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Allgemeines Vorgehen bei der Durchführung

Einleitung

Die Gefährdungsbeurteilung ist keine einmalige Aufgabe für das Unternehmen. Schon aufgrund der Tatsache, dass sie die aktuellen betrieblichen Gegebenheiten abbilden muss, ist eine kontinuierliche Fortschreibung notwendig. Auch lassen sich in aller Regel nicht im ersten Durchlauf alle Tätigkeiten und Gefährdungen erkennen. Häufig wird erst im Laufe der Zeit ein einigermaßen vollständiges Bild entstehen. Die unten beschriebenen Schritte sind daher bei Bedarf immer wieder zu durchlaufen. Bedarf hierzu entsteht unter anderem durch

  • Einführung neuer Arbeitsmittel
  • Einführung neuer Verfahren
  • Beinaheunfälle, also "brenzlige" Situationen, die aber noch glimpflich verlaufen sind.
  • Sachschäden
  • Unfälle
  • Erkrankungen

Sammlung der Tätigkeiten

Alle von Beschäftigten durchgeführten Tätigkeiten sollten im ersten Schritt aufgelistet werden. Neben den laufend ausgeführten, sollten auch solche Tätigkeiten berücksichtigt werden, die nur gelegentlich oder auch nur unter besonderen Umständen ausgeführt werden. Hierzu gehört beispielsweise das Entfernen von Laub aus Dachrinnen im Herbst oder das Räumen und Streuen von vereisten und verschneiten Zuwegungen im Winter.

Um die Übersichtlichkeit und bei größeren Unternehmen die Zuordnung von Verantwortungsbereichen zu gewährleisten, sollten die Tätigkeiten im Rahmen einer Abbildung der Unternehmensstruktur erfasst werden. In der Praxis hat sich eine räumliche Struktur (Gebäude, Büro, Lager etc.) bewährt. Sie kann aber auch nach anderen Gesichtspunkten abgebildet werden.

Gleichartige Tätigkeiten können auch in einem übergreifenden Teil zusammengefasst und so die Beurteilung vereinfacht werden. Dabei muss aber erkennbar sein, wo diese Tätigkeiten durchgeführt werden.

Erkennen von Gefährdungen

Für jede Tätigkeit ist im zweiten Schritt zu klären, welche Gefährdungen grundsätzlich eintreten können. Dabei spielt es noch keine Rolle, wie wahrscheinlich ein Schaden ist. Es spielt auch noch keine Rolle, ob das Risiko durch Schutzmaßnahmen bereits minimiert ist.

Dieser Schritt kann leicht anhand einer Liste der Gefährdungsfaktoren vorgenommen werden.

Grobe Abschätzung der Risiken

In der Regel werden bei dem beschriebenen systematischen Vorgehen im vorhergehenden Schritt verschiedene Gefährdungen gefunden, die schon auf den ersten Blick kaum praxisrelevant sind. Andere Gefährdungen können mit einer geringen Wahrscheinlichkeit tatsächlich zu Schäden führen. Hier kann mit etwas gesundem Menschenverstand eine grobe Abschätzung den Aufwand bei der Gefährdungsbeurteilung verringern. Die Schwelle sollte aber sehr niedrig angesetzt werden und nur die Gefährdungen ausschließen, die auch ohne irgendwelche Maßnahmen unwahrscheinlich sind.

In den meisten Gegenden Deutschlands sind größere Schäden mit Personengefährdung durch Erdbeben praktisch auzuschließen. Das Risiko ist vernachlässigbar. In bestimmten Gegenden und dort, wo aufgrund von Berbau Bergsenkungen auftreten, kann jedoch das Risiko durchaus nennenswert sein. (Das Beispiel dient nur der Illustration. Für die Gefährdungsbeurteilung hat es in der Regel keine Bedeutung, da die Gefährdung nicht aus der Tätigkeit resultiert.)

Beurteilung

Für jede ermittelte Gefährdung ist nun das Risiko zu bestimmen. Das Risiko setzt sich zusammen:

aus der Wahrscheinlichkeit, mit der der Schaden eintritt und der möglichen Schadensschwere.

Ist nur selten damit zu rechnen, dass ein Schaden eintritt und sind gleichzeitig die möglichen Folgen - die Schadensschwere - gering, so ist auch das Risiko gering und die Situation sicher.

Wann ein Schaden selten ist, lässt sich kaum in Zahlen ausdrücken. Wenn beispielsweise schon die Tätigkeit selbst nur einmal im Jahr durchgeführt wird, ist ein Schaden häufig, der alle 5 Jahre eintritt. Wird dagegen die Tätigkeit täglich ausgeführt, ist ein Schaden alle 5 Jahre sicherlich als selten zu bewerten.

Auf der anderen Seite besteht sicherlich Gefahr, wenn die Schadensschwere hoch sein kann und der Schaden häufig eintritt.

Die Einordnung der Gefährdungen zwischen diesen beiden Extremen liegt in der Verantwortung des Arbeitgebers.

In vielen Fällen gibt es jedoch Hilfen, Empfehlungen und natürlich rechtliche Vorgaben bei der Einordnung. Einen Überblick über die Hilfen bietet beispielsweise die Internetseite www.gefaehrdungsbeurteilung.de der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Rechtliche Vorgaben entstammen natürlich den staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften zum Arbeitsschutz.

Für einzelne Gefährdungen sind spezielle Werkzeuge verfügbar, die eine fundierte Einstufung der Risiken ermöglichen. Oft wird aber auch nur ein Fachmann die Einstufung vornehmen können - beispielsweise ist diese Einstufung bei Gefahrstoffen schon durch die Gefahrstoffverordnung Fachleuten vorbehalten.

Priorisierung der Gefahrenabwehr

Die Dringlichkeit von Maßnahmen ergibt sich aus dem Risiko, mit dem ein Schaden (Unfall, Erkrankung oder auch nur Sachschaden) entstehen kann.

Wesentlich bei der Priorisierung ist natürlich, das Gefährdungen mit höherm Risiko bevorzugt angegangen werden.

Auswahl, Durchführung und Kontrolle der notwendigen Maßnahmen

Auswahl, Durchführung und Kontrolle der notwendigen Maßnahmen gehören nach dem Wortlaut des Arbeitsschutzgesetzes nicht zur Gefährdungsbeurteilung sondern sind Grundpflichten des Arbeitgebers. Trotzdem ist eine Dokumentation unvollständig, die keine Angaben zu festgelegten Maßnahmen und zu deren Wirksamkeitsprüfung macht.

§ 4 des Arbeitsschutzgesetzes stellt einige Anforderungen an die zu treffenden Maßnahmen:

  • Gefährdungen sollen vermieden oder möglichst gering gehalten werden. Hierin steckt das Gebot, die getroffenen Maßnahmen auch später regelmäßig auf Verbesserungspotential zu überprüfen.
  • Gefahren sind an ihrer Quelle zu bekämpfen. Maßnahmen, die Gefährdungen vermeiden sind also solchen Maßnahmen vorzuziehen, die nur die Gefährdung verringern.
  • der Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte Erkenntnisse sind zu berücksichtigen.
  • die Maßnahmen sollen auf das ganze System aus Technik, Organisation, Arbeitsbedingungen, soziale Beziehungen und Umwelteinflüssen wirken, da nur das richtige Zusammenwirken dieser Komponenten zum Erfolg führt. 

 

Das Angebot der Gefährdungsbeurteilung online erleichtert den verantwortlichen Personen die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung erheblich, da ein Großteil der o.g. Schritte von den Experten der BGHW bereits vorbereitet ist.

Informationen zur Gefährdungsbeurteilung Online

 

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