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Die Haut richtig schützen

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Gefährdungen für die Haut sind so vielfältig wie die Berufe. Unabhängig davon, ob man im Freien oder im Betrieb arbeitet. Welche häufigen Hautgefährdungen es gibt – von rauen und scharfen Materialien über Feuchtarbeit bis Stress – und wie Beschäftigte sich davor am besten schützen.

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Raue und scharfe Materialien, Feuchtarbeiten, chemische Stoffe, Stress – es gibt viele Faktoren, die die Haut am Arbeitsplatz gefährden. Tipps für den Schutz der Haut und schnelle Hilfe bei Hauterkrankungen gibt die BGHW.  

Gefährdungen für die Haut werden häufig unterschätzt. Dabei ist die Haut nicht nur beim Arbeiten im Freien gefährdet, zum Beispiel durch natürliche UV-Strahlung. Die Zahl der arbeitsbedingten Hautkrebserkrankungen wächst. Es gibt auch zahlreiche innerbetriebliche Arbeitsplätze, an denen Hautschutz wichtig ist. Bei der BGHW gibt es einige Berufsgruppen, die besonders gefährdet sind. Dazu gehören zum einen Beschäftigte, die viel im Freien arbeiten, zum Beispiel am Hafen oder auf dem Schrottplatz. Zum anderen zählen dazu unter anderem Floristen, Lagerarbeiter und Kommissionierer, Reinigungspersonal und Beschäftigte in Werkstätten und den Frische- und Produktionsbereichen des Lebensmittelhandels. Die Gefährdungen sind so vielfältig wie die Berufe.

Häufige Gefährdungen der Haut:

1. Raue und scharfe Materialien

  • Raue oder scharfkantige Materialien wie Pappe oder Holz führen oft zu Mikroverletzungen der Haut. In die kleinen Wunden können schädigende Stoffe leichter eindringen.
  • Aggressive Hautreinigung, zum Beispiel mit Scheuersand oder Wurzelbürsten, schädigt die Haut und begünstigt Hauterkrankungen.

2. Feuchtarbeit

  • Viele Berufsgruppen wie Floristen, Reinigungskräfte oder Beschäftigte in den Frische- und Produktionsbereichen des Lebensmittelhandels setzen ihre Haut regelmäßig Feuchtigkeit aus.
  • Auch das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe sowie das häufige und intensive Reinigen und Desinfizieren der Hände zählt zur Feuchtarbeit.
  • Die permanente Belastung schädigt die Hornhaut, die Haut wird trocken.
  • Eine permanente Belastung kann zu Entzündungsreaktion und Ekzemen führen.

3. Chemische Stoffe

  • Reinigungs- und Waschmittel aller Art entfetten die Haut und schädigen ihre Barriere-Funktion.
  • Lösungsmittel für die Hautreinigung sowie wassergemischte Kühlschmierstoffe und viele andere chemische Arbeitsstoffe schädigen die Haut ebenfalls.

4. Allergene

  • Unzählige Stoffe können Allergien auslösen. Bei vorgeschädigter Haut dringen diese Stoffe leichter in die Haut ein und können durch Kontakt mit dem Immunsystem zu einer Sensibilisierung führen.
  • Häufige Allergene: Duftstoffe in Kosmetika oder Konservierungsmittel; Inhaltsstoffe von Pflanzen, etwa von Primeln oder Chrysanthemen.

5. Natürliche UV-Strahlen

  • Berufsgruppen, die häufig unter freiem Himmel arbeiten, wie Hafenarbeiter oder Mitarbeiter auf dem Schrottplatz, schädigen ihre Haut, wenn sie sich nicht konsequent schützen.
  • Ist die Haut über längere Zeiträume ungeschützt der Sonne ausgesetzt, altert sie vorzeitig, und es besteht die Gefahr, arbeitsbedingt an hellem Hautkrebs zu erkranken.

6. Stress

  • Die Haut reagiert auf Stress und Sorgen. Sie wird empfindlicher gegenüber äußeren, hautschädigenden Einflüssen.
  • Wer beispielsweise ständig unter Zeitdruck arbeiten muss, vernachlässigt häufig Schutz und Pflege seiner Haut. Dadurch können Hautkrankheiten entstehen, die wiederum zu einem unschönen Hautbild führen und damit zu einer zusätzlichen psychischen Belastung.
  • Stress gilt jedoch nicht als gefährdende Einwirkung, wenn es um die Anerkennung als Berufskrankheit geht.

Sofort zum Arzt

Bei auffälligen Hautveränderungen empfiehlt die BGHW, unbedingt einen Arzt aufzusuchen. Diagnostiziert dieser eine Hauterkrankung und besteht der Verdacht, dass sie arbeitsbedingt verursacht ist, meldet der Arzt diese Erkrankung der BGHW. Im Jahr werden der BGHW auf diese Weise rund 1.500 Fälle von Hauterkrankungen gemeldet, die von den genannten Gefährdungen am Arbeitsplatz (außer UV-Strahlung) verursacht sein könnten. Den meisten dieser Patienten kann die BGHW bereits sehr früh und unkompliziert helfen. So kann in vielen Fällen eine Verschlimmerung oder ein Wiederaufleben verhindert werden.

Fälle von Hauterkrankungen werden der BGHW pro Jahr gemeldet.

Bei Gefährdungen durch natürliche UV-Strahlung kann mit dem richtigen Schutz die Entstehung von hellem Hautkrebs nachhaltig vermieden werden. Die BGHW verzeichnet pro Jahr rund 250 Verdachtsanzeigen auf berufsbedingt verursachten weißen Hautkrebs. Wird eine Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt, übernimmt die BGHW die Steuerung des Heilverfahrens. Sie trägt die Kosten für eine Heilbehandlung und zahlt eventuell sogar eine Rente wegen Minderung der Erwerbsfähigkeit.

 

Hautschutz hat oberste Priorität

Aber so weit soll es eigentlich erst gar nicht kommen. Denn oberste Priorität der BGHW ist es, arbeitsbedingte Hauterkrankungen zu verhindern und die Beschäftigten nachhaltig vor hautschädigenden Einwirkungen zu schützen. Sie unterstützt Unternehmer und Unternehmerinnen mit praxisorientierten Angeboten und Empfehlungen zum optimalen Hautschutz im Betrieb.

Hautschutz im Betrieb – Tipps und Pflichten

  • Hautgefährdungen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen. Schutzmaßnahmen festlegen und in einer Betriebsanweisung festhalten.
  • Hand- und Hautschutzplan erstellen.
  • Wenn möglich, auf schädigende Stoffe ganz verzichten.
  • Bei Reinigungs-, Desinfektions- und Waschmitteln nach hautfreundlichen Ersatzprodukten suchen.
  • Schutzhandschuhe und Hautschutzmittel als persönliche Schutzmaßnahmen bedenken.
  • Richtige Handschuhwahl – es gibt Handschuhe gegen nahezu jede Art von Gefährdung.
  • Beschäftigte bei der Wahl bzw. beim Testen der richtigen Modelle einbeziehen. Die BGHW berät hierzu im Rahmen des Stufenverfahrens Haut.
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Auf dem Bild sieht man den Oberkörper einer Person ohne Kopf, im weißen Kittel, die sich gerade blaue Gummihandschuhe angezogen hat und diese noch zurecht zieht
Je nach Tätigkeit sind unterschiedliche Schutzhandschuhe erforderlich.

Hautschutzmittel können Schutzhandschuhe nicht ersetzen. Sie werden in der Praxis als Schutzmaßnahme häufig überbewertet und sind nur bei Kontakt mit Wasser, Ölen oder Fetten geeignet. Hautschutzmittel schützen weder vor dem Einwirken ätzender, giftiger, sensibilisierender und krebserregender Gefahrstoffe noch vor Gefahrstoffen, die leicht in die Haut eindringen können. Auch die Reinigung und Pflege der Haut nach der Arbeit ist ein wichtiges Thema. Oft werden zu aggressive Reinigungsmittel verwendet, die der Haut langfristig schaden. Eine regelmäßige Unterweisung der Beschäftigten ist deshalb wichtig, um für den richtigen Schutz und die Pflege der Haut zu sensibilisieren. 

FAQ – Häufig gestellte Fragen


Eine Übersicht aller häufig gestellten Fragen finden Sie hier.

Warum ist eine schonende Händereinigung wichtig?

An vielen Arbeitsplätzen stellt die Händereinigung eine der führenden Hautbelastungen dar. Durch die Reinigung der Hände wird die Hautbarriere geschädigt. Bei häufiger Händereinigung und besonders bei Verwendung aggressiver Hautreinigungsmittel kann eine Hauterkrankung entstehen. Heißes Wasser kann diesen Vorgang beschleunigen.

Wie lässt sich das Schwitzen in flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen vermeiden?

Schutzhandschuhe sollten grundsätzlich nur bei (haut)gefährdenden Tätigkeiten und höchstens bis zur spürbaren Schweißbildung getragen werden. Danach sollten die Schutzhandschuhe gegen ein trockenes Paar gewechselt werden. In der Praxis bietet es sich an, pro Mitarbeiter und Arbeitstag mehrere Paare Schutzhandschuhe zur Verfügung zu stellen. Weiterhin ist es empfehlenswert, die Tätigkeiten so zu organisieren, dass zwischendurch auch Arbeiten durchgeführt werden können, bei denen keine Schutzhandschuhe getragen werden müssen. Durch das Tragen gefütterter oder innen beflockter Schutzhandschuhe oder das Verwenden von Unterziehhandschuhen aus Baumwolle kann der entstehende Schweiß besser aufgenommen werden, so dass sich die Hände trockener anfühlen.
Von der Benutzung spezieller Hautschutzmittel, die die Hauterweichung durch das Schwitzen in Handschuhen verringern sollen, wird nach heutigem Kenntnisstand abgeraten. Bisher liegen keine überzeugenden Nachweise einer Schweißreduzierung oder Barrierestabilisierung beim Einsatz von Hautschutzmitteln unter Schutzhandschuhen vor.

Können Hautschutzmittel und Schutzhandschuhe parallel benutzt werden?

Hautschutzmittel können die chemische und mechanische Beständigkeit von Schutzhandschuhen beeinträchtigen und ggf. Inhaltsstoffe des Handschuhs herauslösen. Werden dennoch Hautschutzmittel unter Schutzhandschuhen verwendet, so ist dies für jede Kombination zu prüfen. Positive Auswirkungen auf den Hautzustand durch die Anwendung spezieller Hautschutzmittel konnten bisher wissenschaftlich nicht belegt werden.

Dürfen Beschäftigte eigene Hautprodukte, z.B. Cremes am Arbeitsplatz verwenden?

Die Gefährdungsbeurteilung ist die Basis für den Einsatz und die Auswahl von Hautschutzmitteln. Der Unternehmer hat dabei festzulegen und zu dokumentieren, ob und welche Art von Hautschutzmitteln für eine bestimmte Tätigkeit geeignet ist. Hautprodukte können Inhaltsstoffe enthalten, die beispielsweise das Eindringen von Arbeitsstoffen in die Haut fördern können. Weiterhin können Wechselwirkungen mit Chemikalienschutzhandschuhen nicht ausgeschlossen werden. Die Anwendung eigener Hautprodukte sollte daher mit dem Arbeitgeber, der Fachkraft für Arbeitssicherheit oder dem Betriebsarzt abgesprochen werden. Ärztlich verordnete Hautprodukten sollten am Arbeitsplatz nur in Rücksprache mit dem Betriebsarzt benutzt werden.

Was können Beschäftigte tun, wenn keine geeigneten Schutzhandschuhe oder Hautschutzmittel am Arbeitsplatz zur Verfügung stehen?

Wenn die Gefährdungsbeurteilung ergeben hat, dass eine Hautgefährdung vorliegt und Schutzhandschuhe oder Hautschutzmittel geeignet sind, um die Hautgefährdung zu minimieren, ist der Arbeitgeber verpflichtet, diese in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Ist das nicht der Fall, sind die Beschäftigten nach §17 ArbSchG berechtigt, sich direkt oder über ihren Vorgesetzten, ihren Betriebsarzt, ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit oder ihren Betriebsrat an den Arbeitgeber zu wenden.

Wer übernimmt die Kosten für Hautschutzmittel?

Hautschutzmittel gehören zu den persönlichen Schutzmaßnahmen. Sie sind nach § 2 Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (DGUV Vorschrift 1) in Verbindung mit § 3 Arbeitsschutzgesetz vom Arbeitgeber für die betroffenen Beschäftigten zur Verfügung zu stellen. Die Kosten für Maßnahmen nach § 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz dürfen den Beschäftigten nicht auferlegt werden. Hautschutzmittel müssen daher von dem Unternehmer grundsätzlich kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Gehören Hautschutzmittel zu den persönlichen Schutzmaßnahmen?

Ja, Hautschutzmittel gehören zu den persönlichen Schutzmaßnahmen. Bei Tätigkeiten mit schwach hautschädigenden Arbeitsstoffen sind sie oft eine ergänzende Maßnahme, um Hautgefährdungen zu minimieren. In der Gefährdungsbeurteilung ist festzulegen, ob und welche Art von Hautschutzmitteln für bestimmte Tätigkeiten geeignet sind.

Sind Hautgefährdungen in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen?

Ja. Der Arbeitgeber muss in der Gefährdungsbeurteilung auch Hautgefährdungen berücksichtigen und Schutzmaßnahmen nach dem STOP Prinzip festlegen. Liegen Hautgefährdungen vor, und lassen sie sich nicht durch Substitution, technische und organisatorische Schutzmaßnahmen vermeiden oder ausreichend minimieren, müssen persönliche Schutzmaßnahmen, z.B. in Form von Hautschutzmitteln, ergriffen werden. Hinweise zur Auswahl finden Sie bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) in der TRGS 401 "Gefährdungen durch Hautkontakt".

Was sind Hautschutzmittel?

Hautschutzmittel sind Mittel, die äußerlich auf die Haut aufgetragen werden, bevor man mit einer hautbelastenden Tätigkeit beginnt. Ihre Schutzwirkung muss für die bestimmungsgemäße Anwendung nachgewiesen und vom Hersteller mit einem Wirksamkeitsnachweis nach einer dafür geeigneten Methode belegt sein.

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