ca. 5 Minuten Lesezeit

Maske tragen – aber sicher!

Services & Downloads Verwandte Themen & Artikel

Während der Coronapandemie  gibt es beim  Thema „Maske tragen“  am Arbeitsplatz immer wieder Unklarheiten, und es tauchen Fragen auf, wie zum Beispiel: Welche Masken gibt es und in welchen Situationen muss ich diese tragen? Wie sieht es mit der Tragedauer aus? Was müssen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber beim Arbeitsschutz beachten? Ein Interview mit Dr. Stefan Mayer, Infektionsschutzexperte bei der BGHW.

Symbol für Zusammenfassung des nachfolgenden Seiteninhalts

Ein Ende der Coronapandemie ist noch nicht in Sicht, auch wenn das Impfen voranschreitet. Weiterhin gelten Abstands- und Hygieneregeln sowie die Verpflichtung, in bestimmten Situationen eine Maske zu tragen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen bleibt diese Schutzmaßnahme auch am Arbeitsplatz wichtig. Dr. Stefan Mayer, Infektionsschutzexperte bei der BGHW,  fasst die wesentlichen Fakten und Bestimmungen zusammen.

Dr. Stefan Mayer, Infektionsschutzexperte bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik
Dr. Stefan Mayer, Infektionsschutzexperte bei der BGHW

Auf welche Grundlage stützen sich die Regeln für das Masketragen im Betrieb. Was gilt es zu beachten?

Wichtig ist, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel sowie die  SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung beachten. Letztere wurde durch Beschluss von Bund und Ländern bis zum 30. April 2021 verlängert. Für unsere Mitgliedsbetriebe aus Handel und Warenlogistik stellen wir alle wesentlichen Informationen zu Schutzmaßnahmen auf einer Sonderseite zum Coronavirus zur Verfügung. Daneben greifen die aktuellen Rechtsvorschriften der Bundesländer sowie der Landkreise und kreisfreien Städte.

Die Stoffmaske hat am Arbeitsplatz mittlerweile ausgedient. Was schreibt der Arbeitsschutz vor?

Nach der aktuell geltenden SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung muss der Arbeitgeber medizinische Gesichtsmasken zur Verfügung stellen. Gemeint ist mit dieser Vorgabe Mund-Nasen-Schutz, sogenannte OP-Masken. In bestimmten Situationen müssen für Beschäftigte auch  Atemschutzmasken  zur Verfügung gestellt werden.  Atemschutzmasken stellen persönliche Schutzausrüstungen (PSA) dar. Sie schützen bei eng anliegendem Sitz vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen. Erlaubt sind laut Gesetz neben FFP2-Masken solche, die eine vergleichbare Schutzwirkung haben. Diese tragen Bezeichnungen wie N95, KN95, P2, DS2 und CPA.

Eine hellblaue OP-Maske und eine weiße Atemschutzmaske liegen nebeneinander.

Worin liegen die Unterschiede bei den Masken was die Schutzwirkung betrifft?

OP-Masken tragen in erster Linie dazu bei, andere zu schützen, während FFP2-Masken auch  den Träger vor Infektionserregern schützen.  Wichtig zu wissen: Filtrierende Halbmasken mit Ausatemventil dienen ausschließlich dem Eigenschutz und sind deshalb für den gegenseitigen Infektionsschutz (Fremdschutz) nicht geeignet. Es sei denn, alle Anwesenden im Raum tragen diese Art der Maske. Das dürfte in den meisten Fällen am Arbeitsplatz aber sehr unwahrscheinlich sein. Eine gute Übersicht über die aktuellen Maskenarten und ihre Eigenschaften bietet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAuA).

Wie erkenne ich eine sichere, zertifizierte Atemschutzmaske?

Auf dem Markt können sich immer wieder Schutzmasken befinden, welche Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen nicht erfüllen. Woran sich zertifizierter und damit sicherer Atemschutz erkennen lässt, veranschaulicht das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in dem Übersichtsplakat „Maske ohne Makel“

Symbol für einen informativen Hinweis

"Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz oder Atemschutzmasken darf aber keineswegs dazu führen, dass andere Schutzmaßnahmen entfallen…“

Dr. Stefan Mayer, Infektionsschutzexperte bei der BGHW

Viele fragen sich jetzt: In welchen Situationen reicht Mund-Nasen-Schutz? In welchen Fällen ist eine Atemschutzmaske vorgeschrieben?

Grundsätzlich gilt: Mund-Nasen-Schutz muss bei der Arbeit immer dann getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Ist es erforderlich, dass mehrere Personen einen Raum nutzen und wird dabei die geforderte Mindestfläche von 10 Quadratmetern für jede im Raum befindliche Person unterschritten, muss ebenfalls Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Ergibt die Gefährdungsbeurteilung jedoch, dass ein Schutz der Beschäftigten durch Mund-Nasen-Schutz nicht ausreichend ist, muss der Arbeitgeber Atemschutzmasken bereitstellen.

… und welche Fälle betrifft das?

Insbesondere zwei Fälle: Zum einen, wenn bei der ausgeführten Tätigkeit mit einer Gefährdung durch erhöhten Ausstoß von Aerosolen zu rechnen ist,  zum Beispiel bei schwerer körperlicher Arbeit oder wenn  sehr laut gesprochen werden muss. Zum anderen, wenn eine anwesende Person keine Maske tragen muss.

Außerdem wichtig: Das Tragen von Masken darf keineswegs dazu führen, dass andere Schutzmaßnahmen entfallen. Es sind weiterhin die grundsätzlichen Forderungen an Abstände, Hygiene und Lüftung einzuhalten. Sind jedoch technische oder organisatorische Maßnahmen am Arbeitsplatz umgesetzt worden, wie zum Beispiel Abtrennungen an Kassenarbeitsplätzen oder Einzelbüros, muss keine Maske getragen werden.

Wie sind Masken mit viruziden, also Viren abtötenden Eigenschaften zu bewerten?

Diese Masken  werden vor allem als textile Mund-Nase-Bedeckungen angeboten und dürfen in dieser Form am Arbeitsplatz aktuell nicht getragen werden. Bei den viruziden Stoffen kann es sich zum Beispiel um Silberionen, Nano-Silber oder Polyhexanid handeln. Sie sollen zum Beispiel durch entsprechende Beschichtungen Viren wie das Coronavirus in den Masken und in der Einatemluft abtöten.  Hier können wir auf die Einschätzung der BAuA verweisen.  Da derzeit weder der Nutzen einer viruziden beziehungsweise antiviralen Ausrüstung von Masken nachgewiesen ist, noch deren Unbedenklichkeit behördlich überprüft wurde, sieht die BAuA davon ab, den Einsatz solcher Masken zu empfehlen.

Praxistipp: Dichtsitz einer FFP2-Maske testen

Die Filterfläche möglichst ganzflächig mit beiden Händen zuhalten. Dann durch Einatmen versuchen, einen Unterdruck aufzubauen (Maske „ansaugen“) oder durch Ausatmen versuchen einen Überdruck aufzubauen (Maske „aufblähen“). Strömt die Luft durch den Maskenrand oder den Nasenbügel ein beziehungsweise aus, sitzt sie nicht dicht und hat keine ausreichende Schutzwirkung. Ist die Maske jedoch korrekt angelegt, passt aber von der Größe her nicht, sollte in Abstimmung mit dem Arbeitgeber ein anderes Modell ausgewählt werden.

Symbol für einen informativen Hinweis
Beschäftigte tragen Mund-Nasen-Schutz im Lager, während sie Ware scannen.

Wie viele OP-Masken muss der Arbeitgeber zur Verfügung stellen?

Medizinischer Mund-Nasen-Schutz ist ein Einmalprodukt und muss regelmäßig gewechselt werden. Er darf maximal für die Dauer eine Arbeitsschicht getragen werden. Zusätzlich muss die Maske  gewechselt werden, wenn sie verunreinigt oder durchfeuchtet ist. Arbeitgeber müssen ihren Beschäftigten also ausreichend Masken zur Verfügung stellen, mindestens eine pro Person und  Schicht.

Darf ich eine FFP2-Maske über mehrere Arbeitsschichten hinweg benutzen?

Auch FFP2-Masken zum Einmalgebrauch müssen nach spätestens einer Schicht entsorgt werden. Damit wird verhindert,  dass sich Biostoffe wie Viren oder Bakterien ansammeln und eine Ansteckungsgefahr durch die Maske selbst entsteht. Zudem wird das Filtermaterial der Maske durch Partikel in der Außenluft mit der Tragedauer zunehmend gesättigt. Damit steigt der Atemwiderstand und die Filterleistung wird beeinträchtigt. Die mehrmalige Verwendung ist außerdem ein nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch. Entsprechend geht die Haftung auf diejenigen über, die die FFP2-Maske wiederverwenden beziehungsweise die Wiederverwendung anordnen.

 

Stichwort „Tragezeit von FFP2-Masken“: Wo finden Arbeitgeber hierzu Informationen?

Informationen zu Trage- und Erholungszeiten gibt die  DGUV Regel 112–190 "Benutzung von Atemschutzgeräten". Kommen im Unternehmen Atemschutzmasken zum Einsatz, müssen Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Trage- und Erholungszeiten festlegen.  Wichtig dabei: eine arbeitsmedizinische Beratung. Bei der Festlegung von Tragedauern sind die Schwere der Tätigkeit, die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsumgebung zu berücksichtigen sowie  die persönlichen Voraussetzungen des Trägers. Für FFP2-Atemschutzmasken ohne Ausatemventil wird beispielsweise eine Tragedauer von 75 Minuten empfohlen – bei einer mittelschweren Tätigkeit und normalen Umgebungsbedingungen. Danach sollte eine Tragezeitunterbrechung von 30 Minuten erfolgen. Dazu können zum Beispiel Tätigkeiten mit Maske und Tätigkeiten ohne Maske im Wechsel geplant werden. Personen mit Vorerkrankungen sollten vor dem Tragen einer Atemschutzmaske ärztlichen Rat einholen.

 

Und was gilt im Hinblick auf die arbeitsmedizinische Vorsorge?

Der Einsatz einer Atemschutzmaske bedeutet für den Träger eine zusätzliche Belastung, weil bei dichtem Sitz der Maske gegen einen Widerstand geatmet werden muss. Daher sind die im Arbeitsschutz verantwortlichen Personen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gehalten zu prüfen, inwieweit die Verwendung von Atemschutzmasken als erforderliche Maßnahme notwendig ist.  Arbeitgeber sind verpflichtet, den Beschäftigten, die während der Arbeit eine FFP2-Maske oder vergleichbare Atemschutzmasken tragen müssen, eine arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten. Darüber hinaus müssen sie die Beschäftigten im korrekten Gebrauch der Maske unterweisen. Auch für Beschäftigte, die eine Atemschutzmaske während der aktuellen Corona-Epidemie allein zum Infektionsschutz tragen, gelten die Vorgaben der DGUV Regel 112-190.

Filmtipp:

Damit Atemschutzmasken des Typs FFP2 tatsächlich ihre Schutzwirkung entfalten können, ist es wichtig, dass diese Produkte korrekt ausgewählt und verwendet werden. Wie das in fünf Schritten möglich ist, zeigt das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in einem Kurzvideo.

Eine allgemeine Unterweisungshilfe zum Coronavirus für Beschäftigte bietet das Lern- und Unterweisungsmodul „Corona Spezial“ der BGHW.

Symbol mit einem Ausrufezeichen

Services und Downloads zu diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt anmelden

Ihr Kontakt zu uns

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Redaktion "Hundert Prozent"

E-Mail:
hundertprozent(at)bghw.de

Oder richten Sie Ihre Anfrage per Kontaktformular an uns:
Kontaktformular