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Die Zukunft ist hybrid

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Während der Corona-Pandemie waren viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice. Welche Rolle spielt diese Arbeitsform, wenn es um den gesunden Arbeitsplatz der Zukunft geht? Auf der einen Seite stehen mehr Flexibilität und autonomeres Arbeiten. Auf der anderen weniger soziale Kontakte und mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit. Ein BGHW- und ein DGUV-Experte geben eine Einschätzung.

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Unternehmen möchten ihre Beschäftigten vor Infektionen wie Corona schützen. Wie könnte ein gesunder Arbeitsplatz der Zukunft aussehen? Ein Mix aus Homeoffice und Büropräsenz? Ein Arbeitsmediziner der BGHW und ein Experte für Arbeitsgestaltung der DGUV geben Antworten.

Büros, Fabrikhallen, Einzelhandelsgeschäfte – die Corona-Pandemie hat gezeigt, welche bedeutende Rolle die Arbeitsumgebung bei der Ausbreitung von Krankheiten spielt und wie wichtig es ist, aktuelle Arbeitsformen zu überdenken und neue Modelle auszuprobieren. Das erwarten auch die Beschäftigten als Konsequenz aus der Krise. Im Juni 2020 wollte beispielsweise die Online-Jobplattform Stepstone in einer Umfrage wissen, wie Arbeiten in der Zukunft aussehen soll: Von 8.500 Befragten sprachen sich 86 Prozent für eine hybride Arbeitsweise aus, also einen flexiblen Mix aus Homeoffice und Anwesenheit im Büro.

von 8.500 Befragten wünschen sich, dass ihr Arbeitgeber eine hybride Arbeitsweise ermöglicht. 
(Quelle: Stepstone, Umfrage Juni 2020)
Auf dem Bild ist der Arbeitsmediziner der BGHW, Dr. Peter Schiefen, im Porträt zu sehen. Er steht vor einem großen Fenster, links von ihm ist das BGHW-Logo zu sehen.

Auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) empfiehlt: Weg von zentralen, hin zu dezentralen Strukturen und befürwortet das mobile Arbeiten. Dazu Dr. Peter Schiefen, Arbeitsmediziner der BGHW:

  • Das Homeoffice hilft, das Kranken- und damit das Ausfallrisiko zu minimieren. Indem Unternehmen Teams splitten und an verschiedenen Orten arbeiten lassen, schützen sie ihre Kernbereiche vor dem Totalausfall.
  • Diese Arbeitsform ist aber nicht für jeden das richtige. Unternehmen müssen abklären, wer in dieser flexiblen Form arbeiten kann und möchte. Die Möglichkeit zu wählen, ist immer wichtig.

Die Möglichkeit, beim Homeoffice wählen zu können, ist für viele wichtig.

Dr. Peter SchiefenBGHW Arbeitsmediziner
Auf dem Bild ist der Arbeitsmediziner der BGHW, Dr. Peter Schiefen, im Porträt zu sehen. Er steht vor einem großen Fenster, links von ihm ist das BGHW-Logo zu sehen.

Fragt man nach den Vorteilen des Homeoffice, sagt Dr. Thomas Fietz, Referent im Bereich Arbeitsgestaltung – Demografie am Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV):

 

Vorteile des Homeoffice – Autonomie macht zufrieden

  • Die Beschäftigten gewinnen Flexibilität und Zeit und sparen Kosten durch weniger Anfahrtswege.
  • Beruf und Privatleben lassen sich somit besser miteinander vereinbaren.
  • Eine stärkere Autonomie in der Arbeit führt oft zu Entlastung, höherer Zufriedenheit und höherer Verbundenheit zum Unternehmen.
  • Die Betriebe wiederum profitieren von motivierten Beschäftigten, sparen Kosten und sind für Beschäftigte attraktiver.

Andererseits berge das Homeoffice auch gesundheitliche Risiken, stellt Fietz fest:

 

Gesundheitliche Risiken des Homeoffice – Prävention muss sich ändern

Die Arbeitsschützer müssen zukünftig die technische Entwicklung im Blick haben:

  • Beschäftigte arbeiten im Homeoffice mehr in Eigenverantwortung, insbesondere für ihre Sicherheit und Gesundheit.
  • Eine Entgrenzung von Beruf und Privatleben kann dazu führen, dass sie sich durch Mehrarbeit und eine erweiterte Erreichbarkeit für Arbeitsbelange selbst gefährden.
  • Mehr Homeoffice und weniger Büro bedeuten auch weniger soziale Kontakte.
  • Aufstiegschancen können sich vermindern, da Leistung weniger wahrgenommen wird.
  • Dies alles erfordert eine gute Gestaltung des Homeoffice. Die Unternehmen müssen die Sicherheits- und Gesundheitskompetenz ihrer Beschäftigten fördern, damit die Arbeitsform Homeoffice für alle ein Gewinn ist.

Beschäftige arbeiten im Homeoffice verstärkt eigenverantwortlich.

Dr. Thomas FietzReferent im Bereich Arbeitsgestaltung – Demografie (IAG, DGUV)

Gesunde Gebäude

Und was ist mit den Arbeitsplätzen im Büro? Welche Erfahrungen lassen sich hier aus der Corona-Zeit mitnehmen, um den Beschäftigten in Zukunft einen gesunden Arbeitsplatz zu bieten? Dazu nochmals Peter Schiefen: „Neben den bereits erprobten Hygieneregeln müssen Raumstrukturen überprüft und Arbeitszeitpläne angepasst werden, um sicherzustellen, dass soziale Distanz jederzeit möglich ist.“ Eine besondere Bedeutung komme den Lüftungsanlagen zu: Im Idealfall sollten sie zu 100 Prozent mit Frischluft laufen, was aber die wenigsten Anlagen schaffen. Mangelhafte Filter – statt Viren-Bakterien-Filter haben die meisten nur Staubfilter – komme erschwerend hinzu. Eine aktuelle Information zur mobilen Raumluftreinigung bietet die DGUV in ihrem Corona-Informationsportal.

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