ca. 3 Minuten Lesezeit

Gemeinsam Gefährdung ermitteln – Haut schützen

Services & Downloads Verwandte Themen & Artikel

Ob bei der Auswahl der Arbeitsmittel oder bei der Arbeitsgestaltung: Es lohnt sich für jeden Betrieb, die psychischen Belastungen genauer zu betrachten und dabei die Beschäftigten einzubeziehen. Denn nachhaltig lassen sich Arbeitsbedingungen nur gemeinsam verbessern. Ein Supermarkt zeigt, wie er mit dem Thema Hautschutz umgegangen ist und wie das BGHW-Programm PegA dabei geholfen hat.

Symbol für Zusammenfassung des nachfolgenden Seiteninhalts

Haut und Hände besser schützen, das erreichen Unternehmen auch, indem sie die psychische Belastung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemeinsam mit den Beschäftigten ermitteln und die Arbeitsbedingungen gesund und sicher gestalten. HUNDERT PROZENT zeigt an einem Praxisbeispiel im Supermarkt, wie das realisiert wurde.

Ein typischer Morgen in einem Supermarkt: Die neu gelieferte Ware muss in die Regale und Tiefkühltruhen eingeräumt werden. Mitarbeiterin Julia* flucht schon beim zweiten Karton – mal wieder hat sie sich an einer Kartonkante geschnitten. Das tut besonders weh, denn ihre Hände sind ohnehin schon strapaziert vom täglichen Hantieren mit Kartons und Verpackungsmaterial. Einige Meter weiter an der Tiefkühltruhe geht es ihrem Kollegen Thomas nicht viel besser. Die eiskalte Ware schmerzt an den Händen. Marktleiter Simon kann nur den Kopf schütteln: Warum trägt er denn nicht seine Handschuhe, die extra angeschafft wurden?

Ein halbes Jahr später sieht die Situation anders aus: Julia und Thomas räumen Ware in Regale und Truhen ein, dies aber scheinbar müheloser und deutlich zufriedener. Und sie tragen Handschuhe. Was ist passiert? Im Unternehmen wurde die Gefährdungsbeurteilung aktualisiert – und erstmalig auch die psychische Belastung berücksichtigt.

Arbeitsbedingungen wirken nicht nur körperlich, sondern auch psychisch auf die Beschäftigten ein.

Saskia RicharzArbeitspsychologin BGHW

Arbeitsbedingungen „nerven“

Zunächst war die Verunsicherung bei diesem Thema groß. „So geht es vielen Betrieben“, sagt Saskia Richarz, Arbeitspsychologin bei der BGHW. „Beim Stichwort ‚psychisch‘ denkt man schnell, man müsste sich mit dem Seelenleben der Beschäftigten auseinandersetzen. Aber darum geht es gar nicht.“ Vielmehr stehen die Arbeitsbedingungen im Fokus. Denn diese wirken nicht nur körperlich, sondern auch psychisch auf die Beschäftigten ein. Wer kennt das nicht: Doppelte Arbeit wegen unklarer Absprachen, ständige Unterbrechungen, Streitigkeiten im Team oder ungenügende Arbeitsmittel „nerven“ und können auf Dauer krankmachen. Das zu verhindern und stattdessen sichere und gesunde Arbeitsbedingungen zu gestalten, ist das Ziel der Gefährdungsbeurteilung. Und genau das wurde im Supermarkt mithilfe des PegA-Programms der BGHW getan.

PegA ist …

  • die Abkürzung für „Psychische Belastung erfassen, gesunde Arbeit gestalten“.
  • ein komplettes Programm der BGHW, mit dem Sie die psychische Belastung angemessen in Ihrer Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen können.
  • praxisnah auf die Bedürfnisse der Betriebe in Handel und Warenlogistik abgestimmt.
Symbol mit einem Ausrufezeichen

Anhand eines Kurzfragebogens ­­– dem PegA-Anforderungsbarometer ­­– beurteilten die Beschäftigten ihre Arbeitsbedingungen. Danach folgte ein gemeinsamer Workshop. „Anfangs war ich skeptisch und habe mich gefragt, wozu das alles gut sein soll. Aber der Workshop war richtig gut, und wir konnten selbst Ideen einbringen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern“, schildert Julia rückblickend ihre Eindrücke.

 

Ein echter Gewinn

Auch Marktleiter Simon ist angetan von dem Konzept: „Ich dachte erst: Jetzt auch das noch – psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen. Als ob wir im Arbeitsalltag nicht genug anderes zu tun hätten. Heute weiß ich: Der Aufwand lohnt sich! Die Gefährdungsbeurteilung ist keine lästige Pflicht, um dem Gesetz Genüge zu tun, sondern ein echter Gewinn für uns.“­

Und wie sieht dieser Gewinn konkret aus? Zum einen konnte endlich geklärt werden, warum die Beschäftigten so selten Handschuhe beim Einräumen der Waren trugen. Die angeschafften Handschuhe boten beim Hantieren mit Tiefkühlware keinen ausreichenden Schutz. Zudem waren die Hände nach dem Tragen häufig sehr rau und damit gefühlt noch anfälliger für Verletzungen. Je nach Arbeitsaufkommen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Markt auch zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten wechseln. Wenn beispielsweise kurzfristig eine zweite Kasse geöffnet werden muss, der Pfandautomat mal wieder streikt oder die Backstation zu betreuen ist. Das ständige „Handschuh an, Handschuh aus“ war also ein weiterer, vermeintlich guter Grund, sie nicht zu tragen.

 

Bessere Handschuhe

Nachdem die Ursachen klar waren, wurden bessere Handschuhe angeschafft, die zunächst von den Beschäftigten auf ihre Tauglichkeit geprüft wurden. Heute gibt es Handschuhe für das Einräumen von Waren generell und Spezialhandschuhe für Tiefkühlware. Zudem wurden die Beschäftigten in das Thema Hautgefährdungen und Hautschutzmaßnahmen unterwiesen, um alle auf denselben Wissensstand zu bringen. Doch das ist nicht alles. Neben der Handschuh-Problematik kamen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung auch weitere Probleme zur Sprache, wie beispielsweise die unzureichende Weitergabe von Informationen im Markt. Auch hierfür wurden alltagstaugliche Verbesserungsmaßnahmen entwickelt.

Das Fazit der Beteiligten ist positiv: „Es hat sich wirklich einiges getan durch den Blick auf die psychische Belastung!“ Auch Marktleiter Simon ist begeistert: „Ich habe unsere positiven Erfahrungen mit anderen Führungskräften im Unternehmen geteilt. Wir wollen die Beschäftigten zukünftig stärker einbeziehen. Ob bei der Auswahl der Arbeitsmittel oder mit Blick auf die Arbeitsgestaltung generell. Da kommen wirklich gute Ideen, und neben gesünderen Arbeitsbedingungen hat man auch noch zufriedenere Mitarbeiter – was will man mehr.“

*Der Supermarkt und Julia, Thomas sowie Simon sind fiktiv. Aber ihre Aussagen basieren auf dem Feedback, das BGHW-Mitarbeiter von zahlreichen Beschäftigten im Einzelhandel erhalten haben.

Services und Downloads zu diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt anmelden
Zurück nach oben springen

Ihr Kontakt zu uns

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Allgemeine Fragen zur Gefährdungsbeurteilung

Bei grundsätzlichen Fragen zur Gefährdungsbeurteilung schreiben Sie an

E-Mail:
gefaehrdungsbeurteilung(at)bghw.de

Oder richten Sie Ihre Anfrage per Kontaktformular an uns:
Kontaktformular