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Gewaltprävention bei Shell

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Das Wichtigste im Überblick

  • Prävention "to go" – das bietet Shell den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Tankstellen zum Thema Raubüberfall an.
  • Wie diese neue Art der Prävention ankommt, welche Rolle Podcasts dabei spielen und wie die BGHW unterstützt, ­– bei Prävention und Nachsorge, – ein Überblick.
  • Die BGHW-Experten Dorothea Kraft (Raubprävention) und Martin Kögler (Rehabilitation) im Gespräch und als Podcast.
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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Tankstellen müssen sich vor Raubüberfällen schützen können. Shell geht bei der Prävention neue Wege: mit realitätsnahen, interaktiven Lernmodulen, die die Mitarbeitenden zeitunabhängig absolvieren können. Sicherheitsexperte Peter Weller und ein Projektteam aus verschiedenen Fachbereichen motivieren die Betroffenen auf diese Weise, ihr Verhalten zu ändern.

Hände hoch, das ist ein Überfall! Pack die Kohle in die Tasche, aber dalli!“ Was mit diesen Worten verbunden ist? Gewalt pur! Psychisch auf jeden Fall, im schlimmsten Fall auch körperlich. Tankstellen-Mitarbeiter­innen und -Mitarbeiter erleben das regel­mäßig. Deutschlandweit werden im Schnitt pro Tag zwei Tankstellen überfallen. Das heißt, pro Woche 14 und pro Monat rund 60. Peter Weller – von der Konzernsicherheit bei Shell – hat sich daher mit dem Thema Raubprävention intensiv beschäftigt. Wie kann Shell die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Tankstellen schützen? Vor allem: Können diese selbst etwas tun, um Raubüberfälle zu verhindern? Wie verhalten sie sich richtig, wenn sie einem Täter oder einer Täterin gegenüberstehen? Und was passiert nach einem Überfall, wer ist für sie da? Um diese Frage zu klären, hat Shell Raubüberfälle aus den vergangenen Jahren ausgewertet. Das Fazit, so Weller: „Wenn wir wissen, wann Raubüberfälle stattfinden, und wir unser Verhalten anpassen, können wir die Zahl der Überfälle reduzieren.“ 

 

Die Nutzer einbeziehen
Im zweiten Schritt überlegten sich Weller und sein Team, welche Inhalte für die Betroffenen wichtig sind und welche Art der Aufbereitung sie dazu bringen würde, diese selbst zu nutzen und mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu teilen. „Dafür habe ich in zwei Nachtschichten an einer Shell Tankstelle mitgearbeitet“, erzählt Weller. Außerdem habe man eine Fokusgruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die Entwicklung der Präven­tionsmaßnahmen einbezogen. „Wir reden immer so viel über die Nutzer“, sagt Weller, „aber sie sitzen fast nie mit am Tisch, das haben wir geändert.“ Ein Projektteam aus den Bereichen Sicherheit und Retail Learning hat gemeinsam mit einer E-Learning-Agentur die Arbeitsschutzkampagne #Raub, nicht mit mir entwickelt. Sie ist mittlerweile ein sehr wichtiger Teil der Online-Lernplattform von Shell, dem Shell Klassenzimmer. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Shell Tankstellen können sich über ihren Chef oder ihre Chefin bei dieser Plattform anmelden.

Das Bild zeigt ein Porträt von Peter Weller, Sicherheitsexperte bei Control Risks und Projektleiter Retail Security bei Shell.

Wir müssen die Betroffenen mit an den Tisch holen.

Peter WellerSicherheitsexperte bei Control Risks und Projektleiter Retail Security bei Shell

Seit #Raub, nicht mit mir online ist, steigen die Anmeldezahlen von Nutzerinnen und Nutzer wöchentlich. Das liege vor allem an der Aufbereitung der Inhalte, sagt Weller. Nach einer intensiven internen Diskussion habe man sich entschieden, das Thema sehr realistisch darzustellen: Es wurden verschiedene Videos mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern an einer Tankstelle gedreht. Diese schärfen das Bewusstsein für die gefährlichste Zeit an der Tankstelle, spielen präventive Maßnahmen durch und proben den Ernstfall. Die Szenen sind so nah an der Realität, dass zu Beginn der Videos darauf hingewiesen wird, dass die Inhalte verstörend wirken können. „Unser Ziel ist keinesfalls, Angst zu kreieren“, sagt Weller. „Sondern wir wollen so realitätsnah wie möglich trainieren.“ Das Neue: Die Nutzerinnen und Nutzer müssen je nach Filmsequenz ihr Verhalten selbst einschätzen und bekommen gleich eine Rückmeldung. 

Das Bild zeigt Peter Weller von Shell, der den Begriff Rotzone erklärt

Wir schärfen das Bewusstsein für die gefähr­lichste Zeit an den Tankstellen und proben den Ernstfall.

Peter WellerShell

Diskussion im Unternehmen angestoßen
Außerdem können sie sich in sehr kurzer Zeit viel Wissen aneignen. „Security to go“, wie Weller es nennt. Ein weiterer positiver Effekt, neben der hohen Akzeptanz, so Weller: „Raubüberfall am Arbeitsplatz ist oft noch ein schwieriges Thema. Viele glauben, bei ihnen passiere es nicht. Aber seit die Kampagne läuft, sprechen wir bei Shell, an den Shell Stationen und auf allen Ebenen im Unter­nehmen immer häufiger darüber.“ Und das sei wichtig, denn vor allem bei den Tank­stellenbetreiberinnen und -betreibern müsse ankommen: Der Verkauf steht im Fokus, aber die Sicherheit ist ebenso wichtig.

Sogwirkung Podcast

17 Perspektiven auf Raubüberfälle

Während der Arbeit an der Kampagne #Raub, nicht mit mir, tauschte sich Peter Weller mit vielen Expertinnen und Experten zum Thema Tankstellen-Raubüberfälle aus. „Ich habe oft gedacht, das müssten jetzt die Mitarbeitenden hören, das würde sie noch mehr für dieses Thema sensibilisieren.“ So ist die Idee entstanden, die Fachleute in einer Podcastserie zu Wort kommen zu lassen. Von November 2020 bis März 2021 holte der Sicher­heits­experte 17 Gesprächspartnerinnen und -partner vor das Mikrofon, die das Thema aus ihrem Blick­winkel vorstellten: von Tankstellenbetreiberinnen und -betreibern, die selbst Raubüberfälle erlebt haben, über Shell Führungskräfte, Sicherheitstrainer, Lern- und E-Learning-Experten, einen Polizeipsychologen bis zu den BGWH-Fachleuten Dorothea Kraft (Raubprävention) und Martin Kögler (Rehabilitation). Die Podcasts sind ebenfalls im Shell Klassenzimmer abrufbar, und das Echo war enorm. Jede neue Podcastfolge hat für zahlreiche neue Registrierungen auf der Online-Lernplattform gesorgt.

Die Podcastbeiträge von Dorothea Kraft und Martin Kögler finden Sie hier.

Dorothea Kraft im Gespräch mit Peter Weller: Wie die BGHW vor einem Raubüberfall helfen kann.

Martin Kögler im Gespräch mit Peter Weller: Was passiert, wenn's passiert ist – so hilft die BGHW.

Handlungsfähig statt machtlos – ein Interview mit Dorothea Kraft und Martin Kögler

Auf der digitalen Lernplattform von Shell sorgt die Podcastserie zur Raubprävention für viel Aufmerksamkeit. Unterschiedliche Gäste erzählen von ihren Erfahrungen mit dem Thema Raubüberfall. Auch die BGHW-Expertin Dorothea Kraft und ihr Kollege Martin Kögler informieren, was die BGHW leistet – in der Prävention und in der Nachsorge. Hundert Prozent hat beide nach den Kernbotschaften ihrer Podcast-Beiträge gefragt.

Das Bild zeigt ein Porträt von Dorothea Kraft, Expertin für Raubprävention bei der BGHW.

Frau Kraft, Sie sind bei der BGHW unter anderem Expertin für das Thema Sicherheit und Arbeitsschutz an Tankstellen. Was haben Sie den Zuhörerinnen und Zuhörern von Shell erzählt, wie unterstützt die BGHW präventiv?
Dorothea Kraft: Was bei allen Zuhörerinnen und Zuhörern als zentrale Botschaft hängenbleiben sollte: Die BGHW ist jederzeit für sie da, deutschlandweit, kostenlos und vor allem präventiv, also nicht erst, wenn ein Raubüberfall passiert ist. Ganz konkret bedeutet das für die Tankstellenpächterinnen und -pächter: Wir beraten sie vor Ort und zeigen, wie sie die Sicherheit für ihre Mitarbeitenden erhöhen können. Außerdem bieten wir ihnen eine ganze Reihe kostenloser Seminare an, die sie oder ihre Beschäftigten zum Arbeitsschutz belegen können. Und auf unserer Homepage finden sie zahlreiche Infomaterialien zum Thema Raubprävention. Mit unseren Praxiserfahrungen, die wir vor Ort sammeln, nehmen wir außerdem Einfluss auf neue Regeln und Vorschriften, die den Arbeitsschutz voranbringen.

Und wenn es doch zum Überfall kommt?
Dorothea Kraft: Dann gilt die Devise: „Spiel keinen Helden und leiste keinen Widerstand.“ Heldenhaftes Verhalten bedeutet in dieser Stresssituation, sich nicht riskant, sondern defensiv zu verhalten.

Was sollte sich in der Raubprävention Ihrer Meinung nach verbessern?
Dorothea Kraft: Man spricht allgemein zu wenig darüber! Die Leute denken immer, mir passiert das nicht. Aber ein Raubüberfall kann jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter einer Tankstelle treffen. Daher muss das Thema raus aus der Tabu-Zone. Das heißt nicht, Panik schüren, aber eben immer wieder darüber sprechen.

Was könnten Tankstellen in puncto Sicherheit besser machen?
Dorothea Kraft: Unabhängig von Shell wäre es sinnvoll, wenn alle Tankstellenbetreiberinnen und -betreiber an einem Strang ziehen und an den gleichen Stellschrauben arbeiten wie Türverriegelung, Videoüberwachung, Bargeldmanagement etc. Denn das Ziel sollte es sein, den Raub nicht von einer top gesicherten Station zu einer weniger gut aufgestellten Station zu verlagern, sondern Überfälle ganz zu vermeiden.  

 

Das Bild zeigt ein Porträt von Martin Kögler, Experte für Rehabilitation bei der BGHW.

Herr Kögler, Sie sind bei der BGHW der Experte für die medizinische Rehabilitation. Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen treten in Aktion, wenn ein Raubüberfall passiert ist. Was sollten die Podcast-Zuhörerinnen und -Zuhörer von Ihrem Beitrag mitnehmen?
Martin Kögler: Ein Raubüberfall ist ein Arbeitsunfall und dafür sind wir als Berufsgenossenschaft zuständig. Wir setzen alles daran, damit die Betroffenen so schnell wie möglich wieder gesund werden. Wir wissen, wie man mit so einem traumatischen Erlebnis umgehen muss.

Auch wenn der oder die Betroffene keinen unmittelbaren körperlichen Schaden davongetragen hat?
Martin Kögler: Ganz genau, das ist sehr wichtig. Auch psychische Schäden gelten als Arbeitsunfall und sollten unbedingt bei der BGHW gemeldet werden.

Welche Hilfe bietet die BGHW direkt nach einem Überfall an?
Martin Kögler: Das ist die Akutintervention, ein Gesprächsangebot mit einer Psychologin oder einem Psychologen, die oder der sich ganz nach den Bedürfnissen der betroffenen Person richtet und auf Wunsch für das Gespräch auch nach Hause kommt. Was unsere Versicherten immer im Hinterkopf haben sollten: Auch wenn das Gespräch von einer Psychologin oder einem Psychologen geführt wird, es ist eine einmalige professionelle Beratung und keine Therapie, also ein sehr niedrigschwelliges Angebot. Falls erforderlich, können wir im Anschluss eine professionelle Psychotherapie einleiten.

Warum ist die Akutintervention so hilfreich?
Martin KöglerFür jeden Menschen ist es extrem wichtig, immer handlungsfähig zu bleiben. Ein traumatisches Erlebnis aber macht uns machtlos. Die Akutintervention ist der erste, aber entscheidende Schritt, wieder handlungsfähig zu werden. Versicherte können sie in Anspruch nehmen, aber auch ablehnen. Wer sich anfangs gegen die Akutintervention entscheidet, hat trotzdem jederzeit die Möglichkeit, die Leistung zu einem späteren Zeitpunkt in Anspruch zu nehmen.

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