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Gehör schützen – gewusst wie!

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Lärm geht mächtig „auf die Ohren“. Mit einfachen Verhaltensweisen können wir in Beruf, aber auch in der Freizeit unser Gehör schützen – damit nicht  zu Schaden kommt. Markus Radtke, Lärmexperte bei der BGHW, gibt praktische Tipps in punkto Gehörschutz.

Symbol für einen informativen Hinweis

Voll auf die Ohren

Lärm ist Schall, der stört und schädigt. Diese kurze Formel verdeutlicht gut, wie sich Lärm auf das Gehör auswirkt. Je länger und lauter unsere „Beschallung“ ist, desto größer ist die Gefahr, dass unser Gehör einen bleibenden Schaden nimmt. Bereits kurze Schallspitzen, zum Beispiel ein lauter Knall am Ohr, sind gefährlich. Lärm kann im Laufe des Lebens nicht nur das Gehör schädigen, er hat noch weitere Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unsere Arbeitsleistung.

Wie Lärm noch wirkt…

  • beeinträchtigt die Erholung
  • behindert die Kommunikation
  • erschwert konzentriertes Arbeiten, erhöht die Fehlerquote
  • kann Psyche, Herz-Kreislaufsystem und Schlaf beeinträchtigen
Symbol mit einem Ausrufezeichen

An Lärm gewöhnen?

Das Fatale: Ein Gehörschaden kommt meist schleichend und anfangs unbemerkt. Betroffene sagen oft, sie hätten sich schon an den Lärm gewöhnt. Wenn sie dann „hellhörig“ werden, weil sie Gespräche oder den Film im Fernsehen nicht mehr gut verstehen, ist es meist schon zu spät. Das Gehör mit seinen feinen Haarzellen im Innenohr ist bereits geschädigt. Ein solcher Schaden kann auch nicht geheilt werden. Selbst ein Hörgerät hilft nur bedingt, denn es verstärkt lediglich die Tonbereiche, in denen die Haarzellen im Innenohr noch intakt sind. Beruflich bedingter Lärm kann entsprechend zu einer Lärmschwerhörigkeit führen, eine der am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten in Deutschland.

 

Das Ohr – immer im Empfangsmodus

Das Ohr schläft nie: Es befindet sich rund um die Uhr im Empfangsmodus. Über den Tag hinweg sind wir vielen verschiedenen Lärmquellen ausgesetzt – in der Arbeit und in der Freizeit. Manche sind unvermeidbar und schwer zu beeinflussen, wie zum Beispiel Straßen- oder Fluglärm. Dennoch können wir in vielen Lebenssituationen unser Gehör schützen, mit teils einfachen Mitteln und Verhaltensweisen.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamtes fühlen sich 75 Prozent der Befragten in ihrem Wohnumfeld durch Straßenverkehrslärm gestört oder belästigt

Frau im Straßenverkehr, die sich die Ohren zuhält
Markus Radtke ist Lärmexperte bei der BGHW
Markus Radtke, Lärmexperte bei der BGHW, gibt Tipps, wie wir unser Gehör schützen können

Bei der Arbeit

  • Konsequent Gehörschutz tragen in Bereichen, in den es erforderlich ist – zum Beispiel an lauten Maschinen. Unterweisungen des Arbeitgebers sind wichtig und sollten auch praktische Übungen zur richtigen Benutzung von Gehörschutz enthalten.
  • Betriebsanweisungen beachten, die über Lärmgefährdungen und Schutzmaßnahmen informieren. Diese sind meist am Arbeitsplatz selbst zu finden oder auch am Schwarzen Brett.
  • Lärmarm arbeiten, zum Beispiel: Dinge ablegen statt zu werfen, richtige Maschineneinstellungen verwenden (Drehzahl, Druck), lärmintensive Tätigkeiten - wenn möglich - in einem separaten Raum ausführen, um Kolleginnen und Kollegen nicht damit zu belasten, Vorgesetzte auf Lärmquellen hinweisen und gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen
  • Medizinische Vorsorge und Beratung annehmen, um das Gehör bestmöglich zu schützen. Wer das Gefühl hat, schlecht zu hören oder darauf angesprochen wird, sollte dem nachgehen und einen Hörtest machen.
Gehörschutzkapseln und Gehörschutzstöpsel schützen vor Lärm

Gehörschutz bei der Arbeit

Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen, zum Beispiel in Form von Gehörschutzkapseln -stöpseln oder individuell angefertigte Otoplastiken. Ab 85 dB ist das Tragen von Gehörschutz Plicht und muss vom Arbeitgeber überwacht werden. Außerdem besteht eine Pflicht zur praktischen Unterweisung der Beschäftigten. Das bedeutet, dass die korrekte Benutzung von Gehörschutz geübt werden muss. Übrigens: Das Tragen von Hörgeräten ist in Lärmbereichen verboten, da diese den bereits bestehenden Lärm noch verstärken.

Zu Hause und in der Freizeit

  • Lautstärke verringern – beim Musikhören, Fernsehen und vor allem beim Tragen von Kopfhören
  • Distanz zur Lärmquelle halten – so reduziert sich die Schalleinwirkung aufs Ohr
  • Lärmpausen einlegen und bewusst ruhigere Umgebungen aufsuchen, damit sich das Gehör erholen kann
  • Bewusst einkaufen: bei technschen Geräten auf die Dezibel-Angabe achten und möglichst leise Modelle auswählen
  • Auf die richtige Aufstellung von Geräten gemäß Betriebsanleitung achten; diese sollten immer in einem einwandfreien Zustand sein.
  • Gehörschutz tragen in lauten Situationen – zum Beispiel beim Rasenmähen, Laub blasen, Heimwerken mit lauten Maschinen
  • Hand aufs Ohr in überraschenden Situationen, wenn zum Beispiel ein LKW vorbeidonnert oder eine Sirene heult

Gehörschutzstöpsel richtig einsetzen

Gehörschutzstöpsel müssen richtig ins Ohr eingesetzt werden, damit sie zuverlässig schützen. Ein Film der BGHW zeigt wie es geht.

Symbol mit einem Ausrufezeichen

Sich selbst hinterfragen… und schützen!

Während wir bei der Arbeit noch vorschriftsgemäß unsere Gehörschützer tragen, wenn es laut wird, kann das in der Freizeit schon anders aussehen. Wenn wir zum Beispiel ohne Gehörschutz mit dem Benzinrasenmäher im Garten unterwegs sind. Oder ungeschützt am Haus werkeln mit Flex und Schlagbohrer. Daher sollte auch hier selbstverständlich sein: erst Gehörschutz auf- oder einsetzen und dann erst loslegen.

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