  • Nach der Verwendung so zusammenlegen, dass die Innenseiten geschützt sind bzw. keine anderen Oberflächen berühren können
  • Waschen selbst genähte Behelfsmasken  nach jeder Benutzung bei mindestens 60°C in der Waschmaschine
  • Aufbewahrung in einem trockenen und sauberen Ort oder Behälter
  • Für benutzte MNB verschließbaren Sammelbehälter verwenden.
  • Einmalmasken können gemäß RKI über den Haus/Restmüll entsorgt werden. Idealerweise sollten die Einmalmasken in Gefrierbeuteln oder ähnlichem verschlossen werden. Auf keinen Fall sollen sie mit Abfällen entsorgt werden, die einer Sortierung zugeführt werden wie DSD-Abfälle (Duales System Deutschland GmbH)  oder Altpapier.

Dort, wo Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden müssen, ist zu beachten, dass diese für die Träger eine Belastung darstellen können und nicht dauerhaft während einer ganzen Schicht getragen werden sollten. Als vorläufige Empfehlung gilt, dass die Mund-Nasenbedeckungen bei Durchfeuchtung spätestens aber nach  2 Stunden gewechselt werden sollten.

Visiere / Gesichtsschilde

Haben Visiere bzw. Gesichtsschilde die gleiche Wirkung wie Mund-Nasen-Bedeckungen? 

Gesichtsschilde werden üblicherweise in medizinischen Einrichtungen wie z.B. Krankenhäusern als zusätzlicher Schutz des Gesichts vor direkten Spritzern (z.B. Blut) eingesetzt. Sie ersetzen dort weder medizinische Gesichtsmasken noch Atemschutzmasken.
Derzeit kann nicht sicher beurteilt werden, ob Gesichtsschilde in gleicher Weise wie Mund-Nasen-Bedeckungen geeignet sind, eine mögliche Ausbringung von SARS-CoV-2 über Tröpfchen der Ausatemluft zu reduzieren, und einen vergleichbaren Schutz vor SARS-CoV-2-haltigen Tröpfchen anderer Personen zu gewährleisten.
Solange diese Fragen nicht sicher geklärt sind, ersetzen aus unserer Sicht Gesichtsschilde im Regelfall nicht die nach dem SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard zu verwendenden Mund-Nasen-Bedeckungen, können aber eine sinnvolle Ergänzung zum Schutz des Gesichts vor Spritzern („Spuckschutz“) darstellen. Mit einem Gesichtsschild werden zudem die Augen geschützt, ein unbeabsichtigtes ins Gesicht fassen oder Augen reiben wird verhindert. Anstelle des Gesichtsschildes schützen selbstverständlich auch Schutzbrillen die Augen vor Spritzern.
Von den Anforderungen des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards kann allerdings der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung abweichen, wenn die gleiche Sicherheit auf andere Weise hergestellt werden kann. Ob Gesichtsschilde in Kombination mit weiteren Maßnahmen gegenüber den Mund-Nase-Bedeckungen eine gleichwertige Maßnahme zu den Mund-Nase-Bedeckungen sein können, muss dann entsprechend beurteilt und entschieden werden. Die branchenspezifischen Hilfestellungen der gesetzlichen Unfallversicherungsträger sind hierbei zu berücksichtigen.

Filtrierende Atemschutzmasken (FFP2-/FFP3-Masken)

Die eigentlichen Atemschutzmasken verhindern aufgrund ihrer Materialeigenschaften und ihres Dichtsitzes, dass Krankheitserreger wie SARS-CoV-2 eingeatmet werden  und können so die tragende Person selbst schützen. Es handelt sich dabei um partikelfiltrierende Halbmasken, die auch als FFP-Masken (Filtering Face Piece) bezeichnet werden. Diese sind als Schutzausrüstung in medizinischen Bereichen zwingend erforderlich, wo mit infizierten Patienten gearbeitet werden muss und ein Schutz des Personals nur mit solchen Atemschutzmasken gewährleistet werden kann. Eine vergleichbare Exposition ist außerhalb des medizinischen Bereichs in der Regel nicht anzunehmen.

Zertifizierte Medizinische Mund-Nasen-Schutzmasken und FFP2-/FFP3-Masken erfüllen als Medizinprodukte bzw. als persönliche Schutzausrüstung für den Arbeitsschutz gesetzliche Vorgaben und technische Normen und sind für die Sicherheit von Personal und Patienten im Gesundheitswesen und in der Pflege, aber auch z. B. im Rettungswesen unerlässlich. Im Handel sind sie auch für die beruflichen Anwender schwer zu beschaffen. Sie sollen daher für die vorgesehenen Einsatzgebiete vorbehalten bleiben und nicht in der Allgemeinheit an Stellen, an denen sie nicht zwingend erforderlich sind, verwendet werden.

Für den Gebrauch von Atemschutzmasken ist eine Unterweisung notwendig, die den sachgerechten Umgang und Gebrauch der Maske durch die Anwender (Tragezeitbegrenzung, Erholungszeiten, Passform, Lagedauer, Wechselfrequenz) umfasst. Vor der Verwendung von Atemschutzmasken ist der betriebsärztliche Dienst einzubeziehen.

Weitere Hinweise sowie eine Übersicht über die unterschiedlichen Maskentypen und ihren Einsatz finden sich auf den folgenden Seiten:

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte        

Hinweis:

Aktuell sorgen zahlreiche Atemschutzprodukte mit gefälschtem Zertifikat für Unsicherheit. Ob ein Produkt tatsächlich normgerecht geprüft und verordnungskonform zertifiziert wurde, lässt sich in der Datenbank von DGUV Test recherchieren.

 

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