Probearbeit und Schnuppertage

Grundsätzlich stehen alle Beschäftigten unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das betrifft Arbeits-, Ausbildungs- und Dienstverhältnisse. Die BGHW haftet dann bei Arbeits- und Wegeunfällen sowie bei Berufskrankheiten. Auch bei einem Probearbeitstag kann unter bestimmten Voraussetzungen Versicherungsschutz bestehen.

Probearbeit: „Wie-Beschäftigung“ oder schon Beschäftigung?

Dazu gibt es ein Urteil des Bundessozialgerichts (Aktenzeichen B 2 U 1/18 R) aus dem Jahr 2019. Der Fall: Ein Arbeitssuchender hatte an einem Probearbeitstag Mülltonnen transportiert. Dabei stürzte er von der Ladebordwand eines Lkw und zog sich eine Kopfverletzung zu. Die Frage war nun, ob ein Arbeitsunfall vorliegt oder nicht. Die Kasseler Richter begründeten ihre Entscheidung für den Versicherungsschutz folgendermaßen: Der Arbeitssuchende habe zwar nicht als Beschäftigter unter Versicherungsschutz gestanden, als der Unfall passierte. Da er aber eine dem Entsorgungsunternehmer dienende, dessen Willen entsprechende Tätigkeit von wirtschaftlichem Wert erbracht habe, die einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis ähnlich sei, war er als "Wie-Beschäftigter" gesetzlich unfallversichert. Insbesondere lag die Tätigkeit nicht nur in seinem Eigeninteresse, eine dauerhafte Beschäftigung zu erlangen. Der Probearbeitstag sollte gerade auch dem Unternehmer die Auswahl eines geeigneten Bewerbers ermöglichen. Damit hatte er für diesen einen objektiv wirtschaftlichen Wert.

Unterweisung einschließlich Eingliederung erfolgt?

Gut zu wissen: Gesetzlich unfallversichert sind Jobsuchende bei der Probearbeit immer dann, wenn sie – wie sonstige Beschäftigte – eigenständig im Betrieb anfallende Arbeiten erledigen. In diesen Fällen ist für die Rechtsprechung die Grenze des rein privaten „Sich-Beweisens“ überschritten. Denn nach der Unterweisung haben sich die Jobsuchenden in eine fremde Arbeitsorganisation integriert und den Weisungen des Arbeitgebers unterworfen. Arbeit im Probebetrieb ist dann kein Privatvergnügen mehr, sondern eine Tätigkeit, die in erster Linie dem Unternehmen dient. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Arbeitsvertrag bereits unterschrieben ist oder nicht.

Schnuppertag

Anders kann es beim „Schnuppertag“ aussehen, an dem Interessierte die Arbeit in einem Betrieb kennenlernen dürfen. Hier sind die Kriterien der sozialversicherten Probearbeit nicht erfüllt: Denn die Interessenten, die diese Schnuppertage nutzen, sind weder weisungsgebunden, noch verpflichtet Aufgaben eigenständig zu erledigen. Erhalten sie vom Betrieb eine Aufwandsentschädigung, sollte diese eindeutig und ausdrücklich als solche deklariert sein.

Vereinfacht könnte man auch sagen: Steht das Eigeninteresse den Job zu bekommen im Vordergrund und wird keine Arbeit von wirtschaftlichem Wert verrichtet, besteht kein Versicherungsschutz.  Neben dem „Schnuppern“ ist das zum Beispiel der Fall beim Herstellen von wertlosen Probestücken, bei der reinen Besichtigung von Arbeitsplätzen oder Begehung eines Betriebes.

Praktika und sonstige Bildungsmaßnahmen

Für welche Bildungsmaßnahme Versicherungsschutz besteht und welcher Unfallversicherungsträger im Einzelfall zuständig ist, hängt in erster Linie davon ab, wer Träger der Bildungsmaßnahme ist und mit welchem Bildungsziel sie durchgeführt wird. Für die Beschäftigten der Unfallversicherungsträger wurde eine Leitlinie erarbeitet, die Auskunft darüber gibt, nach welcher Vorschrift Versicherungsschutz besteht und wer zuständiger Unfallversicherungsträger ist.

Bewerbungsgespräch

Eindeutiger fällt die Beantwortung der Frage nach dem Versicherungsschutz beim Thema „Bewerbungsgespräch“ aus. Ein Beispiel: Eine Bewerberin möchte den Arbeitgeber wechseln und hat ein Vorstellungsgespräch bei einem Logistikdienstleister. Auf dem Weg dahin stolpert sie und zieht sich einen Bänderriss zu. Dies ist kein Fall für die BGHW. Denn: Bewerbungsgespräche sind eigenwirtschaftliche Tätigkeiten, also Privatsache. Das Bewerbungsgespräch und der Weg dorthin stehen deshalb nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Bewerberin erhält dann gegebenenfalls eine Heilbehandlung von ihrer Krankenversicherung. Wäre die Bewerberin jedoch arbeitslos und würde das Bewerbungsgespräch aufgrund einer Aufforderung der Arbeitsagentur erfolgen, greift wiederum der gesetzliche Unfallversicherungsschutz; jedoch über den für die Agentur für Arbeit zuständigen Träger.

Versicherungsschutz: Ja oder nein?

Die Beantwortung dieser Frage kann im Einzelfall auch schwierig sein. Erst nach Ermittlungen aller Umstände, unter denen sich ein Unfall ereignet hat, ist es der BGHW möglich, eine Entscheidung für oder gegen den Unfallversicherungsschutz zu treffen.

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FAQ – häufig gestellte Fragen

Schauen Sie auch in unsere Übersicht aller häufig gestellten Fragen. Nachfolgend aufgelistet sind alle FAQ zum Thema "Probearbeit und Schnuppertage"
Welche Leistungen bietet die BGHW bei einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit?

Bei Vorliegen eines Versicherungsfalles erbringen wir einzelfallabhängig unter anderem folgende Leistungen:

  • Heilbehandlung
  • Verletztengeld
  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
  • Übergangsgeld
  • Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und ergänzende Leistungen
  • Versichertenrente
  • Pflege
  • Hinterbliebenenleistungen und Sterbegeld

Weitere Informationen zu Versicherungsleistungen finden Sie unter Unsere Leistungen für Sie.

Welchen Arzt suche ich nach einem Arbeitsunfall auf?

Suchen Sie bitte einen Durchgangsarzt (D-Arzt) auf.

Namen und Adressen finden Sie auch in der Datenbank der Landesverbände der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. D-Ärzte gibt es in fast jedem Krankenhaus mit einer chirurgischen Abteilung.
Gerne hilft Ihnen auch unsere zuständige Verwaltungsstelle weiter.

Zur Datenbank der DGUV

Adressen der Verwaltungsstellen

Wo und wie kann ich meinen Arbeitsunfall oder meine Erkrankung melden?

Sie können den Schadenfall hier auf dieser Website oder bei Ihrer zuständigen Regionaldirektion melden. Die Meldung kann telefonisch oder formlos schriftlich erfolgen. Bitte geben Sie Name, Vorname, Anschrift, Geburtsdatum, Arbeitgeber, Krankenkasse und Unfalldatum an.

Zahlt die BGHW nach einem Arbeitsunfall auch eine zerstörte Brille?

Die Berufsgenossenschaft tritt für Gesundheitsschädigungen oder aber auch bei Beschädigungen von Hilfsmitteln ein.

Die Kosten für die Reparatur oder den gleichwertigen Ersatz der Brille, beschränkt auf einen Höchstbetrag, werden übernommen.

Welche Leistungen bietet die BGHW bei einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit?

Bei Vorliegen eines Versicherungsfalles erbringen wir einzelfallabhängig unter anderem folgende Leistungen:

  • Heilbehandlung
  • Verletztengeld
  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
  • Übergangsgeld
  • Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und ergänzende Leistungen
  • Verletztenrente
  • Pflege
  • Hinterbliebenenleistungen und Sterbegeld

Weitere Informationen zu Versicherungsleistungen finden Sie unter Unsere Leistungen.

Praktikanten, Werkstudenten, Ferienjobber und Diplomanden – Sind sie versichert?

Praktikanten, Werkstudenten und Ferienjobber

Sofern sie in das Unternehmen und dessen Arbeitsprozesse eingegliedert und weisungsgebunden tätig werden, daher sind sie wie die sonstigen Beschäftigten versichert. Der Versicherungsschutz besteht vom ersten Arbeitstag an, unabhängig von der Dauer des Arbeitsverhältnisses und der Höhe des Entgelts. Der vom Unternehmen zu leistende Beitrag für Ferienjobber, Werkstudenten und bezahlte Praktikanten richtet sich wie bei regulären Beschäftigungsverhältnissen nach der Höhe des gezahlten Entgelts. Das Unternehmen meldet diese Personen automatisch über die Entgeltsumme im Lohnnachweis an die Berufsgenossenschaft.

Schülerpraktikum

Ein Praktikum während des Schuljahres ist Teil der schulischen Ausbildung und über die Schüler-Unfallversicherung abgesichert. Freiwillige Praktika während der Ferien sind über die für das Unternehmen zuständige Berufsgenossenschaft abgesichert. Dies gilt auch für in der Studienordnung vorgeschriebene oder freiwillige Praktika von Studierenden.

Ferienjobber oder Praktikanten im Ausland

Sie sind nicht über die deutsche gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Die Unfallversicherung greift dann, wenn ein festes Arbeitsverhältnis in Deutschland besteht und der Auslandsaufenthalt zeitlich befristet ist.

Bin ich auf dem Weg zur Arbeit versichert?

Sie sind auf dem direkten Weg zur Arbeit und zurück versichert.

Mehr Informationen zum Versicherungsschutz auf dem Weg von und zur Arbeit

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