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Prävention von Raubüberfällen

Informationen zur Prävention von Raubüberfällen

Präventionsmaßnahmen

Gefährdungsbeurteilung * Vorbeugende Maßnahmen * Verhalten bei einem Raubüberfall * Maßnahmen nach einem Raubüberfall

Grundlage: Gefährdungsbeurteilung

Nicht nur potenziell traumatisierende Ereignisse wie Naturkatastrophen oder Großschadensereignisse stellen eine Gefährdung dar. Es gibt auch die schwerwiegenden Ereignisse mitten im Arbeitsalltag, die nur von wenigen erlebt und durchlitten werden, aber für die direkt Betroffenen und unmittelbaren Zeugen eine echte Katastrophe sind, z.B.:

  • der Raubüberfall
  • ein tödlicher Unfall eines Kollegen.

Wenn das auch in Ihrem Betrieb vorkommen kann, sollten Sie die Gefährdungsbeurteilung um die Gefährdungen durch traumatische Ereignisse erweitern. Hierbei kann der Risiko-Check oder die Prüfliste Psychotrauma der Unfallkasse des Bundes helfen, die Ihnen das Ausmaß des Risikos und den Handlungsbedarf aufzeigen. Leitet sich aus der Gefährdungsbeurteilung kein Handlungsbedarf ab, so brauchen keine weiteren Maßnahmen getroffen werden. In jedem Falle sollten Sie aber, wie in § 6 Abs. 1 Arbeitsschutzgesetz gefordert, das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung dokumentieren.

Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung Handlungsbedarf, weil Ereignisse und Unfälle bei den Beschäftigten zu einer seelischen Verletzung führen können, überprüfen Sie Ihre bisher veranlassten Maßnahmen oder erstellen Sie ein betriebsspezifisch ausgerichtetes Betreuungskonzept.

Ziel eines solchen Konzeptes ist es, die psychischen Folgen eines traumatischen Ereignisses so gering wie möglich zu halten und einer Chronifizierung vorzubeugen. Schnelle und professionelle Hilfe am Unfallort und intensive Zuwendung zu den Betroffenen sind dabei ebenso wichtig wie die Steuerung der weiteren Behandlung und die Nachsorge im Unternehmen bis hin zur Wiederaufnahme der Tätigkeit.

Prävention: 3-D-Modell

Davor - Vorbeugende Maßnahmen gegen Raubüberfälle

Anreiz minimieren - Machen Sie es dem Täter so schwer wie möglich!

Wirksame Maßnahmen zur Vermeidung von Raubüberfällen zielen darauf ab, dass

  1. möglichst wenig Bargeld dem Zugriff ausgesetzt ist.
  2. der Zugang zu nennenswerten Geldbeträgen für Beschäftigte erschwert oder unmöglich ist.
  3. die Wahrscheinlichkeit der Täterergreifung erhöht wird.

Hinweise zu geeigneten technischen Maßnahmen wie beispielsweise Installation von Videoüberwachung, Warnanlagen, Tresoren und Türschließvorrichtungen finden Sie in der BG-Regel 141 „Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen“. Informationen erhalten Sie bundesweit in den (kriminal-)polizeilichen Beratungsstellen. Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen gibt es in den größeren Städten aller Bundesländer. Informationen erhalten Sie unter http://www.polizei-beratung.de/.

Bargeldloser Zahlungsverkehr und regelmäßige Kassenabschöpfung reduzieren Kassenbestände und verringern auf diese Weise den Anreiz zu Überfällen. Im Kassenbereich kann beispielseise ein Geldabwurfbehälter verankert werden. Das Behältnis dient der Aufnahme der Geldbeträge, die nicht als Wechselgeld in der Kasse bereitgehalten werden müssen. Durch eine Beschriftung sollte darauf hingewiesen werden, dass der Schlüssel für den Geldabwurfbehälter nicht im Besitz der Kassiererin ist.

  • Eine Frau blickt durch einen TürspionVerwahren Sie Ihre abgeschöpften Geldbeträge in Tresoren, Kassenautomaten oder in Tresor-in-Tresor-Systemen.
  • Versehen Sie Lagertüren und Türen, hinter denen Geld gezählt wird, mit Türspionen und Verriegelungsmöglichkeiten. 
  • Gestalten Sie den Kassenraum/Verkaufsraum übersichtlich.
  • Platzieren Sie die Kasse nicht in Türnähe. Versperren Sie nicht den Blick von außen in den Verkaufsraum durch Warenauslagen und Plakate. Täter können so von außen durch Passanten besser gesehen werden. Das schreckt ab.
  • Wählen Sie als Personalausgang den Ladenausgang auf die belebte Straße.
  • Sorgen Sie für helle und weit reichende Beleuchtung an allen Zu- und Ausgängen.
  • Eine ÜberwachungskameraEine Videoaufzeichnung kann ebenso dazu beitragen, potentielle Täter abzuhalten. 
  • Weisen Sie an allen Ein- und Ausgängen durch deutlich sichtbare bildliche Darstellungen auf vorhandene Sicherheitsvorkehrungen hin. Diese Piktogramme sind schnell visuell erfassbar und auch von nicht deutsch sprechenden Tätern zu verstehen.

    Beispiele
    Videoüberwachung, Alarmschutz, Zeitschlosssicherung 
    Piktogramm ÜberwachungskameraAbbildung eines Aufklebers mit der Aufschrift "Geldbestände zeitschlossgesichert"
     
  • Treffen Sie Maßnahmen, dass die Betriebsstätte nicht unbemerkt betreten werden kann (beispielweise durch Signalgeber mit akustischem Signal oder Vibrationsmelder am Kundeneingang und an Nebentüren oder durch eine Videoüberwachung). Können Beschäftigte nicht jederzeit den Kundeneingang im Blick haben oder arbeiten Beschäftigte allein in einer Betriebsstätte gibt diese Maßnahme den Beschäftigten mehr Sicherheit. Sie können außerdem Eintretende früher ansprechen (Kundenservice, Vermeidung von Ladendiebstahl).

    Ausführliche Verhaltensanweisungen finden Sie in der Musterbetriebsanweisung.

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Empfehlungen für den innerbetrieblichen Geldtransport

  • Meiden Sie Aufzüge.
  • Transportieren Sie das Wechselgeld innerhalb der Betriebsstätte in unauffälligen Behältnissen oder Taschen und nicht in Geldmäppchen.
  • Transportieren Sie das Geld möglichst zu zweit.

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Empfehlungen für den Geldtransport zum Geldinstitut

  • Lassen Sie den Geldtransport möglichst durch ein Geldtransportunternehmen durchführen.
  • Setzen Sie für den Geldtransport mehrere umsichtige Mitarbeiter mittleren Alters und in wechselnder Reihenfolge ein, wenn der Einsatz eines Geldtransportunternehmens nicht möglich ist.
  • Führen Sie den Geldtransport möglichst nur zu zweit durch.
  • Setzen Sie keine Jugendlichen unter 18 Jahren und Schwerbehinderte ein.
  • Informieren Sie sich bei den Beratungsstellen der Kriminalpolizei über Wertbehältnisse (z. B. Geldschrank und Ähnliches), die es erlauben, Geldbeträge über Nacht im Geschäft zu behalten und zu jeder beliebigen Zeit zum Geldinstitut zu bringen. Hierbei sind die bestehenden Vereinbarungen im Versicherungsvertrag über die Verwahrung von Bargeld zu beachten.

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Empfehlungen für Tankstellen

Richten Sie bei Nachtbetrieb und in betriebsarmen Zeiten einen Nachtschalter ein. Beleuchten Sie während der Dunkelheit den gesamten Bereich des Tankstellengeländes ausreichend.

Ein großer Mineralölkonzern hat ein neues Kassensystem mit der Bezeichnung iCash eingeführt, das Kassen- und Bargeldfunktionen miteinander verbindet und die Geldbestände gleichzeitig in einem Tresor sichert. Münzen und Scheine werden in den Kassenautomaten eingegeben, auf Echtheit überprüft und das Wechselgeld automatisch herausgegeben. Das Bargeld ist nicht mehr zugänglich sondern liegt in verschlossenen Tresoren.

Weitere Informationen finden Sie in unserer BG-Regel 147 „Tankstellen“

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Dabei - Sicheres Verhalten während eines Raubüberfalls

Gewalteskalation vermeiden – Machen Sie es dem Täter so leicht wie möglich!

Sie können das richtige Verhalten bei einem Raubüberfall nicht oft genug in Unterweisungen ansprechen. Je präsenter das Bewusstsein für die Gefährdung und das Wissen um das richtige Verhalten bei den Beschäftigten vorhanden ist, um so eher werden sie sich erinnern und sich entsprechend sicher verhalten.

Wichtig zu wissen: Auch der Täter steht bei einem Raubüberfall unter Stress. Er will das Geld. Er will kein Aufsehen. Er will möglichst schnell den Laden wieder verlassen. Alles, was nicht nach den Vorstellungen des Täters abläuft, kann zur Eskalation der Situation führen. Es gilt also allen Forderungen des Täters widerspruchslos und schnell nachzukommen. Widerstand oder die Unfähigkeit, den Forderungen zu folgen, münden häufig in körperlichen Übergriffen. Spielen Sie deshalb mit den Beschäftigten im Rahmen der Unterweisung die Situation gedanklich oder praktisch durch. Es ist u. a. wichtig zu üben, wie man schnell, auch unter Stress, ohne Kassiervorgang die Kasse öffnet. Die Beschäftigten sollen nicht vorsätzlich und auch nicht reflexartig die Kassenlade oder den Tresor zuschlagen. Dabei verletzte Täter können noch aggressiver werden.

Ausführliche Verhaltensanweisungen finden Sie in der Musterbetriebsanweisung.

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Danach - Maßnahmen nach einem Raubüberfall

Betroffenen helfen – Fahndungserfolg erhöhen!

Erstbetreuung vor Ort

Hilfreich für die Betroffenen ist die Erstbetreuung durch eine geeignete Kollegin oder einen geeigneten Kollegen vor Ort im Betrieb (innerbetrieblicher Erstbetreuer). Insbesondere in der ersten Zeit nach einem Überfallereignis benötigen die Betroffenen Sicherheit und Unterstützung, um Abstand zu gewinnen und ihre innere Stabilität wiederzufinden. 

Weitere Informationen finden Sie unter Betreuung nach einem Raubüberfall - Erstbetreuung vor Ort.

Psychologische Soforthilfe

Nach einem Raubüberfall bietet die BGHW eine psychologische Soforthilfe an.

Weitere Informationen finden Sie unter Betreuung nach einem Raubüberfall - Psychologische Soforthilfe

Fahndungserfolg erhöhen

Das sofortige Ausfüllen des Fahndungsblattes unterstützt die Polizei bei der Ergreifung der Täter. Die Fahndungsblätter sollten griffbereit vorliegen.

Ausführliche Verhaltensanweisungen finden Sie in der Musterbetriebsanweisung.

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