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Der zweifache Lebensretter

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Nur wenige Menschen erleben die Situation, in der sie anderen Menschen das Leben retten können. Zymer Qetinaj (34) hat sie im vergangenen Jahr sogar zwei Mal erlebt: Der Abteilungsleiter im Familienunternehmen Heinrich Kühlmann hat zwei Arbeitskollegen das Leben gerettet. Für seine vorbildliche Erst-Hilfe-Leistung am Arbeitsplatz hat ihn die BGHW ausgezeichnet.

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Es war allerhöchste Zeit: Kurz nach Mitternacht erhält Abteilungsleiter Zymer Qetinaj einen Anruf von einem Mitarbeiter: „Komm mal rüber in die Produktionshalle, einem Kollegen geht es nicht gut.“ Es ging ihm sogar sehr schlecht, stellte Qetinaj sofort fest: Kreislaufprobleme. Der Rettungswagen wurde alarmiert. Qetinaj kümmerte sich um den 26-jährigen Kollegen im Erste-Hilfe-Raum, brachte ihn zunächst in eine stabile Seitenlage.

 

Reanimieren bis der Arzt kam

Als der Kollege jedoch das Bewusstsein verlor und aufhörte zu atmen, tat Qetinaj genau das richtige: Er begann sofort mit der Herzdruckmassage sowie Beatmung und setzte zusätzlich den Automatischen Externen Defibrillator (AED) ein – so wie er es zuvor in der Ersthelfer-Ausbildung gelernt hatte –, dieser löste automatisch zweimal einen elektrischen Schock aus. Dann führte Qetinaj die Reanimation fort. Es war der Moment, der über Leben und Tod des jungen Kollegen entschied. Eine Viertelstunde später traf der Rettungswagen ein. „Das waren die längsten 15 Minuten in meinem Leben“, erzählt der Abteilungsleiter heute. Der Rettungsarzt lobte ihn für seine Geistesgegenwart. Der Patient wurde umgehend in die Intensivstation eingeliefert.

Das waren die längsten 15 Minuten in meinem Leben.

Zymer QetinajAbteilungsleiter der Firma Kühlmann

Vier Wochen später war Qetinaj als Lebensretter wieder gefragt. In der Kochküche war morgens ein Mitarbeiter zusammengebrochen, sein Gesicht blau angelaufen, das Herz stand still. Qetinaj übernahm die Wiederbelebung und setzte erneut den von Kollegen herbeigeholten Defibrillator ein. „Der AED ist selbst für Laien einfach zu bedienen, weil das Gerät dir jeden Schritt erklärt“, erzählt Qetinaj. Auch dieses Mal rettete er das Leben eines Kollegen. „Sie haben goldrichtig gehandelt. Ohne ihre schnelle Reanimation hätten wir ihrem Kollegen nicht mehr helfen können“, sagte der Rettungssanitäter anschließend.

 

Ruhig und souverän reagiert

Betriebsleiter Udo Renneke hat diese brenzlige Situation hautnah miterlebt: „Wie ruhig und souverän Zymer reagiert hat, war für mich eine Lehrstunde. Ich bin stolz auf ihn. Es ist aber auch für unsere Firma ein tolles Gefühl, weil wir in die richtigen Dinge investieren, um die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiter zu schützen.“ So hat die Heinrich Kühlmann GmbH – ein mittelständisches Unternehmen, das Feinkostsalate herstellt – inzwischen jeden ihrer fünf Standorte in Westerwiehe, Westenholz und Dörentrup mit einem Defibrillator ausgerüstet. Und nicht nur das. Die Firma bietet im Frühjahr und Herbst sieben bis acht Ersthelfer-Schulungen für seine 600 festangestellten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an. „Und die Resonanz ist sehr gut, obwohl die Teilnahme an der Schulung freiwillig ist“, erzählt Renneke.

 

Leben retten, erfolgreich reanimieren

In der Ersthelfer-Schulung wird auch der Einsatz von AEDs gezeigt. „Das ist extrem wichtig“, sagt Guido Stadtmann, Aufsichtsperson der BGHW. „In Deutschland sterben jährlich etwa 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Bei fast 80 Prozent der Fälle kommt es dabei zum Herzkammerflimmern. Wichtig ist in einem solchen Augenblick die sofortige Wiederbelebung durch eine Herzmassage und Atemspende. Die Überlebenschancen könnten auf bis zu 75 Prozent gesteigert werden, wenn innerhalb der ersten drei Minuten nach dem Herz-Kreislaufstillstand gehandelt und das Herzkammerflimmern mit einem AED gestoppt wird.“ Stadtmann ist sicher, dass die Zahl der Geretteten deutlich erhöht werden könnte, wenn die Rettungskette von A bis Z optimal greifen würde, die Ersthelferinnen und Ersthelfer umgehend wiederbeleben und mehr AEDs zur Verfügung stünden. Dann könnten noch mehr Ersthelferinnen und Ersthelfer am Einsatzort einen Defibrillator einsetzen und dadurch das gefährliche Herzkammerflimmern stoppen. „Denn jede Minute zählt“, so Stadtmann. „Deswegen war der Einsatz von Zymer Qetinaj auch so vorbildlich.“

Zymer Qetinaj wird eine Urkunde überreicht
Der zweifache Lebensretter wird ausgezeichnet
Lagerung eines Defibrillators

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