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Sicher durch die Motorradsaison

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Nach dem Corona-Winter draußen sein – das tut Körper und Seele gut. Zum Straßenbild gehören jetzt auch wieder mehr Motorräder und Roller. Bevor im Frühjahr die Fahrt so richtig losgeht, sollten Biker einiges in Sachen Vorbereitung und Sicherheit beachten. Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) erklärt die wichtigsten Punkte. Auch ein Film auf GIB MIR NULL! gibt Sicherheitstipps.

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Motorräder und Roller werden immer beliebter. So belief sich der Kraftradbestand am 1. Januar 2020 hierzulande auf rund 4,5 Millionen und erreichte damit den höchsten Bestand seit 2009. Zwar gab es durch den Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 eine Delle bei den Zulassungen, die jedoch seit dem Frühsommer von einem regelrechten Boom abgelöst wurde. Insgesamt sind im Jahr 2020 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes rund 222.000 Krafträder zugelassen worden, im Vergleich zu rund 168.000 in 2019.

Übrigens: Den höchsten Bestand an Krafträdern gibt es in Bayern.

Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz)
Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz)

Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) erklärt die wichtigsten Sicherheitstipps zum Saisonstart.

Stichwort „Sicherheitscheck am Motorrad“: Worauf kommt es nach der Winterpause an?

Ein Mann putzt sein Motorrrad
Der Frühjahrsputz fürs Motorrad kann auch Schäden ans Licht bringen.

Der erste Fehler, den man beim Eintritt in die Motorradsaison machen kann: auf den Funktionscheck aller sicherheitsrelevanten Bauteile zu verzichten. Grundsätzlich kann es problematisch sein, die Wirkung der Wintermonate auf ein stehendes Motorrad zu unterschätzen. Dies gilt insbesondere für Maschinen, die den Winter über draußen geparkt wurden. Oftmals gehen auftretende Probleme auch damit einher, dass das Einmotten im Herbst eher stiefmütterlich angegangen wurde oder auch schon Mängel vorhanden waren, die bis dato ignoriert wurden. Wer seine Maschine wieder „flott macht“, sollte sie gründlich waschen, um eventuelle Schäden besser erkennen zu können. Hierbei sollte man auf die bequemen Hochdruckreiniger verzichten. Zu groß ist die Gefahr, Wassertropfen oder chemische Reiniger zum Beispiel in Rad- oder Lenkkopflager, Schalter, Sicherungskästen oder elektrische Kabelverbindungen zu treiben, was Korrosion und Funktionsausfall bedingen kann.

Und was sollte man beim Wieder-Flottmachen berücksichtigen?

Um sicher in die Motorradsaison 2021 starten zu können, gibt es als nützlichen Helfer die kostenlose Saisonstartliste des ifz. Darin enthalten sind alle zentralen Punkte, die beim „Wieder-Flottmachen“ der eigenen Maschine zu beachten sind.  Wer beim Ausmotten mit weniger technischem Know-how zur Sache geht, sollte die Wartung seines Fahrzeuges besser bei einem autorisierten Fachhändler durchführen lassen, denn mittlerweile sind technische Komponenten und erforderliche Werkzeuge recht speziell. Zum Reifendruck: Prüfgeräte an der Tankstelle sind mitunter ungenau, eine Abweichung um +/-0,2 Bar schnell erreicht. Diese minimale Abweichung kann das Fahrverhalten jedoch bereits beträchtlich verändern. Wir empfehlen deshalb präzise „Luftprüfer“ (oder Reifendruckmesser), die im Fachhandel erhältlich sind.

Was kann der Fahrer oder die Fahrerin selbst tun, um sich fit zu machen?

Wie das Motorrad oder der Roller selbst, so sollte auch der Pilot und die Pilotin bestmöglich „in Schuss“ sein. Denn ein trainierter Körper kann schneller reagieren, hält länger durch, bleibt entspannter und aufmerksamer. Alles in Allem ein großes Sicherheitsplus. Nicht jeder gehört beim Thema „Fitness“ zu den Hochleistungssportlern. Was aber jeder in seinen Alltag einbauen sollte, sind kleine Übungen zwischendurch, zum Beispiel in Form von Liegestütz, Sit-Ups oder Kniebeugen. Wie in jedem guten Fitnessstudio auch hier der Rat: langsam einsteigen und langsam steigern!

 

Stichwort „Fahrsicherheitstraining“: Warum ist es auch noch für „alte Hasen“ wichtig?

Überdenken Sie ruhig mal Ihr Können und stellen Sie Ihr Verhalten auf dem Motorrad auch durchaus in Frage. Der Besuch eines Sicherheitstrainings hat noch niemandem geschadet und ist keinesfalls nur etwas für Anfänger. Dazulernen kann und sollte jeder – und das immer wieder. Gerade zu Beginn der Zweiradsaison ist ein Training eine gute Gelegenheit, um nach der Winterpause „wieder reinzukommen“ und Neues dazuzulernen, was unterm Strich der eigenen Sicherheit dienlich ist.

Tipp:

Die BGHW bezuschusst Fahrsicherheitstrainings für Motorrad (sowie PKW) nach der Richtlinien des Deutschen Verkehrssicherheitsrats.

Ein Motorradfahrer bei einem Fahrsicherheitstraining

Wie wichtig ist die mentale Vorbereitung vor der Fahrt?

Auch das alleinige Durchdenken von Handlungsabläufen vor der Fahrt oder abends auf dem Sofa kann helfen, sicherer zu werden. Stellen Sie sich kritische Verkehrssituationen vor und spielen Sie diese gedanklich durch. Viele Situationen, die uns unvorbereitet überraschen oder sogar erschrecken können, lassen sich so wunderbar mental trainieren. Sei es der plötzlich abbiegende Gegenverkehr, der Ölfleck in der Kurve, der spurwechselnde Lastwagen oder die immer enger werdende Kurve. Wenn wir uns Situationen wie diese öfter vorstellen und passende Handlungsmanöver im Detail durchdenken, kann das unsere Chance erhöhen beim nächsten Mal nicht zu erschrecken, die Situation souveräner zu meistern und die Kontrolle zu bewahren.

ifz-StreckenHeld

Comic Zeichnung. Superheld mit Helm, Schild und Umhang

Das Online-Tool „StreckenHeld“ des ifz informiert über alles, was die nächste Tour auf dem Roller oder Motorrad einfacher, schöner und vor allem sicherer macht. Angefangen bei regionalen Gefahrenstellen bis hin zu guten Plätzen für die nächsten Pause: das kartenbasierte Tool liefert nützliche Informationen sowohl vor der nächsten Fahrt zuhause am Rechner als auch unterwegs via Smartphone App. Der Clou am StreckenHeld: Jeder kann einfach mitmachen und mit den geteilten Informationen sich und andere im Straßenverkehr schützen.

Welche Übungen empfehlen Sie, um wieder ein gutes Fahrgefühl nach der Winterpause aufzubauen?

Ein Schild zeigt: Der Winter ist vorbei. Die Motorradsaison beginnt.

Übungen in Eigeninitiative auf einem leeren Parkplatz sind eine gute Möglichkeit, im Schonraum wieder „reinzukommen“. Besser noch ist natürlich die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining unter professioneller Anleitung. Um nach der langen Winterpause wieder ein optimales Gefühl für die Maschine zu bekommen, können folgende Übungen helfen:

  • Trialstopp: Langsam fahren, bis zum Stillstand abbremsen und stoppen, ohne die Füße von den Rasten zu nehmen. Kurz verharren, dann vorsichtig dosiert wieder anfahren
  • Schritttempo: Eine längere Strecke so langsam fahren wie möglich; schult das Gespür für die Balance
  • Achten fahren: Der Fahrschulklassiker vermittelt ein gutes Gefühl für das Handling der Maschine. Aber nicht nur in die Lieblingsrichtung. Beide Richtungen müssen funktionieren.
  • Bremsen: Nichts ist wichtiger als die Beherrschung sicheren Bremsens. Aus verschiedenen Geschwindigkeiten heraus punktgenaue „Zielbremsungen“ trainieren. Dabei einen bestimmten Anhaltepunkt fixieren.

Worauf kommt es bei der Ausrüstung an?

Motorradbekleidung ist zwar ihrer Bestimmung gemäß ohnehin sehr robust und entsprechend langlebig. Mit ein wenig Pflege bleiben ihre schützenden und Komfort gebenden Eigenschaften aber noch länger erhalten. So erhält das Reinigen und Pflegen der Kleidung den Witterungsschutz und die Klimaregulierungsfunktion, ist also auch ein kleiner Beitrag zu Ihrer aktiven Sicherheit. Defekte oder in die Jahre gekommene Ausrüstungsteile sollten ausgetauscht werden. Auch wenn der Helm noch so gut aussehen mag: er altert. Unabhängig von der Nutzungsintensität kommt es im Zeitverlauf zu Materialermüdungen. Um immer auf die volle Schutzwirkung Ihres Helmes vertrauen zu können, sollten Sie ihn deshalb nach etwa fünf bis sieben Jahren auswechseln. Das gilt übrigens ebenso für die Protektoren in der Bekleidung, auch diese altern.  Auch Airbag-Westen oder in Jacken integrierte Airbags tragen zu mehr Schutz bei einem Unfall bei.

 

Welche Tipps haben Sie für die ersten Ausfahrten im Frühjahr?

Gerade nach der längeren, wetterbedingten „Zweirad-Abstinenz“ im Straßenverkehr müssen sich die anderen Verkehrsteilnehmer erst wieder an die schmale Silhouette der einspurigen Fahrzeuge gewöhnen. Deshalb: Lieber einmal mehr in den Rückspiegel und zur Seite schauen, vor allem an Kreuzungen und Einmündungen. Gerade Anfängern ist beispielsweise häufig nicht bewusst, dass motorisierte Zweiradfahrende schnell übersehen werden. Das „Lesen“ der Straße ist ebenfalls sehr wichtig, denn winterbedingte Frostaufbrüche können zu bösen Überraschungen führen. Auf den ersten Metern sollte auf Überholmanöver, hohe Drehzahlen und rasantes Beschleunigen verzichtet werden. Daneben gilt es, sich vorsichtig an Schräglagen und Verzögerungsverhalten heranzutasten, um das Gefühl dafür wiederaufzufrischen. Ebenso sollte die erste Fahrt nicht zu lang ausfallen. Eine oder zwei Stunden sollten ausreichen, danach geht die Konzentration schneller verloren.

 

YouTube Video für Frühjahrs-Check für Dein Motorrad

Unser Film-Tipp zum Thema “Motorrad-Sicherheitscheck“: auf GIB MIR NULL! Schauen Sie gleich rein!

 

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