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FAQ's

Informationen zu Rechtsgrundlagen, Aufgaben und notwendiger Qualifikation von Betriebsärztinnen/Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit, Definition des Begriffes "Betrieb", Hilfe zur Bestimmung der Betriebsgröße und weitere Hinweise zum Thema sicherheitstechnische und betriebsärztliche Betreuung.

Gesunde und motivierte Mitarbeiter sind ein Anliegen jedes Unternehmens. Eine Voraussetzung dazu sind sichere und gesunde Arbeitsplätze. Verantwortlich für die sichere und gesundheitsgerechte Einrichtung des Betriebes und die sichere Gestaltung der Arbeitsabläufe sind die Unternehmerin und der Unternehmer.

Ziel muss sein, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten weiter zu verringern. Denn Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten bedeuten nicht allein schmerzliche Folgen für den Betroffenen, sie haben auch finanzielle Auswirkungen auf den Betrieb. Hinzu kommen die Aufwendungen der Berufsgenossenschaft, für die alle Mitglieder durch ihre Beiträge aufkommen.

Jeder Arbeitsunfall, jede berufsbedingte Erkrankung, die verhütet werden, lohnen sich – menschlich und finanziell.

Arbeitssicherheitsgesetz fordert Bestellung von Fachkräften für Arbeitssicherheit und Betriebsärzten/ -ärztinnen

Nach dem Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Arbeitssicherheitsgesetz) muss die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber Betriebsärzte/ - ärztinnen und Fachkräfte für Arbeitssicherheit bestellen. Diese sollen ihn beim Arbeitsschutz und bei der Unfallverhütung unterstützen.

DGUV Vorschrift 2 bestimmt nähere Maßnahmen

Welche Maßnahmen die Unternehmerin/der Unternehmer zu treffen hat, um die sich aus dem Arbeitssicherheitsgesetz ergebenden Pflichten zu erfüllen, bestimmt die DGUV Vorschrift 2 "Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit" näher.

Arbeitssicherheit und Unfallverhütungsvorschrift "Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit" (DGUV Vorschrift 2)

Rechtsgrundlagen für die Bestellung von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit sind:

  • das Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Arbeitssicherheitsgesetz) vom 12.12.1973 in der Fassung vom 31.10.2006
  • die Unfallverhütungsvorschrift "Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit" (DGUV Vorschrift 2) vom 01.01.2011

Alle Betriebe sind zur Betreuung verpflichtet.

Grundsätzlich müssen alle Betriebe die arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung ihrer Arbeitnehmer gewährleisten. Der Umfang der Betreuung bestimmt sich nach den Regelungen der DGUV Vorschrift 2 und hängt unter anderem vom Gewerbszweig und den im Betrieb vorliegenden Gefährdungen ab.
Je nach Betriebsgröße gibt es verschiedene Möglichkeiten der Betreuung.

Definition: Betrieb im Sinne der DGUV Vorschrift 2

Ein Betrieb im Sinne der DGUV Vorschrift 2 ist eine geschlossene Einheit, die durch organisatorische Eigenständigkeit mit eigener Entscheidungscharakteristik geprägt ist.

Demnach zählen bei Filialunternehmen die Zentrale und alle Filialen zusammen als ein Betrieb. Ausgenommen sind Filialen, die in eigener Rechtsform geführt werden. Diese gelten als eigenständige Betriebe.

Die in der DGUV Vorschrift 2 genannten Grenzen für die Unterscheidung nach Betriebsgrößen (bis 10 Beschäftigte, mehr als 10 bis 30 Beschäftigte, mehr als 30 Beschäftigte) beziehen sich auf Vollzeitkräfte. Arbeiten in einem Betrieb auch Teilzeitkräfte, müssen diese auf Vollzeit umgerechnet, d. h. anteilsmäßig berücksichtigt werden.

Bei der Festlegung der Betriebsgröße zählen Teilzeitbeschäftigte mit einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden zur Hälfte (Faktor 0,5) und mit nicht mehr als 30 Stunden zu drei Viertel (Faktor 0,75).

Beispiel: Lebensmittelhandelsunternehmen mit 13 Beschäftigten

13 Beschäftigte insgesamt, davon:
2 Vollzeit 2 x 1 = 2
7 Teilzeit bis 20 h 7 x 0,5 = 3,5
2 Teilzeit bis 30 h 2 x 0,75 = 1,5
2 Teilzeit bis 40 h 2 x 1,0 = 2
Anzahl der auf Vollzeit umgerechnetet Beschäftigten = 9

Als Beschäftigte zählen auch Personen, die nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz im Betrieb tätig sind. In Heimarbeit Beschäftigte nach § 2 Abs. 2 Nr. 3 Arbeitsschutzgesetz werden bei der Berechnung der Einsatzzeiten nicht berücksichtigt. Gleiches gilt für Personen, die auf Grund von Werkverträgen im Betrieb tätig werden (z. B. Fremdfirmenmitarbeiter). 

Je nach Wirtschaftszweig (WZ-Schlüssel, WZ-Kode) werden die Betriebe verschiedenen Betreuungsgruppen zugeordnet. Die Mitgliedsunternehmen der BGHW sind den Gruppen II bzw. III zugeordnet.

Wirtschaftszweige Gruppe
Kennzeichnung
(WZ-Schlüssel)
Bezeichnung  
38 Sammlung und Beseitigung von Abfällen  II
45.1 Handel mit Kraftwagen   III
45.3 Handel mit Kraftwagenteilen und -zubehör   III
45.4 Handel mit Krafträdern, Kraftradteilen und -zubehör, Instandhaltung und Reparatur von Krafträdern   II
46 (Ausnahme:46.77) Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)  III
46.77 Großhandel mit Altmaterialien und Reststoffen   II
47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)   III
52 Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr   II
58 Verlagswesen   III

 

mehr Informationen

Die ausführliche Übersicht ist in der DGUV Vorschrift 2, Anlage 2, Kapitel 4 "Zuordnung der Betriebsarten zu den Betreuungsgruppe" zu finden.

 

Im nachfolgenden Link auf Seiten des des Statistischen Bundesamtes finden Sie eine Klassifikation der Wirtschaftszweige mit Erläuterungen (PDF). Die PDF kann dort auch heruntergeladen werden.

 https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/GueterWirtschaftklassifikationen/Content75/KlassifikationWZ08.html

Weitere Informationen zur Thematik dieser Publikation erhalten Sie unter

 https://www.klassifikationsserver.de/klassService/index.jsp?variant=wz2008

Siehe hierzu auch:

Welche Betriebsart/welcher WZ-Kode gehört zu welcher Betreuungsgruppe?

 

Die neue DGUV Vorschrift 2 gilt auch Betriebe, die bereits nach den Maßgaben der alten BGV A2 sicherheitstechnisch und betriebsärztlich betreut werden. Ob und in welchem Umfang die Betreuung angepasst werden muss, hängt von der Betriebsgröße und dem gewählten Betreuungsmodell ab.

Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigten

Betreuungsmodell
nach BGV A2
Betreuungsmodell
nach DGUV-Vorschrift 2
Änderungen
Regelbetreuung Regelbetreuung

neue Zuordnung der Wirschaftszweige zu Gruppen (WZ-Schlüssel)

Grundbetreuung
Wiederholung nach spätestens 3 bzw. 5 Jahren, je nach Gruppenzugehörigkeit (Wirtschaftszweig)

Anlassbezogene Betreuung
Erweiterung des Kataloges besonderer Anlässe, bei denen die Beratung durch einen Betriebsarzt/eine Betriebsärztin oder eine Fachkraft für Arbeitssicherheit verpflichtend ist.

Was ist seit dem 01.01.2011 zu tun?

  • Prüfen, ob die Wiederholungsfristen für die Grundbetreuung eingehalten werden.
  • Erweiterten Katalog besonderer Anlässe beachten.
Alternative bedarfsorientierte Betreuung durch Kompetenzzentren Alternative bedarfsorientierte Betreuung durch Kompetenzzentren

Motivations- und Informationsmaßnahmen
8 Lerneinheiten als Selbstlernmaßnahme.

Fortbildung
spätestens nach 5 Jahren

bedarfsorientierte Betreuung
Erweiterung des Kataloges besonderer Anlässe, bei denen die Beratung durch das Kompetenzzentrum verpflichtend ist.

Was ist seit dem 01.01.2011 zu tun?

  • Prüfen, ob die Wiederholungsfristen für die Fortbildung eingehalten werden.
  • Erweiterten Katalog besonderer Anlässe beachten.

 

Betriebe mit mehr als 10 und bis zu 30 Beschäftigten

Betreuungsmodell
nach BGV A2
Betreuungsmodell
nach DGUV-Vorschrift 2
Änderungen
Regelbetreuung Regelbetreuung
  • setzt sich aus Grundbetreuung und betriebsspezifischem Teil zusammen
  • neue Zuordnung der Wirtschaftszweige zu Gruppen (WZ-Schlüssel)

Grundbetreuung

  • Festlegung neuer Einsatzzeiten
  • Festlegung von Aufgabenfelder für Grundbetreuung

betriebsspezifischer Teil

  • Festlegung von Aufgabenfeldern, Auslöse- und Aufwandskriterien sowie zu erbringender Leistungen
  • Festlegung eines Verfahrens zur Ermittlung der Betreuungsleistungen

Was ist seit dem 01.01.2011 zu tun?

  • Prüfen, ob die bestehende Betreuung den Vorgaben genügt und Betreuung ggf. anpassen (Einsatzzeiten, Leistungsumfang, Aufgabenfelder...)
  • Betreuungsumfang und -leistungen schriftlich mit Betriebsarzt/-ärztin und Fachkraft für Arbeitssicherheit vereinbaren und dokumentieren (anhand der in der DGUV Vorschrift 2 definierten Aufgabenfelder und Leistungen.)
Alternative bedarfsorientierte Betreuung Alternative bedarfsorientierte Betreuung
  • Motivations- und Informationsmaßnahmen
    Für Betriebe der Gruppe II: 16 Lerneinheiten als Kombination von Seminar und Selbslernmaßnahme
  • Für Betriebe der Grupp III:  8 Lerneinheiten als Selbstlernmaßnahme 

Fortbildung

  • spätestens nach 5 Jahren
  • Umfang für Betriebe der Gruppe II: mindestens 4 Lehreinheiten

bedarfsorientierte Betreuung
Erweiterung des Kataloges besonderer Anlässe, bei denen die Beratung durch Betriebsarzt/
-ärztin und/oder Fachkraft für Arbeitssicherheit verpflichtend ist.

Was ist seit dem 01.01.2011 zu tun?

  • Prüfen, ob die Wiederholungsfristen für die Fortbildung eingehalten werden.
  • Erweiterten Katalog besonderer Anlässe beachten.

 

Betriebe mit mehr als 30 Beschäftigten

Betreuungsmodell
nach BGV A2
Betreuungsmodell
nach DGUV-Vorschrift 2
Änderungen
Regelbetreuung Regelbetreuung

setzt sich aus Grundbetreuung und betriebsspezifischem Teil zusammen

Grundbetreuung

  • Festlegung neuer Einsatzzeiten
  • Festlegung von Aufgabenfelder für Grundbetreuung

betriebsspezifischer Teil

  • Festlegung von Aufgabenfeldern, Auslöse- und Aufwandskriterien sowie zu erbringender Leistungen
  • Festlegung eines Verfahrens zur Ermittlung der Betreuungsleistungen

Was ist seit dem 01.01.2011 zu tun?

  • Prüfen, ob die bestehende Betreuung den Vorgaben genügt und Betreuung ggf. anpassen (Einsatzzeiten, Leistungsumfang, Aufgabenfelder...)
  • Betreuungsumfang und -leistungen schriftlich mit Betriebsarzt/-ärztin und Fachkraft für Arbeitssicherheit vereinbaren und dokumentieren (anhand der in der DGUV Vorschrift 2 definierten Aufgabenfelder und Leistungen.)

 

Betriebe mit mehr als 30 und bis zu 50 Beschäftigten

Betreuungsmodell
nach BGV A2
Betreuungsmodell nach DGUV-Vorschrift 2 Änderungen
Regelbetreuung Regelbetreuung
  • setzt sich aus Grundbetreuung und betriebsspezifischem Teil zusammen
  • neue Zuordnung der Wirschaftszweige zu Gruppen (WZ-Schlüssel)

Grundbetreuung

  • Festlegung neuer Einsatzzeiten
  • Festlegung von Aufgabenfelder für Grundbetreuung

betriebsspezifischer Teil

  • Festlegung von Aufgabenfeldern, Auslöse- und Aufwandskriterien sowie zu erbringender Leistungen
  • Festlegung eines Verfahrens zur Ermittlung der Betreuungsleistungen

Was ist seit dem 01.01.2011 zu tun?

Prüfen, ob die bestehende Betreuung den Vorgaben genügt und Betreuung ggf. anpassen (Einsatzzeiten, Leistungsumfang, Aufgabenfelder...)

Für Betriebe des Einzelhandels: Alternative bedarfsorientierte Betreuung nicht mehr vorgesehen!

Was ist seit dem 01.01.2011 zu tun?

  • Wird der Betrieb bereits nach dem Modell der alternativen bedarfsorientierten Betreuung betreut, besteht Bestandsschutz. D. h. die Betriebe dürfen das Modell auch weiter nutzen, müssen aber darauf achten, dass die Maßgaben der DGUV Vorschrift 2 nach der "Alternativen bedarfsorientierten Betreuung für Betriebe mit mehr als 10 und bis zu 30 Beschäftigten" eingehalten werden.
  • Auch Unternehmer, die bis Ende 2010 an Qualifizierungsmaßnahmen der BGHW teilgenommen haben, können das Modell der alternativen bedarfsorientierten Betreuung (nach den Maßgaben für Betriebe mit mehr als 10 und bis zu 30 Beschäftigten) weiter nutzen.

 

Die Aufgaben der Betriebsärzte/-ärztinnen sind in § 3 des Arbeitssicherheitsgesetzes festgelegt. Was in welchem Umfang in die betriebsärztliche Betreuung einfließt, hängt von den im Betrieb vorliegenden Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten ab.

Aufgaben der Betriebsärzte nach § 3 Arbeitssicherheitsgesetz

Die Betriebsärzte haben die Aufgabe, den Arbeitgeber beim Arbeitsschutz und bei der Unfallverhütung in allen Fragen des Gesundheitsschutzes zu unterstützen. Sie haben insbesondere

  1. den Arbeitgeber und die sonst für den Arbeitsschutz und die Unfallverhütung verantwortlichen Personen zu beraten, insbesondere bei
    • der Planung, Ausführung und Unterhaltung von Betriebsanlagen und von sozialen und sanitären Einrichtungen,
    • der Beschaffung von technischen Arbeitsmitteln und der Einführung von Arbeitsverfahren und Arbeitsstoffen,
    • der Auswahl und Erprobung von Körperschutzmitteln,
    • arbeitsphysiologischen, arbeitspsychologischen und sonstigen ergonomischen sowie arbeitshygienischen Fragen, insbesondere des Arbeitsrhythmus, der Arbeitszeit und der Pausenregelung, der Gestaltung der Arbeitsplätze, des Arbeitsablaufs und der Arbeitsumgebung,
    • der Organisation der "Ersten Hilfe" im Betrieb,
    • Fragen des Arbeitsplatzwechsels sowie der Eingliederung und Wiedereingliederung Behinderter in den Arbeitsprozess,
    • der Beurteilung der Arbeitsbedingungen
  2. die Arbeitnehmer zu untersuchen, arbeitsmedizinisch zu beurteilen und zu beraten sowie die Untersuchungsergebnisse zu erfassen und auszuwerten,
  3. die Durchführung des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütung zu beobachten und im Zusammenhang damit
    • die Arbeitsstätten in regelmäßigen Abständen zu begehen und festgestellte Mängel dem Arbeitgeber oder der sonst für den Arbeitsschutz verantwortlichen Person mitzuteilen, Maßnahmen zur Beseitigung dieser Mängel vorzuschlagen und auf deren Durchführung hinzuwirken,
    • auf die Benutzung der Körperschutzmittel zu achten,
    • Ursachen von arbeitsbedingten Erkrankungen zu untersuchen, die Untersuchungsergebnisse zu erfassen und auszuwerten und dem Arbeitgeber Maßnahmen zur Verhütung dieser Erkrankungen vorzuschlagen,
  4. darauf hinzuwirken, dass sich alle im Betrieb Beschäftigten den Anforderungen des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütung entsprechend verhalten, insbesondere sie über die Unfall- und Gesundheitsgefahren, denen sie bei der Arbeit ausgesetzt sind, sowie über die Einrichtungen und Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahren zu belehren und bei der Einsatzplanung und Schulung der Helfer in "Erster Hilfe" und des medizinischen Hilfspersonals mitzuwirken.

Die Betriebsärzte haben auf Wunsch des Arbeitnehmers diesem das Ergebnis arbeitsmedizinischer Untersuchungen mitzuteilen.

Zu den Aufgaben der Betriebsärzte gehört es nicht, Krankmeldungen der Arbeitnehmer auf ihre Berechtigung zu überprüfen.

Die Aufgaben der Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind in § 6 des Arbeitssicherheitsgesetzes festgelegt. Was in welchem Umfang in die sicherheitstechnische Betreuung einfließt, hängt von den im Betrieb vorliegenden Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten ab.

Die Sicherheitsfachkräfte haben die Aufgabe, den Unternehmer beim Arbeitsschutz und bei der Unfallverhütung in allen Fragen der Arbeitssicherheit einschließlich der menschengerechten Gestaltung der Arbeit zu unterstützen. Sie haben insbesondere

  1. den Arbeitgeber und die sonst für den Arbeitsschutz und die Unfallverhütung verantwortlichen Personen zu beraten, insbesondere bei
    • der Planung, Ausführung und Unterhaltung von Betriebsanlagen und von sozialen und sanitären Einrichtungen,
    • der Beschaffung von technischen Arbeitsmitteln und der Einführung von Arbeitsverfahren und Arbeitsstoffen,
    • der Auswahl und Erprobung von Körperschutzmitteln,
    • der Gestaltung der Arbeitsplätze, des Arbeitsablaufs, der Arbeitsumgebung und in sonstigen Fragen der Ergonomie,
    • der Beurteilung der Arbeitsbedingungen
  2. die Betriebsanlagen und die technischen Arbeitsmittel insbesondere vor der Inbetriebnahme und Arbeitsverfahren insbesondere vor ihrer Einführung sicherheitstechnisch zu überprüfen,
  3. die Durchführung des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütung zu beobachten und im Zusammenhang damit
    • die Arbeitsstätten in regelmäßigen Abständen zu begehen und festgestellte Mängel dem Arbeitgeber oder der sonst für den Arbeitsschutz verantwortlichen Person mitzuteilen, Maßnahmen zur Beseitigung dieser Mängel vorzuschlagen und auf deren Durchführung hinzuwirken,

Als Betriebsarzt/-ärztin darf nur bestellt werden, wer die notwendige arbeitsmedizinische Fachkunde besitzt. An welchen Kriterien lässt sich erkennen, ob dies der Fall ist?

Die erforderliche arbeitsmedizinische Fachkunde gilt als nachgewiesen, wenn der Arzt eine Bescheinigung der zuständigen Ärztekammer besitzt, dass er berechtigt ist, die Gebietsbezeichnung "Arbeitsmedizin" oder die Zusatzbezeichnung "Betriebsmedizin" zu führen.

Als Betriebsarzt/-ärztin bestellt werden können auch Ärzte und Ärztinnen, die eine Bescheinigung der zuständigen Ärztekammer besitzen, dass sie vor dem 01.01.1985 wenigstens ein Jahr klinisch oder poliklinisch tätig waren und an einem arbeitsmedizinischen Einführungslehrgang teilgenommen haben. Sie müssen zusätzlich belegen können, dass sie entweder bis zum 31.12.1985 innerhalb eines Jahres mindestens 500 Stunden betriebsärztlich tätig gewesen sind oder bis zum 31.12.1987 einen dreimonatigen Kurs über Arbeitsmedizin absolviert haben. Die entsprechende Bescheinigung der zuständigen Ärztekammer muss vor dem 31.12.1996 ausgestellt worden sein.

Betriebsärzte können als Arbeitnehmer im Betrieb angestellt sein; es können aber auch freiberuflich tätige Betriebsärzte oder überbetriebliche arbeitsmedizinische Dienste verpflichtet werden.

Als Fachkraft für Arbeitssicherheit dürfen nur Personen bestellt werden, die die notwendige sicherheitstechnische Fachkunde besitzen.

In Frage kommen Sicherheitsingenieure/-ingenieurinnen, Sicherheitstechniker/-technikerinnen oder Sicherheitsmeister/-meisterinnen. Die Auswahl hängt weitgehend von der Struktur und der Organisation des Betriebes ab. Die Bestellung eines Sicherheitsingenieurs/einer Sicherheitsingenieurin bietet sich an, wenn die Tätigkeit der Fachkrfat für Arbeitssicherheit im Betrieb eine ingenieurmäßige Ausbildung voraussetzt.
Fachkräfte für Arbeitssicherheit können als Arbeitnehmer im Betrieb angestellt sein; es können aber auch freiberuflich tätige Fachkräfte für Arbeitssicherheit bestellt werden. Die Unternehmerin/der Unternehmer kann der Pflicht zur Bestellung von Fachkräften für Arbeitssicherheit ferner dadurch nachkommen, dass er einen überbetrieblichen sicherheitstechnischen Dienst verpflichtet.

Anforderungen

Fachkräfte für Arbeitssicherheit müssen folgende Anforderungen erfüllen:

  • Ingenieurinnen/Ingenieure
    Sicherheitsingenieure/-ingenieurinnen müssen berechtigt sein, die Berufsbezeichnung "Ingenieur" zu führen oder einen Bachelor- oder Masterabschluss der Studienrichtung Ingenieurwissenschaften erworben haben und danach in diesem Beruf mindestens zwei Jahre lang eine praktische Tätigkeit als Ingenieur ausgeübt haben. Zudem müssen sie einen staatlichen oder von Unfallversicherungsträgern veranstalteten Ausbildungslehrgang  einen oder von Unfallversicherungsträgern anerkannten Ausbildungslehrgang mit Erfolg abgeschlossen haben.

    Sicherheitsingenieure/-ingenieurinnen, die auf Grund ihrer Hochschul-/Fachhochschulausbildung berechtigt sind, die Berufsbezeichnung „Sicherheitsingenieur“ zu führen und eine einjährige praktische Tätigkeit als Ingenieur ausgeübt haben, erfüllen ebenfalls die Anforderungen.

    In der Funktion als Sicherheitsingenieur können auch Personen tätig werden, die über gleichwertige Qualifikationen verfügen.
  • Technikerinnen/Techniker
    Sicherheitstechniker/-technikerinnen müssen eine Prüfung als staatlich anerkannter Techniker/Technikerin erfolgreich abgelegt und danach mindestens zwei Jahre lang eine praktische Tätigkeit als Techniker/Technikerin ausgeübt haben. Zudem müssen sie einen staatlichen oder von Unfallversicherungsträgern veranstalteten Ausbildungslehrgang oder einen staatlich oder von Unfallversicherungsträgern anerkannten Ausbildungslehrgang eines anderen Ausbildungsträgers mit Erfolg abgeschlossen haben.

    Die Anforderungen erfüllt auch, wer ohne Prüfung als staatlich anerkannter Techniker mindestens vier Jahre lang als Techniker tätig war und einen staatlichen oder von Unfallversicherungsträgern veranstalteten Ausbildungslehrgang oder einen staatlich oder von Unfallversicherungsträgern anerkannten Ausbildungslehrgang eines anderen Veranstaltungsträgers mit Erfolg abgeschlossen hat.
  • Meisterinnen/Meister
    Sicherheitsmeister müssen die Meisterprüfung erfolgreich abgelegt haben und anschließend mindestens zwei Jahre lang als Meister praktisch tätig gewesen sein. Zudem müssen sie einen staatlichen oder von Unfallversicherungsträgern veranstalteten Ausbildungslehrgang oder einen staatlich oder von Unfallversicherungsträgern anerkannten Ausbildungslehrgang eines anderen Ausbildungsträgers mit Erfolg abgeschlossen haben.

    Die Anforderungen erfüllt auch, wer ohne Meisterprüfung mindestens vier Jahre lang als Meister/Meisterin  oder in gleichwertiger Funktion tätig war und einen staatlichen oder von Unfallversicherungsträgern veranstalteten Ausbildungslehrgang oder von Unfallversicherungsträgern anerkannten Ausbildungslehrgang eines anderen Veranstaltungsträgers mit Erfolg abgeschlossen hat.

Der Nachweis der Fachkunde gilt auch als erbracht, wenn eine Fachkraft für Arbeitssicherheit im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Unfallverhütungsvorschrift als solche tätig ist und die Fachkundevoraussetzungen der Unfallverhütungsvorschrift „Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ (BGV A6) vom 01.10.1996 in der Fassung vom 01.10.2003 der ehemaligen Berufsgenossenschaft für den Einzelhandel und vom 01.04.1996 in der Fassung vom 01.03.2003 der ehemaligen Großhandels- und Lagerei-Berufsgenossenschaft vorliegen.

Ausbildungslehrgang

Der Ausbildungslehrgang umfasst die

  • Ausbildungsstufe I (Grundausbildung)
  • Ausbildungsstufe II (Vertiefende Ausbildung)
  • Ausbildungsstufe III (Bereichsbezogene Ausbildung) und
  • das begleitende Praktikum.

Bestandteile der Ausbildungsstufe III sind die nachfolgenden Rahmenthemen:

  • Verkettete und flexible Systeme,
  • Komplexe Verkehrssituationen,
  • Arbeiten in Bereichen mit Kontaminationsgefahr,
  • Erzeugung, Be- und Verarbeitung, Veredelung von Werk- und Baustoffen,
  • Organisation der Instandhaltung/Störungsbeseitigung,
  • Gefährdung/Belastung bestimmter Personengruppen  

"Branchenfremde" Fachkraft für Arbeitssicherheit

Wechselt eine Fachkraft für Arbeitssicherheit, die die Ausbildungsstufe III (Bereichsbezogene Ausbildung) entsprechend den Festlegungen eines anderen Unfallversicherungsträgers, also nicht bei der BGHW, absolviert hat, in eine andere Branche, muss die Unternehmerin/der Unternehmer dafür sorgen, dass die Fachkraft für Arbeitssicherheit die erforderlichen bereichsbezogenen Kenntnisse durch Fortbildung erwirbt. Die BGHW entscheidet über den erforderlichen Umfang an Fortbildung unter Berücksichtigung der Inhalte ihrer Ausbildungsstufe III. 

Dies ist nicht möglich, da sich sowohl Umfang und Inhalte der beiden Ausbildungen als auch die persönlichen, fachlichen Voraussetzungen für die Übernahme der Aufgaben unterscheiden.

Zur Erläuterung:

Nein!
Die erfolgreiche Teilnahme an der alternativen bedarfsorientierten Betreuung der BGHW (Fernlehrgang) ist nicht gleichzusetzen mit der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit. Der Fernlehrgang sieht vor, dass Sie die gesetzlich geforderte Gefährdungsbeurteilung in Ihrem Betrieb eigenständig durchführen und auf deren Grundlage ermitteln und selbst entscheiden, ob Sie für Ihren Betrieb Bedarf an einer externen arbeitsmedizinischen und / oder sicherheitstechnischen Beratung haben.

Je nachdem, ob eigene Beschäftigte oder freiberuflich Tätige bzw. arbeitsmedizinische oder sicherheitstechnische Dienste verpflichtet werden sollen hat der Betriebsrat unterschiedliche Rechte.

Die Bestellung von Betriebsärzten/-ärztinnen und Fachkräften für Arbeitssicherheit muss schriftlich erfolgen.

Betriebsärzte/-ärztinnen und Fachkräfte für Arbeitssicherheit aus dem eigenen Unternehmen

..sind vom Unternehmer mit Zustimmung des Betriebsrates für die sich aus § 3 bzw. § 6 des Arbeitssicherheitsgesetzes ergebenden Aufgaben zu bestellen.

Freiberufler, arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Dienste

Wird ein freiberuflich tätiger Betriebsarzt bzw. eine freiberuflich tätige Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellt, muss der Betriebsrat zuvor gehört werden. Gleiches gilt für den Fall, dass ein überbetrieblicher arbeitsmedizinischer oder sicherheitstechnischer Dienst verpflichtet wird.

Den Service des Kompetenzzentrums, das verbindlicher Bestandteil der "alternativen bedarfsorientierten Betreuung" für Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigte ist, können Sie in Anspruch nehmen, wenn die Unternehmerin oder der Unternehmer erfolgreich am Fernlehrgang der BGHW teilgenommen und die Einverständniserklärung abgegeben hat.

Website der Deutsche Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV): Unfallverhütungsvorschrift 2 - Häufig gestellte Fragen (FAQs)

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