ca. 3 Minuten Lesezeit

Mit heiler Haut durch die Pandemie

Verwandte Themen & Artikel

Während der Coronapandemie hat sich gezeigt, dass die Hände durch häufiges Händewaschen leiden. Sogar Handekzeme können entstehen. BGHW-Hautschutzexpertin Irina Lenssen erklärt, warum das so ist und was getan werden kann, damit die Haut heil bleibt.

Symbol für Zusammenfassung des nachfolgenden Seiteninhalts

Hautärzte schlagen Alarm: Sie stellen fest, dass das häufige Händewaschen mit Seife in der Coronapandemie zu mehr Handekzemen geführt hat. Auch die Kombination von Händereinigung und -desinfektion mit dem Tragen von Hygienehandschuhen kann sich negativ auf den Hautzustand auswirken. Hautschonender ist das Desinfizieren der Hände in Verbindung mit  intensiver Hautpflege. Irina Lenssen, Hautschutzexpertin bei der BGHW, erklärt die Zusammenhänge und gibt Tipps für Betroffene, deren Hände vor allem auch beruflich belastet sind.

Eingeschäumte Hände befinden sich unter einem Wasserhahn.

Seit fast eineinhalb Jahren ist es wichtig, sich durch gründliches Händewaschen vor dem Coranavirus zu schützen. Was macht das mit unserer Haut?

Häufiges Händewaschen kann die Barrierefunktion der Haut beeinträchtigen. Dabei quillt die Hornschicht auf und Hautfette werden zusammen mit wasserlöslichen Feuchthaltefaktoren ausgespült. Das führt dazu, dass die Hände austrocknen. Sind die Hände permanent belastet, können im schlimmsten Fall Ekzeme entstehen. Vor allem Menschen mit empfindlicher Haut sind gefährdet.

 

Ist das Desinfizieren der Hände schonender für die Haut?

Ja, denn der Unterschied zum Händewaschen ist, dass die Hautfette bei der Verwendung von alkoholischen Händedesinfektionsmitteln nicht abgespült werden. Händedesinfektionsmittel  sollen vor allem verwendet werden,  wenn keine sichtbaren Verschmutzungen vorhanden sind. Und auch für den Fall, dass gerade kein Waschbecken in der Nähe ist. Auf keinen Fall sollten jedoch beide Verfahren hintereinander durchgeführt werden, also waschen und zusätzlich desinfizieren. Das belastet die Haut besonders stark und ist erst recht nicht nötig. Ebenso sollte auf die Benutzung sogenannter „Kombipräparate“, die sowohl waschaktive Substanzen als auch Desinfektionsmittel enthalten, verzichtet werden.

 

Was ist bei der Händedesinfektion zu beachten?

  • Es sollte Händedesinfektionsmittel mit mindestens begrenzt viruzider Wirkung benutzen werden.
  • Hände müssen vor der Desinfektion trocken sein.
  • Desinfektionsmittel ausreichend lange (meistens 30 Sekunden) auf den Händen verreiben (Anwendungshinweise des Herstellers beachten)
  • Fingerspitzen, Nagelfalze, Daumen und Fingerzwischenräume müssen ausreichend benetzt und eingerieben werden.
  • Desinfektionsmittel muss eingezogen sein, bevor andere Tätigkeiten verrichtet werden.
Frau im Hintergrund. Im Vordergrund werden ihre Hände gezeigt. Desinfektionsmittel wird aufgetragen.
Portrait Irina Lenssen
Irina Lenssen, Hautschutzexpertin der BGHW

Man beobachtet es immer wieder: Beschäftigte tragen Einmalhandschuhe, weil sie Angst vor dem Coronavirus haben. Was ist davon zu halten?

Flüssigkeitsdichte Einmalhandschuhe wiegen Beschäftigte in trügerischer Sicherheit. Sie bieten keinen zusätzlichen Schutz vor Infektionen durch Corona-Viren und sind nicht dazu geeignet, eine Weitergabe von Keimen mit den Händen zu verhindern. Durch das Aufquellen der Haut unter den Einmalhandschuhen kann die Haut empfindlicher bei der nachfolgenden Händereinigung reagieren. Eine erhöhte Gefährdung ist gegeben, wenn die Hände zusätzlich zu einer Reinigung desinfiziert werden. Nach dem Tragen von Handschuhen kann auch die Regeneration der Haut verzögert sein.

Bei Reinigungsarbeiten, zum Beispiel mit Flächendesinfektionsmitteln, können jedoch Schutzhandschuhe erforderlich sein. Hier sind die Herstellerangaben zu beachten. Schutzhandschuhe sollten also grundsätzlich nur bei hautgefährdenden Tätigkeiten und höchstens so lange getragen werden, bis sich spürbar Schweiß bildet. Danach sollten sie gegen ein trockenes Paar gewechselt werden.

 

Wie äußert sich kranke Haut an den Händen? Warum ist eine rechtzeitige hautärztliche Behandlung so wichtig und wie hilft die BGHW?

Erste Anzeichen für eine Hautschädigung sind trockene Haut, Juckreiz und Rötung. Im fortgeschrittenen Stadium können sich Hautentzündungen in Form von Ekzemen bilden, wie bereits geschildert. Die Haut kann dabei auch nässen, schuppen und Bläschen bilden. Betroffene sollten auf jeden Fall rechtzeitig zu einem Hautarzt oder einer Hautärztin gehen, bevor die Haut ernsthaft erkrankt. Dort werden die Ursachen der Hauterscheinungen ermittelt und die erforderliche Heilbehandlung eingeleitet.

Gibt es Anhaltspunkte für einen möglichen beruflichen Zusammenhang, wird die Erkrankung der BGHW als zuständigen Unfallversicherungsträger gemeldet und ein Hautarzt- und/oder Berufskrankheitenverfahren eingeleitet. Dann erfolgt die Heilbehandlung zu Lasten der BGHW und wird durch gleichzeitige individuelle Vorsorgemaßnahmen am Arbeitsplatz unterstützt. Leider wird aus der Praxis berichtet, dass Betroffene den Arztbesuch oftmals lange hinauszögern.

 

Damit es erst gar nicht zur Hautschädigung kommt: Wie können die Hände bestmöglich geschützt und gepflegt werden?

Vorsorge und Pflege sind ganz entscheidend. Für Arbeitsplätze, an denen bereits ein Hautschutzplan aufgrund von Hautgefährdungen oder Hygienevorschriften vorhanden ist, sind die dort festgelegten Maßnahmen zu beachten. Aber auch für alle anderen, deren Hände jetzt stärker belastet sind, erhöht sich der Pflegebedarf. Deshalb ist es wichtig,  die Hände regelmäßig mit Hautpflegemitteln einzucremen. Pflegeprodukte regenerieren die Hautbarriere, indem sie Fett und Feuchtigkeit zurückgeben.

Pflegetipps für gestresste Hände

  • Hautpflegemittel sollten vor längeren Pausen und nach Arbeitsende angewendet werden. Sie können aber auch zwischendurch, zum Beispiel nach dem Händewaschen oder der Händedesinfektion zum Einsatz kommen. Vor dem Auftragen sollten die Hände sauber und trocken sein.
  • Während der Arbeitszeit ist eine schnell einziehende Creme oder Lotion zur Pflege geeignet.
  • Die Produkte sollten an den Hautzustand angepasst sein, möglichst feuchtigkeitsbindende Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Urea oder Glycerin, enthalten und frei von Duftstoffen sein.
  • Für das Eincremen nach der Arbeit und in der Freizeit sind fetthaltigere Cremes zu empfehlen, um der Haut ausgewaschene Fette und Feuchtigkeit zurückzugeben.
  • Beim Eincremen Fingerkuppen, Nagelfalz und Fingerzwischenräume nicht vergessen. Unser Film zeigt, wie richtiges Eincremen funkioniert.
Zwei Hände, in der linken Hand eine Handcremetube, auf den rechten Handrücken wird Handcreme aufgetragen.

Seit Beginn der Coronapandemie ist das Masketragen als Stressfaktor für die Haut hinzugekommen. Wie kann sie um den Mund herum heil bleiben?

Beim längeren Tragen von Mund-Nasen- oder Atemschutzmasken können vor allem Menschen mit empfindlicher Haut mit Rötungen, Juckreiz oder gar Ekzemen reagieren. Denn unter der Maske kann sich ein feucht-warmes Milieu bilden, das die Haut belastet. Hinzu kommt noch die Reibung durch die Maskenränder und Gummibänder. Wichtig ist deshalb, Feuchtigkeit zu vermeiden, also die Maske nur dann zu tragen, wenn es notwendig ist und sie rechtzeitig zu wechseln. Wenn möglich sollten sich Tätigkeiten mit Maske und Tätigkeiten, bei denen keine Maske erforderlich ist, abwechseln. So kann sich die Haut erholen. Ich rate zudem zu einer milden Hautreinigung und einer auf den Hauttyp abgestimmten Pflege, die nicht zu fetthaltig ist.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt anmelden
Zurück nach oben springen

Ihr Kontakt zu uns

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Redaktion "Hundert Prozent"

E-Mail:
hundertprozent(at)bghw.de

Oder richten Sie Ihre Anfrage per Kontaktformular an uns:
Kontaktformular