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Lieferkettengesetz: Herausforderung und Chance

ca. 3 Minuten Lesezeit

Herausforderungen und Chancen des neuen Lieferkettengesetzes standen im Mittelpunkt des Symposiums „Nachhaltige Lieferketten – Arbeitsschutz ohne Grenzen“ am 30. Juni in Berlin. Rund 80 Teilnehmende waren aus der ganzen Welt zu der Veranstaltung der Sektion Handel der IVSS angereist. IVSS ist die Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit. Die Geschäftsstelle der Sektion Handel ist bei der BGHW in Mannheim angesiedelt.

Gruppenbild mit Siong Hin Ho (links), Präsident der IVSS Sektion Handel, und seinem designierten Nachfolger Silas Sng beim ISSA-Symposium 2022 in Berlin
Zu Besuch in Berlin: Siong Hin Ho, Präsident der IVSS Sektion Handel, und sein designierter Nachfolger Silas Sng (re.)

Das neue Lieferkettengesetz, das Anfang 2023 in Deutschland in Kraft tritt, stellt Unternehmen, Politik und Verwaltung vor neue Herausforderungen – insbesondere, wenn es um Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit geht. Auf dem Symposium diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Handel sowie Politik und Verwaltung die Aufgaben und Möglichkeiten, die sich in Deutschland und der Welt durch das Gesetz ergeben.

„Charakteristisch für den heutigen Handel sind komplexe Lieferketten, die den gesamten Globus umspannen – von der Rohstoffgewinnung oder landwirtschaftlichen Erzeugungsprozessen über Verarbeitung und Transport bis hin zum Verkauf an die Verbraucher. Das Lieferkettengesetz soll weltweit zu resilienten, stabilen und nachhaltigen Lieferketten beitragen“, erläuterte Dr. Udo Schöpf, Geschäftsführer der BGHW und Vizepräsident der IVSS-Sektion Handel, in seinen einleitenden Worten. Es gelte nun, die Rollen zu betrachten, die rechtliche Rahmenbedingungen, die jeweilige Landeskultur und insbesondere der Arbeitsschutz dabei spielten.

Das Know-how der Berufsgenossenschaften nutzen

Manfred Wirsch, Vorstandsvorsitzender der BGHW (Arbeitnehmerseite), betonte im Gespräch mit Schöpf die Rolle der Berufsgenossenschaften: „Abseits unterschiedlicher politischer Auffassungen muss es unser Ziel sein, unser Know-how für sichere und gesunde Arbeitsplätze einzubringen. Das Netzwerk der Selbstverwaltung in unseren Verbänden sollten wir nutzen, um die Arbeit der Sektion Handel bekannt zu machen, Mitgliedschaften zu bewerben und die gesetzliche Unfallversicherung als Referenz international zu etablieren.“ Roland Kraemer, BGHW-Vorstandsvorsitzender der Arbeitgeberseite, appellierte an die Unternehmen: „Wir brauchen vor allem mehr Beteiligung von an Nachhaltigkeit interessierten Unternehmen. Machen Sie bitte mit uns gemeinsam Werbung für diese gute Sache: Werben Sie gemeinsam mit uns für „Arbeitsschutz ohne Grenzen!“

Sigrid Roth, Generalsekretärin der IVSS Sektion Handel und Referentin für Internationale Zusammenarbeit bei der BGHW, erläuterte die Vision der Sektion, wonach „alle Unternehmen weltweit Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden bei der Arbeit als fundamentale Grundlagen für wirtschaftlichen Erfolg und Nachhaltigkeit erkennen.“ Sie verwies auf die Präventionsstrategie Vision Zero, die auch zur Gestaltung resilienter globaler Lieferketten geeignet ist.

Einblicke und Diskussionen

Vertreter und Vertreterinnen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung veranschaulichten in anschließenden Vorträgen die Vielschichtigkeit des Themas. Sie gewährten Einblicke, wie in Unternehmen mit den zukünftigen Herausforderungen umgegangen werden kann. Dabei wurden auch kritische Themen angesprochen, wie sich zum Beispiel der Klimawandel auf den Arbeitsschutz auswirkt.

Globale Umverteilung und ihre Auswirkungen

Als internationale Gäste nahmen unter anderem S.E. Pedro Felipe Buitrago Restrepo,  Botschafter Kolumbiens in Deutschland, Rosa Alvarez Nunez von der Botschaft Perus, und Siong Hin Ho, Präsident der IVSS Sektion Handel, sowie dessen designierter Nachfolger Silas Sng aus Singapur teil. In seinem Grußwort betonte Ho die gesellschaftliche Relevanz von sicheren und nachhaltigen internationalen Lieferketten: „Der Abbau von Handelsbarrieren, die Verknüpfung von Märkten und die zunehmende technologische Innovation haben zu einer globalen Umverteilung von Produkt- und Dienstleistungsprozessen geführt. Der internationale Handel hat damit direkte soziale Auswirkungen auf die Gesellschaften in den beteiligten Produktions- und Transitländern.“

Als Vertreterin der deutschen Regierung sprach Marlene Genske, Referentin des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Sie führte eindringlich vor Augen, warum das  Lieferkettengesetz eine „zwingende Notwendigkeit“ sei: „So werden beispielsweise 90 Prozent des Artensterbens und der Wasserknappheit und ungefähr die Hälfte der globalen Treibhausgase durch Lieferketten verursacht. Unser Wohlstand ist damit sehr eng verbunden. Das bedeutet, dass wir Verantwortung tragen. Deshalb müssen Unternehmen ihre Liefer- und Wertschöpfungsketten neu justieren und den Schutz von Wasser, Luft, Boden sowie Artenvielfalt in ihre Planungen miteinbeziehen."

Nachhaltige Lieferketten: 3 Fragen an...

Was ist das Lieferkettengesetz?

Das „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz“, kurz Lieferkettengesetz, tritt zum 1. Januar 2023 in Kraft. Das deutsche Bundesgesetz soll das wirtschaftliche Handeln von in der BRD ansässigen Unternehmen steuern, indem diesen menschenrechtliche Sorgfaltspflichten auferlegt werden, die entlang ihrer internationalen Lieferketten zu beachten sind. Im ersten Schritt betrifft das Lieferkettengesetz Unternehmen mit 3000 oder mehr inländischen Beschäftigten, ab 1. Januar 2024 werden auch Unternehmen ab 1000 Mitarbeitenden in die Pflicht genommen.

Was ist die IVSS?

Die Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS, engl. ISSA) hat heute mehr als 320 Mitgliedsinstitutionen aus über 150 Ländern. Sie ist die weltweit führende internationale Organisation für Institutionen, Regierungsstellen und Behörden, die sich mit der sozialen Sicherheit befassen. Die IVSS-Sektion Handel wurde 2019 gegründet. Der Sitz der Geschäftsstelle ist bei der BGHW in Mannheim. Sie fördert den internationalen Erfahrungsaustausch unter den Experten aus dem Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz.

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