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Mit Prothese auf dem Leercontainerstapler

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Eine nahtlose Behandlung von der Einweisung bis zur Rückkehr in den Beruf: Das leisten die Kliniken der Berufsgenossenschaften. BGHW-Mitglied Thomas Schröder, der seit einem Wegeunfall auf eine Unterschenkelprothese angewiesen ist, profitierte davon. Er fühlte sich nach dem Unfall nicht nur medizinisch gut versorgt, sondern bekam auch das Heilverfahren und die Rehabilitation aus einer Hand.

Symbol für Achtung

Bei einem Wegeunfall hat Thomas Schröder einen Unterschenkel verloren. Seitdem trägt er eine Prothese. Mithilfe seines Arbeitgebers und der BGHW hat er den Weg zurück ins Leben und in den Beruf gefunden.

„Hier, so sieht meine Prothese aus“: Mit geübtem Handgriff zieht Thomas Schröder, Vorarbeiter beim Hafenumschlagsunternehmen NTB in Bremerhaven, seine Oberschenkelprothese aus dem Hosenbein. Fachmännisch erklärt er, wie das Hightech-Gerät funktioniert: Mikroprozessoren steuern die Bewegung, Sensoren berechnen, in welcher Schrittphase er sich befindet.

Die Prothese trägt er, seit er bei einem Wegeunfall einen Unterschenkel verlor. Ereignet hat sich der Unfall vor sechs Jahren auf dem Weg zur Arbeit. Er war mit dem Motorrad unterwegs. Er überholte, musste bremsen und was danach passierte, daran kann er sich nicht mehr wirklich erinnern. Als Schröder im Krankenhaus erwachte, erfuhr er, dass sein linkes Bein über dem Knie amputiert werden musste. Die Diagnose war für den aktiven Mann, der nebenher eine kleine Landwirtschaft betreibt, zunächst ein Schock. „Aber das Leben geht weiter“, meint der 55-Jährige trocken.

 

Heilverfahren und Reha aus einer Hand

Und so gefasst und pragmatisch trat er auch seinen langen Weg der Heilung und Rehabilitation an. Zunächst wurde er vom Krankenhaus in die BG-Klinik nach Hamburg verlegt. „Wir wollten gewährleisten, dass Thomas Schröder nicht nur medizinisch gut versorgt wird, sondern dass Heilverfahren und Rehabilitation aus einer Hand gesteuert werden“, erklärt BGHW-Reha-Berater Sebastian Kirchner, der Schröder seit einigen Jahren betreut. Denn genau das sei ein Alleinstellungsmerkmal der BG-Kliniken bundesweit: die nahtlose Behandlungskette von der Einweisung bis zur Rückkehr in den Beruf.

Berufsgenossenschaftliche Kliniken

  • Die medizinischen Spezialeinrichtungen verfügen über eine besondere Kompetenz in der Versorgung von Unfallopfern und Menschen mit Berufskrankheiten.
  • Für jeden Versicherten wird ein individuelles Therapiekonzept erstellt.
  • Ein persönlicher Reha-Manager begleitet den Versicherten Schritt für Schritt zurück in den Beruf und Alltag.
  • Die BG-Kliniken gibt es in Deutschland an zwölf Standorten.
Symbol mit einem Ausrufezeichen
Auf dem Bild ist der NTB-Mitarbeiter Thomas Schröder mit seinem Reha-Berater Sebastian Kirchner zu sehen. Sie sitzen auf den Stufen eines großen Fahrzeugs, beide tragen Helme und Warnwesten. Das linke Hosenbein von Schröder ist hochgekrempelt, man sieht seine Unterschenkelprothese.
Thomas Schröder bespricht mit Reha-Berater Sebastian Kirchner die Einstellung seiner Prothese.

Nachdem der Beinstumpf verheilt war, wurden in der Hamburger BG-Klinik verschiedene Prothesen ausprobiert. Schröder lernte Gehen und Treppensteigen mit dem ungewohnten Beinersatz, auch Autofahren wurde wieder möglich. Ärzte, Therapeuten und sein Reha-Berater unterstützten ihn dabei.

Ein neuer Arbeitsplatz

Dafür ist Schröder bis heute dankbar: „Diese Menschen haben alles getan, damit ich wieder auf die Beine komme“, lobt er. Auch sein Arbeitgeber NTB klinkte sich früh in den Reha-Prozess ein. „Es war uns von Anfang an klar, dass wir alles tun würden, um ihn wieder bei uns einzugliedern“, sagt Harry Kühn, Betriebsrat bei NTB.

Gemeinsam mit der Geschäftsleitung überlegte er, wo Schröder wieder eingesetzt werden könnte. Beratend zur Seite stand Schwerbehindertenvertreter Sven Lohoff, der durch einen Arbeitsunfall einen Teil einer Hand verloren hat und sich gut in die Situation von Thomas Schröder hineinversetzen konnte. Es stand bald fest, dass Schröder seinen bisherigen Job im Leercontainerbereich nicht mehr ausüben konnte. „Die starke körperliche Belastung – das hätte er mit seinem Handicap nicht mehr geschafft“, weiß Lohoff.

Auf dem Bild sieht man den NTB-Mitarbeiter Thomas Schröder in der Seitenperspektive. Er sitzt am Lenkrad eines Leercontainerstaplers. Mit der rechten Hand bedient er die Steuerung.
Die Leercontainerstapler sind behindertengerecht umgebaut.

Mal auf dem Stapler, mal im Büro

Dennoch fanden Betriebsrat Kühn und die Geschäftsführung schließlich den passenden Arbeitsplatz für Schröder. Die drei Leercontainerstapler des Unternehmens wurden behindertengerecht umgebaut. In der Phase des betrieblichen Eingliederungsmanagements 2014 konnte sich Schröder mit dem neuen Arbeitsplatz vertraut machen.

Seitdem stapelt und transportiert Schröder als Fahrer jede dritte Woche die leeren Container auf dem Betriebsgelände. Zwei Wochen hat er dann Dienst im Büro des Hafenbereichs. Am Computer koordiniert er, wohin welche Leercontainer gestellt werden. Per Funk hält er Kontakt zu den Fahrern und sorgt dafür, dass jeder Container an der richtigen Position abgestellt wird.

 

Keine Nachtschicht mehr

Schröder ist zufrieden mit der Arbeit, vor allem seit er nicht mehr die körperlich anstrengenden Nachtschichten leisten muss. Betriebsrat Kühn freut sich, dass es Thomas Schröder heute wieder so gut geht: „Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, kann eine erfolgreiche Wiedereingliederung auch nach solch einem Unfall wieder gelingen.“ 

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