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Verpacken ohne Rückenschmerzen

ca. 5 Minuten Lesezeit

Das Wichtigste im Überblick

  • Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) machen fast 25 Prozent aller AU-Tage aus und sind die zweithäufigste Ursachen für Frühverrentungen. Wie können sie vermieden werden?
  • Eine Reportage über das Unternehmen Ferdinand Bilstein, das an seinen manuellen Packtischen präventive Maßnahmen  umgesetzt hat.
  • Eine Logistik-Facharbeiterin und ein Logistik-Facharbeiter erzählen, warum sie keine Rücken- oder Muskelschmerzen haben.

Muskel- und Skelettbelastungen sind kein unbekanntes Phänomen in Handel und Warenlogistik. Die Ursachen dafür können einseitige und extreme körperliche Belastungen, Körperzwangshaltungen oder erhöhte Kraftanstrengungen sein. Wie kann man sie am Arbeitsplatz reduzieren oder vermeiden? Zum Beispiel durch präventive Maßnahmen, wie sie das Unternehmen Ferdinand Bilstein an seinen manuellen Packtischen umgesetzt hat.

Tief im Westen ist die Nummer eins im Ersatzteilmarkt zu Hause: Ferdinand Bilstein im nordrhein-westfälischen Ennepetal. Das Unternehmen führt in seinem Sortiment mehr als 60.000 verschiedene Ersatzteile für Pkw und Nutzfahrzeuge – von Bremsscheiben und Luftfilter über Radschrauben und -muttern bis zu Tankdeckeln und Gelenkstangen. Diese Produkte werden täglich aus dem 29 Meter hohen und voll automatisierten Hochregallager im firmeneigenen Logistikzentrum entnommen, dann verpackt, gescannt, geprüft, zu einer Lieferung zusammengestellt und anschließend an Großhändler und Werkstätten weltweit versendet.

werden täglich im Logistikzentrum Ennepetal in drei Schichten abgewickelt.

Kartons manuell verpacken

An jedem Arbeitstag werden in drei Schichten so mehr als 25.000 Auftragspositionen abgewickelt – teilweise automatisiert, größtenteils aber manuell. Zum Beispiel von Sarah Riede (29) und Jan-Paul Siegels (24). An ihrem manuellen Packplatz landen die bestellten Waren, die automatisch aus dem Lager entnommen wurden. Danach folgt für die Logistik-Facharbeiterin und den -Facharbeiter ein sich immer wiederholender Vorgang: Sie scannen jeden einzelnen rot-weißen Karton der Marke febi, kontrollieren seinen Eingang auf einem Bildschirm und verstauen ihn in einem Versandmodul, das unterschiedlich hoch sein kann. Sobald dieses mit der georderten Menge gefüllt ist, wird es mit einem Moduldeckel geschlossen und mit der Versandadresse versehen. Anschließend wird das Modul von einem Gabelstaplerfahrer abgeholt und in Richtung Versand transportiert.

Video über das Arbeiten an einem manuellen Packtisch
sind in der operativen Logistik am Standort Ennepetal pro Schicht tätig.
Produkte verpacken

Bei Ferdinand Bilstein werden pro Tag in der Abteilung Kommissionierung 25.000 Auftragspositionen als Express- oder Normalsendungen verpackt. Diese werden an 21 automatisierten und 97 manuellen Packplätzen sowie von einer automatischen Verpackungsanlage und drei Beutelmaschinen vorab konfektioniert.

Symbol für einen informativen Hinweis

Belastungen oder Schmerzen? Fehlanzeige!

Danach geht’s für die zwei weiter: scannen, kontrollieren, verstauen. Acht Stunden lang erledigen Riede und Siegels diesen Job im Stehen. Eigentlich belastet das Arme, Beine sowie Nacken und Rücken. Doch beide spüren davon nichts. „Ich mache diesen Job seit mehr als einem Jahr und habe noch nie Schmerzen im Rücken oder in den Gelenken gehabt“, sagt Sarah Riede. Und Jan-Paul Siegels nickt zustimmend und betont: „Ich fühle mich topfit!“ Denn ihre Arbeitsplätze sind ergonomisch gestaltet, sodass Belastungen für Muskeln und Skelett auf ein Mindestmaß reduziert sind. Gummimatten an ihrem Arbeitsplatz entlasten Füße und Beine. Der Hubtisch, auf dem das Versandmodul platziert ist, ist dreh- und höhenverstellbar, um ein unbequemes und auf Dauer schmerzhaftes Bücken zu vermeiden. Auch die Tastaturablage vor dem Bildschirm und der Packtisch sind höhenverstellbar. Sogar die Konstruktion des Kartons schont den Rücken – eine Ladeklappe macht’s möglich. Diese präventiven Maßnahmen hat Ferdinand Bilstein in seinem Logistikzentrum Ennepetal inzwischen an allen 97 manuellen Packstationen umgesetzt.

Video über Arbeiten an einem manuellen Packtisch
Mustafa Simsek von Ferdinand Bilstein

Wir haben gesundheitserhaltende Arbeitsplätze geschaffen, die die
Arbeit leichter machen.

Mustafa Simsek, leitende Fachkraft Arbeitssicherheit

Arbeitsschutz ist Qualitätsmanagement

Und das hat einen Grund: „Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter in der Abteilung Kommissionierung soll hier alles tragen und heben können“, sagt Mustafa Simsek, leitende Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Ferdinand Bilstein. Das gelte für Unterlegscheiben, die nur ein oder zwei Gramm wiegen, genauso wie für Schwungscheiben, die bis zu 25 Kilogramm schwer sein können. „Aus diesem Grund haben wir gesundheitserhaltende Arbeitsplätze geschaffen, die die Muskeln und das Skelett entlasten und die Arbeit leichter machen“, erklärt der Arbeitssicherheitsexperte. Die Gesundheit und Fitness der Beschäftigten sei wichtig für das Unternehmen. „Wir wollen, dass unsere Fachkräfte gesund und fit bleiben, weil ein langfristiger Ausfall aufgrund von Muskel- oder Skeletterkrankungen einen Qualitätsverlust in der Warenauslieferung bedeuten kann“, ergänzt Standortleiter Niklas Schneider. Um langfristige gesundheitsbedingte Ausfälle zu kompensieren, müssten nämlich neue Mitarbeitende gesucht und eingearbeitet werden. „Daher haben wir Präventivmaßnahmen wie Gummimatten und höhenverstellbare Hubtische an den Arbeitsplätzen eingeführt“, sagt Simsek. „Wir wollen das Wissen und das Know-how unserer Mitarbeitenden schützen und erhalten. Denn gelebter Arbeitsschutz ist für uns ein wichtiges Element des Qualitätsmanagements.“

 

Training Area

Bei Ferdinand Bilstein wird das neue Personal zunächst geschult, bevor es mit seiner Arbeit in der Kommissionierung startet. Zwei Wochen lang werden die angehenden Fachkräfte trainiert, Waren zu entnehmen, zu scannen, zu prüfen, zu verpacken und lieferfähig zusammenzustellen.

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Gesundheitserhaltende Arbeitsplätze gemeinsam entwickelt

Die ergonomisch gestalteten Arbeitsplätze in der Kommissionierung sind das Ergebnis eines 15-monatigen Projekts im Jahr 2014, in dem an einem Musterarbeitsplatz mit den Beschäftigten und dem Betriebsrat entwickelte Lösungen erprobt und getestet wurden. So entstand Schritt für Schritt ein perfekt optimierter Arbeitsplatz, der später als Blaupause für den Umbau aller manuellen Packtische am Standort Ennepetal diente. „Wichtig war dabei auch immer der offene Dialog mit der BGHW, die uns immer beratend unterstützt hat“, erzählt Simsek. Und was ist das Ergebnis? Dazu Simsek: „Obwohl in der Handels- und Warenlogistik immer wieder Muskel- und Skelettbelastungen auftreten können, verzeichnen wir seit Einführung unserer Präventivmaßnahmen keinen Ausfall mehr wegen einer Muskel- oder Skeletterkrankung.“ [sie]

Leitende Fachkraft für Arbeitssicherheit erzählt über präventive Maßnahmen bei Ferdinand Bilstein

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