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Erst pusten, dann fahren

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Alkohol-Wegfahrsperren, so genannte Alko-Interlocks, können Alkoholfahrten wirksam verhindern. Die Firma Frische Transporte Machoi in Wanzleben hat sich an einem Projekt der BGHW beteiligt und ihre LKW mit den Geräten ausgestattet. Das Unternehmen und auch die BGHW ziehen eine positive Bilanz. 

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Zuverlässig und erfahren, so beschreibt Denis Machoi einen seiner langjährigen Fahrer. Als dieser Mitarbeiter, unterwegs im LKW, von der Polizei mit 1,8 Promille aus dem Verkehr gezogen wurde, war das für den Geschäftsführer von Frische Transporte Machoi eine böse Überraschung. Der Unternehmer aus Wanzleben entschied sich vor rund vier Jahren seine LKW mit Alkohol-Wegfahrsperren, so genannten Alko-Interlocks, auszurüsten.

Denis Machoi hat seine LKW mit Alko-Interlocks ausrüsten lassen.

Dass der Mitarbeiter ein Alkoholproblem hatte, war  Machoi nie aufgefallen: „Er war unauffällig und hatte nie irgendwelche Ausfallerscheinungen.“ Nach dieser einschneidenden Erfahrung entschied sich Machoi das Problem Alkohol am Steuer konsequent anzugehen.  Er beteiligte sich an einem Projekt der BGHW, bei dem Unternehmen  eine gewisse Anzahl von Alko-Interlocks zur Verfügung gestellt werden. Einzige Bedingung: Die Montagekosten muss das Unternehmen selbst zahlen, die jährliche Wartung übernimmt die BGHW.

Schwere Unfallfolgen

Initiator des Projekts ist Ulrich Süßner, Referatsleiter Verkehrssicherheit und Transport bei der BGHW. Er hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie das Problem des Fahrens unter Alkohol gelöst werden kann. „LKW-Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel ist, stellen eine besondere Gefahr dar“, erklärt er. Denn auch wenn nur ein geringer Prozentsatz aller alkoholisierten Unfallbeteiligten Lkw fahren, so seien die Unfallfolgen häufig dramatisch: Mehrere Tote, Schwerverletzte und hoher Sachschaden, oft in Millionenhöhe, sind keine Seltenheit.

Süßner ist davon überzeugt, dass Alko-Interlocks wesentlich dazu beitragen können, schwere Alkoholunfälle zu verhindern: „Sie sind eine zuverlässige, technische Maßnahme, die verhindert, dass sich alkoholisierte Fahrer mit dem LKW auf die Straße begeben und andere dadurch gefährden.“ Mittlerweile betreibt die BGHW über 300 Geräte bei rund 25 Unternehmen. 

Menschen starben 2019 bei Alkoholunfällen
Fahrer Carsten Nicolai erklärt die Funktionsweise des Alko-Interlocks.
Fahrer Carsten Nicolai erklärt die Funktionsweise des Alko-Interlocks.

Eingebaute Wegfahrsperre

Wie funktioniert ein Alko-Interlock?  Das Gerät besteht aus zwei Teilen: einem Alkoholtester neben dem Fahrersitz und einer Wegfahrsperre, die das Anlasserrelais des Fahrzeugs freigibt oder blockiert. Dreht der Fahrer den Zündschlüssel, wird er aufgefordert, in den Alkoholtester zu pusten. Dieser wertet den Atemalkohol aus. Misst er einen Wert über dem eingestellten Grenzwert, verhindert die Wegfahrsperre den Motorstart.

Bei den Fahrern von Frische Transporte Machoi kam das ungewohnte Verfahren am Anfang nicht so gut an. „Das Pusten war umständlich“, meint Fahrer Carsten Nicolai. Vor allem, wenn er mit anderen LKW an der Laderampe stand, und dann als einziger Fahrer pusten musste. „Darüber haben sich die Kollegen natürlich lustig gemacht“, erzählt Nicolai, der selber keinen Tropfen Alkohol trinkt. Aber mittlerweile habe sich das eingespielt. Carsten Nicolai hat sich daran gewöhnt und findet es mittlerweile sogar gut. „Das hat sich im positiven Sinn rumgesprochen und spricht für unser Unternehmen“, sagt er.

Einfach zu bedienen

Die Erfahrungen des Machoi-Fahrers kann Süßner nur bestätigen: „Das System ist einfach zu bedienen und Fahrer und Fahrerinnen in den Unternehmen gewöhnen sich in der Regel recht schnell daran.“  In der Praxis habe sich der Einsatz der Geräte bewährt. Alleine während der Projektdauer wurden so mehr als 280 Alkoholfahrten auf diese Weise verhindert.  Auch Unternehmer Denis Machoi zieht eine positive Bilanz: „Seit der Einführung der Alko-Interlocks hat es bei uns nie wieder einen Zwischenfall mit Alkohol am Steuer gegeben.“

Alkohol am Steuer 

Alkoholfahrten stellen ein großes Unfallrisiko dar, egal ob der Verursacher mit dem privaten PKW, dem Lkw oder Gabelstapler unterwegs ist. Das statistische Bundesamt verzeichnete 2019 14.071 Unfälle unter Alkoholeinfluss, bei denen Personen zu Schaden kamen. 228 Menschen starben, 4.592 wurden bei Alkoholunfällen schwer verletzt.  51 Prozent aller alkoholisierten Unfallbeteiligten waren Pkw-Fahrer, 2,6 Prozent Lkw-Fahrer.

Seit Jahrzehnten wird in Deutschland darüber diskutiert, Alko-Interlocks verpflichtend einzuführen. Denn nach wie vor ist der Einbau der Wegfahrsperren in Deutschland freiwillig. Mittlerweile habe sich Institutionen wie der Deutsche Verkehrsgerichtstag für die europaweite, verpflichtende Einführung  im gewerblichen Güter- und Personentransport ausgesprochen. Er fordert dazu auf, schon jetzt Anreizsysteme für den freiwilligen Einbau von Alko-Interlocks zu schaffen. Mit ihrem Projekt unterstützt die BGHW diese Forderung. Unternehmer, die Alko-Interlocks in ihrem Betrieb einführen möchten, können sich an die BGHW wenden.  

 

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