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Pedelec fahren: mit Antrieb, aber sicher!

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Pedelecs liegen nicht nur seit Beginn der Coronapandemie im Trend. Bei allen Vorteilen, die ein Fahrrad mit elektrischer Pedalunterstützung bietet, werden auch immer wieder teils schwere Unfälle berichtet. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Pedelec vertraut zu machen, um sicher im Straßenverkehr zu fahren. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Tipps – mit Infografik.   

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Der Markt für Fahrräder mit und ohne Elektroantrieb boomt, vor allem auch vor dem Hintergrund der Coronapandemie. Angst vor Ansteckung, Homeoffice und weitgehende Kontaktbeschränkungen haben zu einer veränderten Mobilität geführt. Dazu kommt die Umweltdebatte, die das gesunde und klimaschonende Radeln fördert. Nach Angaben des Umweltbundesamts schätzen Experten, dass sich in Ballungsgebieten bis zu 30 Prozent der Pkw-Fahrten auf den Radverkehr verlagern ließen. 

Anfang 2020 besaßen laut Statistischem Bundesamt 4,3 Millionen Privathaushalte in Deutschland mindestens ein elektrisch unterstütztes Fahrrad. Damit hat sich die Zahl der Haushalte mit solchen Fortbewegungsmitteln seit 2015 nahezu verdreifacht. Und der Trend zum Rad dürfte bestehen bleiben, da während der Coronakrise viele Menschen im Individualverkehr eine sichere Alternative zum Gedränge in den öffentlichen Verkehrsmitteln suchen.

Fahrrad oder schon Kleinkraftrad?

Fahrräder mit Elektromotor sind umgangssprachlich bekannt als E-Bikes. Aber nur Pedelecs sind Fahrräder im Sinne des Straßenverkehrsrechts. Sie machen rund 98 Prozent der verkauften Elektrofahrräder aus. Beim Pedelec fahren unterstützt der batteriebetriebene elektrische Motor beim Treten in die Pedale, während beim E-Bike keinerlei Pedalkraft notwendig ist. Die maximale Geschwindigkeit liegt beim Pedelec bei 25 km/h, manche verfügen auch über eine Anfahrhilfe bis 6 km/h. Daneben gibt es die stärkeren S-Pedelecs oder „Speedbikes“. Diese können bis zu 45 km/h schnell fahren, sind aber damit bereits Kraftfahrzeuge, für die ein Führerschein nötig ist. Ebenso ist das Tragen eines Helms verpflichtend.

Elektrofahrrad-Typologie

Pedelec

Elektronische Tretunterstützung bis max. 25 km/h. Als Anfahrhilfe ohne Treten bei einigen Modellen bis max. 6 km/h Tretunterstützung. Rechtlich einem Fahrrad gleichgestellt.

S(peed)-Pedelec

elektronische Tretunterstützung bis max. 45 km/h. Rechtlich ein Kleinkraftrad, für das Fahrererlaubnis (Klasse AM), Betriebserlaubnis, Versicherungskennzeichen und eine Helmnutzung vorgeschrieben sind. Die Nutzung von Radverkehrsanlagen ist untersagt, S-Pedlecs müssen auf der Fahrbahn gefahren werden.

E-Bike

tretunabhängige elektronische Unterstützung bis max. 25 km/h. Rechtlich ein Kleinkraftrad, für das eine Prüfbescheinigung für Mofas, Betriebserlaubnis, Versicherungskennzeichen und eine Helmnutzung vorgeschrieben sind. E-Bikes müssen auf der Fahrbahn gefahren werden. Außerorts ist E-Bikes die Nutzung von Radwegen generell erlaubt; innerorts nur dort, wo das Schild „E-Bikes frei“ es erlaubt.

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Jeder 7. Verkehrstote ein Radfahrender

Der Trend zum Elektrofahrrad wirkt sich auch in der Unfallstatistik aus. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, war im Jahr 2019 jeder siebte Mensch, der in Deutschland im Straßenverkehr ums Leben kam, mit dem Fahrrad unterwegs. Insgesamt starben 445 Radfahrerinnen und -fahrer bei einem Unfall, davon fuhren 118 ein Pedelec. Von den Verunglückten waren die meisten 45 Jahre und älter.

Vorläufige Auswertungen für das Jahr 2020 zeigen, dass die Zahl der getöteten Pedelecfahrerinnen und -fahrer von Januar bis November 2020 um 22 (19,1 Prozent) auf 137 Personen zunahm. Eine Entwicklung gegen den Trend: Denn die Zahl der Verkehrstoten erreichte 2020 den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik vor mehr als 60 Jahren. 

Mal schnell aufs Pedelec schwingen?

Das Fahrrad mit Antrieb ist vor allem bei älteren Menschen beliebt, denn es verschafft ihnen mehr Möglichkeiten, wenn Fitness und Beweglichkeit nachlassen. Mit den im Vergleich zum klassischen Fahrrad schwereren Pedelecs können sie spielend leicht auch weitere Strecken – und das in höherem Tempo – zurückgelegen. Damit einhergehend lauert jedoch auch die Unfallgefahr im Straßenverkehr.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) informiert in seiner Broschüre „Sicher Radfahren – mit und ohne Elektroantrieb“ über Rechtliches, Technisches und Verhaltenstipps. Zahlreiche Praxishinweise zeigt der Film „Sicher Pedelec fahren“.

Wir haben die wichtigsten Sicherheitstipps für Pedelec-Neueinsteiger zusammengefasst:

  • Mit Helm fahren, um bei einem Sturz schweren Kopfverletzungen vorzubeugen – auch wenn bei einer Geschwindigkeit bis zu 25 km/h keine Helmpflicht besteht. Unsere Infografik zeigt, wie der Fahrradhelm richtig getragen wird.
     
  • Verkehrsregeln beachten: Für Pedelecs gelten die gleichen Verkehrsregeln wie für normale Fahrräder, beispielsweise die Pflicht zur Benutzung von Radwegen. Auf Kraftfahrstraßen (Schnellstraßen) dürfen sie nicht fahren.
     
  • Akku schützen und sicher aufladen:
    • Schäden am Akku vermeiden: den Akku vor Stößen und Beschädigungen, zum Beispiel durch Umfallen des Pedelecs,  schützen.  
    • Richtig aufladen: sich beim Aufladen nach den Angaben der zugehörigen Betriebsanleitung richten. Achtung: Akku und Ladegerät können sich während des Aufladens erwärmen. Deshalb: Nicht abdecken, von Zündquellen fernhalten und schwer entflammbare Unterlagen verwenden
    • Vor Sonne schützen: Beim Laden und auch beim Abstellen möglichst direkte, massive Sonneneinstrahlung vermeiden.
       
  • Probefahrt machen: sich vor der ersten Fahrt mit dem Pedelec vertraut machen, am besten außerhalb des Straßenverkehrs. Denn ein Pedelec fährt sich anders als ein Fahrrad ohne Tretunterstützung.
    • Durch Batterie und Antrieb ist es rund 10 Kilogramm schwerer als ein herkömmliches Fahrrad und hat deshalb einen anderen Schwerpunkt.
    • Die verschiedenen Unterstützungsstufen beeinflussen, wie stark selbst in die Pedale getreten werden muss.
       
  • Sicher sein beim Anfahren und in Kurven: beim Anfahren lieber ohne, dann mit geringer Unterstützungsstufe starten, um ein Gefühl für das Fahrverhalten zu bekommen. Auch in engen Kurven ist es ratsam, mit niedriger Unterstützungsstufe zu fahren und das Kurvenfahren generell zu üben.
     
  • Das Absteigen üben, denn der Motor kann nachschieben. Deshalb nicht abspringen und mit den Füßen bremsen, sondern erst bremsen und dann absteigen.
     
  • Sich mit der Bremswirkung vertraut machen: Pedelecs haben in der Regel hoch effektive Bremssysteme, die oft als überraschend wirksam erlebt werden. Mittlerweile sind auch ABS (Anti-Blockier System)-gebremste  Pedelecs erhältlich, die bei einer Notbremsung vor einem blockierenden Vorderrad und einem aufsteigenden Hinterrad schützen.
     
  • Sichtbar sein: auf gute und funktionierende Beleuchtung am Pedelec achten und sich selbst im Dunkeln durch retroreflektierende Kleidung oder eine Warnweste sichtbar machen.

Generell gilt: Andere Verkehrsteilnehmer können die Geschwindigkeit eines Pedelecs leicht unterschätzen. Denn von weitem sieht das Gefährt aus wie ein normales Fahrrad. Fehleinschätzungen passieren auch deshalb, weil Pedelecs ihr Tempo mit einer geringen Trittfrequenz erreichen. Eine langsame Trittfrequenz wiederum bestärkt Autofahrer darin, dass sich das Pedelec nur mit geringer Geschwindigkeit nähert. Umso mehr müssen Pedelec-Nutzerinnen und -Nutzer vorausschauend-defensiv fahren und mit den Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer rechnen. Vor Gefahrensituationen sollten sie rechtzeitig die Geschwindigkeit verringern. Auch Blickkontakt, zum Beispiel zu Autofahrenden an Kreuzungen, kann in diesem Zusammenhang lebensrettend sein.

Infografik: Die wichtigsten Tipps fürs Pedelec fahren

Die folgende Infografik fasst noch einmal die wichtigsten Sicherheitstipps fürs Pedelec fahren zusammen.

Download Infografik: Sicher unterwegs mit dem Pedelec (A3/300dpi), JPG

Sicherheitstipps für Pedelecfahrende: mit Helm fahren, sichtbar sein in der Dunkelheit, das Absteigen, Bremsen und Anfahren üben, Verkehrsregeln beachten, Probefahrt machen sowie Akku schützen und sicher aufladen

Pedelec-Trainings

Wer sicher auf dem Rad ist, muss dies noch lange nicht auf dem Pedelec sein. Viele unterschätzen ihr Gefährt. Pedelec-Fahrtrainings sensibilisieren unter anderem für die zusätzliche Unterstützung des E-Motors und geben Hinweise, wie sicheres Anfahren und vor allem Bremsen abläuft.

Kontakt für Pedelec-Trainings für Mitgliedsunternehmen der BGHW: Thomas Ullmann

t.ullmann(at)bghw.de

0621 183-5922

Gut zu wissen: Pedelec als Dienstrad

Von Unternehmen zur Verfügung gestellte Pedelecs, die sowohl privat als auch dienstlich genutzt werden, sind Arbeitsmittel. Diese müssen in der Gefährdungsbeurteilung entsprechend erfasst und jährlich geprüft werden. Des Weiteren müssen die Nutzerinnen und Nutzer eingewiesen und mindestens einmal jährlich auch unterwiesen werden.

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