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Homeoffice: Wie sind Sie zuhause versichert?

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Das Homeoffice ist für viele Berufstätige in der Corona-Krise zur Regel geworden: Mitte März 2020 hat fast jeder zweite Arbeitnehmer ganz oder zumindest teilweise zuhause gearbeitet. Eine ungewohnte Situation und viele wissen nicht: Im Homeoffice gelten ganz eigene Regeln beim Versicherungsschutz. Wir erklären, welche das sind.

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Das Homeoffice bringt für viele Arbeitgeber Veränderungen. Am Morgen geht man nicht mehr zur Arbeit, sondern bleibt zuhause und arbeitet von dort mithilfe digitaler Techniken. So weit, so gut. Aber: Das Arbeiten in der Privatwohnung oder im Eigenheim verändert auch den Versicherungsschutz, weil die gesetzliche Unfallversicherung streng nach privaten und beruflichen Tätigkeiten unterscheidet.

Versichert oder nicht versichert? Die Handlungstendenz

Grundsätzlich gilt: Ein Unfall infolge einer versicherten Tätigkeit ist ein Arbeitsunfall und wird damit durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Aber: Entscheidend ist nicht der Ort der Tätigkeit, sondern ob die Tätigkeit im engen Zusammenhang mit der beruflichen Aufgabe steht – das Bundessozialgericht spricht in diesem Fall von der sogenannten Handlungstendenz. Mit anderen Worten: Die Tätigkeit, die zu einem Unfall geführt hat, muss darauf abgezielt haben, betrieblichen Interessen zu dienen. Versichert oder nicht versichert? Eine Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach. Denn bei der Heimarbeit verschmelzen Berufliches und Privates oft miteinander. Das zeigen unsere fünf Beispiele.

Die Tätigkeit, die zu einem Unfall geführt hat, muss darauf abgezielt haben,
betrieblichen Interessen zu dienen.

Beispiel 1: Wasser trinken

Wer sich im Homeoffice etwas zu essen oder zu trinken holt und dabei stürzt, ist nicht versichert! So entschied das Bundessozialgericht 2016 im Fall einer Beschäftigten, die von ihrem Telearbeitsplatz im Dachgeschoss ihres Hauses in die Küche gegangen war, um sich ein Glas Wasser zu holen. Dabei stürzte sie auf der Treppe und verletzte sich. Nach Auffassung des Bundessozialgerichts war dies kein Arbeitsunfall, weil ein Weg innerhalb eines Wohngebäudes zurückgelegt wurde, um einer privaten Tätigkeit (Wasser trinken) nachzugehen. Der Arbeitgeber könne nicht für die Risiken in der privaten Wohnung des Arbeitnehmers verantwortlich gemacht werden, so das Bundessozialgericht.     

 

Beispiel 2: der Gang zur Toilette

Wer im Büro zur Toilette muss, ist auf dem Weg dorthin gesetzlich unfallversichert. Zuhause aber nicht! So sieht es jedenfalls das Sozialgericht München. Ein Arbeitnehmer war auf dem Rückweg vom heimischen WC gestürzt und wollte den Sturz als Arbeitsunfall geltend machen. Seine Klage wurde abgewiesen.

 

Beispiel 3: das Telefonmeeting

Wer auf dem Weg zu seinem Homeoffice auf der Treppe stürzt und sich verletzt, weil er an einem Telefonmeeting mit dem Arbeitskollegen oder Vorgesetzen teilnehmen will, ist unfallversichert! Das Bundessozialgericht sieht hier eine „objektivierte Handlungstendenz“, weil der Beschäftigte eine dem Unternehmen dienende Tätigkeit ausüben wollte. Damit war die Voraussetzung für einen Arbeitsunfall erfüllt.

 

Beispiel 4: die Internet-Verbindung

Wer auf der Treppe stürzt und sich dabei verletzt, weil er im Erdgeschoss die unterbrochene Internetverbindung überprüfen will, die für die berufliche Kommunikation benötigt wird, ist unfallversichert! Verletzt sich der Beschäftigte hingegen auf der Treppe, weil er eine private Paketsendung entgegennehmen will, ist er nicht versichert.

Wer im Homeoffice etwas tut, was in keinem direkten Zusammenhang mit seiner Arbeit steht,
ist nicht unfallversichert.

Beispiel 5: der Weg zur Kita

Wer sein Kind auf dem Weg zur Arbeit in einer Kita absetzt, ist gesetzlich unfallversichert. Diese Regel besteht seit 1971. Wer dagegen auf dem Weg von der Kita zum Homeoffice einen Unfall hat, ist nicht versichert! So entschied das Bundessozialgericht in seinem Urteil vom 30. Januar 2020. Eine Mutter war mit ihrem Fahrrad auf Blitzeis gestürzt und brach sich den Ellbogen. Sie war auf dem Rückweg von der Kita zu ihrem Heimarbeitsplatz.

Fazit: Die Anforderungen, ob ein Beschäftigter unfallversichert ist, sind im Homeoffice deutlicher höher als im Betrieb. Wer im Homeoffice etwas tut, was in keinem direkten Zusammenhang mit seiner Arbeit steht, ist nicht gesetzlich unfallversichert.   

Hintergrundwissen: Mobiles Arbeiten oder Telearbeit?

Wird für einen beschränkten Zeitraum Homeoffice empfohlen oder angeordnet, handelt es sich aus Arbeitsschutzsicht um mobile Arbeit. Sie ist abzugrenzen von der klassischen Form des Homeoffice, der Telearbeit. Telearbeit heißt: Der Arbeitgeber richtet im Privatbereich von Beschäftigten einen Arbeitsplatz mit der entsprechenden Ausstattung ein und regelt die Arbeit von zuhause arbeitsvertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung. Hierfür macht die Arbeitsstättenverordnung entsprechende Vorgaben.

Unter mobiler Arbeit sind Tätigkeiten zu verstehen, die außerhalb der Arbeitsstätte unter Nutzung von stationären oder tragbaren Computern oder anderen Endgeräten stattfinden und nicht zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten fest vereinbart sind. Solche Tätigkeiten umfassen das kurzfristig angesetzte Arbeiten in der eigenen Wohnung. Bei der Möglichkeit, während der Corona-Krise für einen begrenzten Zeitraum im Homeoffice zu arbeiten, handelt es sich also – in der Regel – um mobile Arbeit und nicht um Telearbeit im Sinne der Arbeitsstättenverordnung. Für mobile Arbeit gelten die allgemeinen Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes und des Arbeitszeitgesetzes, spezielle Regelungen wie bei der Telearbeit gibt es jedoch nicht. Mobiles Arbeiten wie jetzt in der Corona-Krise kann auch über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.

Quelle: dguv.de

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