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Fragen und Antworten zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung

Frank Rokosch, Referatsleiter Physikalische Einwirkungen - bei der BGHW über die Entwicklung des Lärm- und Vibrationsschutzes in den Unternehmen und aktuelle Präventionsprojekte.

Herr Rokosch, vor zehn Jahren trat die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung in Kraft. Was war das Neue?

Mit der Verordnung wurden zwei Europäische Richtlinien, die 2002/44/EG und die 2003/10/EG, in deutsches Recht umgesetzt. Die Verordnung spricht nun direkt den Unternehmer an, der für den Arbeitsschutz verantwortlich ist. Sie verpflichtet ihn, die entsprechenden Gefährdungen zu beurteilen, zu dokumentieren und wenn nötig Maßnahmen abzuleiten. Hinsichtlich des Lärms wurde der Tages-Lärmexpositionspegel neu definiert, und untere Auslösewerte sowie obere Auslösewerte wurden festgelegt, die jeweils mit zu ergreifenden Maßnahmen verbunden sind. Ähnlich bei den Vibrationen: Hier wurden aber Auslösewerte und Expositionsgrenzwerte definiert, deren Überschreitung umgehend zu verhindern ist.

Eine große Hilfe sind die Technischen Regeln zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2010 herausgegeben hat. Diese geben den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene wieder und legen genaue Vorgehensweisen fest. Durch die sogenannte Vermutungswirkung kann der Arbeitgeber bei Anwendung der technischen Regeln davon ausgehen, dass er die entsprechenden Arbeitsschutzvorschriften einhält.

Der Messtechnische Dienst der BGHW berät rund um das Thema Lärm und Vibrationen. Kann jedes Mitgliedsunternehmen diesen Service in Anspruch nehmen?

Grundsätzlich kann jedes Mitgliedsunternehmen auch die messtechnischen Dienste der BGHW in Anspruch nehmen. Selbstverständlich sollten der Betrieb, vor der Anforderung des Messtechnischen Dienstes, die in den Technischen Regeln beschrieben Möglichkeiten zur Gefährdungsbeurteilung ausschöpfen. Mit den vorhandenen Kapazitäten können wir helfen, wenn die Betriebe an ihre Grenzen stoßen. Gerne beraten wir auch zu Lärmminderungsmaßnahmen, Fragen zur Akustik - auch im Bürobereich - und der Auswahl von geeignetem Gehörschutz. Ganze Lärmkataster zum Beispiel können wir aber mit dem Personal, das uns zur Verfügung steht nicht erstellen. Für solche Aufgaben müssen dann auch unsere Mitgliedsunternehmen auf andere Dienstleister zurückgreifen.

Die BGHW kommuniziert ihre Untersuchungen und Erfahrungen zum Lärm- und Vibrationsschutz auf Fachtagungen und in Fachmedien. Welche  interessanten Projekte gibt es derzeit?

Zur richtigen Einstellung von Sitzen haben wir den Film „Ergonomie beim Fahren  von Flurförderzeugen“  produziert. Auch auf unserem Showtruck kann man Vibrationen und die Wirkung von richtig und falsch eingestellten Sitzen live erleben.

Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen an einem Projekt zur Lärmminderung an Flurförderzeugen. Damit wollen wir erreichen, dass die Lärmbelastungen in den Be- und Entladezonen der Lager sinken.

Hinsichtlich der Vorschriften erwarten wir noch in diesem Jahr die Veröffentlichung der Arbeitsstättenregel „Lärm“, die den Pegelbereichen unterhalb des Regelungsbereiches der Verordnung betreffen wird.

In diesem Bereich stehen wir gemeinsam mit den Forschungsinstituten der DGUV am Anfang eines Projektes zur Dauerschallbelastung im Einzelhandel. Hier geht es zwar nicht um Lärmbelastungen im Sinne der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung. Aber auch die sogenannten extraauralen Lärmbelastungen unserer Versicherten dürfen wir nicht außer Acht lassen. Das ist Lärm, der zwar Gehör nicht direkt schädigt, sich aber indirekt auf die Gesundheit auswirkt. Hier geht es zum Beispiel um psychische Belastungen, Einflüsse auf das Herz-Kreislaufsystem und Leistungseinschränkungen.

Um Lärm geht es auch in der Berufsschulaktion „Jugend will sich-erleben“ der DGUV, deren diesjähriges Motto „Krach unter Kontrolle“ lautet.  Auch der „Tag gegen den Lärm“, eine Aktion der Deutschen Gesellschaft für Akustik, der alljährlich am 26. April stattfindet, bietet viele Informationen und Aktionen zum Lärmschutz.

Die BGHW hat aktuell ein neues Modul für Gesundheitstage angeschafft. Mit der so genannten „EarBox“ kann man mit wenig Aufwand einen Hörcheck, Lautstärketests, und Gehörschutzchecks vornehmen. Mit dem Gerät können außerdem sogar eindrucksvoll Hörschadensimulationen durchgeführt werden.

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