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Wenn die Säge kreischt

ca. 5 Minuten Lesezeit

Das Wichtigste im Überblick

  • Beim Holzfachhändler Holz Possling ist Lärm- und Gehörschutz für alle ein Thema: Geschäftsleitung, Sicherheitsbeauftragte und externe Fachkraft für Arbeitssicherheit.
  • An den Sägearbeitsplätzen sind schnell 80 und mehr Dezibel erreicht. Liegt der Lärmpegel im Tagesdurchschnitt über 80 Dezibel, muss der Arbeitgeber einen Gehörschutz als persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. Ab 85 Dezibel sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichtet, Gehörschutz zu tragen.
  • Gehörschutz ist ein wichtiger Teil der Persönlichen Schutzausrüstung.
  • Technische Präventionsmaßnahmen: Maschinenwartung trägt zur Lärmminderung bei.
  • Unterweisungen und Vorsorgeuntersuchungen gehören zum Lärmschutz dazu.
  • Video: Lärmschutz bei Holz Possling
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Im Holzfachhandel geht es an den Sägearbeitsplätzen laut zu. Holz Possling in Berlin zieht daher alle Register in puncto Lärm- und Gehörschutz. Geschäftsleitung, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Sicherheitsbeauftragte und Beschäftigte ziehen an einem Strang.
 

Es riecht gut und sieht beeindruckend aus: In den Hallen von Holz Possling in Berlin-Mahlsdorf lagern tausende Kubikmeter Holz. Regale vom Boden bis zur Decke sind mit Brettern, Latten und Balken bestückt. In dem Fachmarkt für Holz- und Baustoffe kaufen Gewerbetreibende wie Tischler, Schreiner und Dachdecker Holz für ihre Betriebe ein. Mehr als 13 Meter lange Hölzer und bis zu zehn Quadratmeter große Platten hat Holz Possling im Angebot. Das hebt den Fachmarkt vom üblichen Baumarkt ab. Für die richtigen Maße der gewünschten Hölzer sorgt unter anderem Teamleiter Uwe Pfeiffer vom Holzzuschnitt. Er arbeitet gerade an einer der vier Vertikalplattensägen und erledigt einen Kundenauftrag: Die Säge läuft, es ist laut, sehr laut. Er legt die Holzplatte an, stellt das Maß ein und fährt mit der Säge von oben nach unten durch das Material. Während das Sägeblatt durch das Holz zieht, wird es noch lauter. Seine Ohren schützt er mit „Micky Mäusen“, dem klassischen Gehörschutz. 

Lärmrisiko ernst nehmen

Drei Personen mit Sicherheitswesten laufen durch einen Gang in einem Holzlager
Ulrich Pfeiffer (l.) und Ronnie Schellhardt (r.) stimmen sich bei Fragen rund um den Arbeitsschutz mit Prokurist Dirk Ulbrich ab.

Neben den Vertikalplattensägen, die an arbeitsintensiven Tagen alle parallel laufen, steht noch eine Kapp- und Gehrungssäge in der Halle sowie eine Kantenleimmaschine. „An Tagen, an denen viel Holz über den Tresen geht, ist der Geräuschpegel kontinuierlich hoch. Dazu kommt noch der Lärm der Absauganlage, die den Staub der Maschinen abfängt“, erläutert Uwe Pfeiffer. Der 58-Jährige ist seit 23 Jahren bei Holz Possling – nicht nur als Teamleiter, auch als Sicherheitsbeauftragter. Kollege Ronnie Schellhardt kommt mit Katharina Straumer durch die Halle. Ronnie Schellhardt ist bei Holz Possling Projektleiter für Neu- und Umbauarbeiten und kümmert sich um den Arbeitsschutz. Katharina Straumer ist externe Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa), die Holz Possling betreut. Das Verhältnis untereinander ist sehr kollegial. „Holz Possling macht viel für den Arbeitsschutz“, sagt sie. Neben der Verletzungsgefahr an den Sägen sei die Schädigung des Gehörs eines der größten gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigen. Um die Gefährdungen zu minimieren bzw. zu vermeiden, setze Holz Possling alle Präventionsmaßnahmen um, die möglich seien. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung hat die externe Sifa die Arbeitsplätze analysiert, eine Lärmmessung durchgeführt und die Beschäftigten beraten. Wer die Lärmbelastung am Arbeitsplatz nicht ernst nimmt, kann massive Probleme bekommen, denn Lärmschwerhörigkeit ist eine der häufigsten Berufserkrankungen. Das Schlimme sei, so Katharina Straumer: Ist das Gehör einmal geschädigt, lässt sich das nicht mehr rückgängig machen.

Dezibelschmerzgrenze schnell erreicht

Porträt Katharina Straumer, externe Fachkraft für Arbeitssicherheit, mit einem Lärmpegelmessgerät in der Hand
Katharina Straumer, externe Sifa, demonstriert mit einem Lärmpegelmessgerät die Lautstärke an der Vertikalplattensäge.

„Wenn die Säge läuft, sind wir schnell bei fasst 90 Dezibel“, sagt die Sifa und hält zur Veranschaulichung ein Lärmmessgerät auf die Höhe von Uwe Pfeiffers Ohr, während er konzentriert sägt. Die Zahlen auf dem Display klettern in die Höhe und die Farbanzeige für den Schallpegel steigt vom grünen Bereich in den gelben und ruckzuck in den roten Bereich. Katharina Straumer erklärt die Werte: „Liegt der Lärmpegel im Tagesdurchschnitt über 80 Dezibel, muss der Arbeitgeber einen Gehörschutz als persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. Und ab 85 Dezibel sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichtet, Gehörschutz zu tragen.“ Beide Seiten seien also in der Verantwortung.

Ab diesem Tagesdurchschnitt muss der Arbeitgeber einen Gehörschutz als persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. Ab 85 Dezibel müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gehörschutz tragen.

Gehörschutz ist Teil der PSA

Uwe Pfeiffer schwört auf seine klassischen Micky Mäuse: „Da ich als Teamleiter häufig zwischen den Hallen hin- und herwechsle, sind die für mich perfekt.“ Die meisten Kollegen, die kontinuierlich an den Sägen arbeiten, tragen einen individuell angepassten Gehörschutz. Der Vorteil: Diese Otoplastiken filtern den Lärm und man versteht trotzdem Kunden und Kollegen gut. In einer Nachbarhalle befindet sich eine weitere Kapp- und Gehrungssäge, an der auf die Schnelle Kundenwünsche erledigt werden. Dort hängt zusätzlich ein Spender mit Einmal-Ohrstöpseln für die Kollegen vom Verkauf, die selten an die Säge müssen. „Hier soll keiner auf die Idee kommen, mal schnell ohne Gehörschutz zu sägen“, sagt Uwe Pfeiffer.

Verantwortungsvolle Maschinenwartung reduziert Lärmbelastung

Teamleiter Pfeiffer achtet auch auf die technischen Präventionsmaßnahmen, die das Gehör schützen: „Je nach Holzart müssen wir unterschiedliche Sägeblätter nutzen. Hartes Buchenholz braucht beispielsweise ein anderes Sägeblatt als Spanplatten“, so der Fachmann. Mit dem passenden Sägeblatt gelingt nicht nur der Schnitt sauberer, es ist auch leiser. Uwe Pfeiffer montiert das Sägeblatt ab und zeigt in den schmalen Innenraum: „Hier kann man Filz fühlen, wir achten darauf, dass diese Auskleidung, die ebenfalls Schall schluckt, immer intakt ist. Und wir lassen unsere Sägen regelmäßig vom Hersteller warten, damit die Maschinen rund laufen.“

Hallenakustik und Arbeitsplatzorganisation prüfen

Zwei Personen mit Sicherheitswesten laufen durch ein Holzlager und schauen zur Decke
Ronnie Schellhardt und Katharina Straumer prüfen auch organisatorische und technische Präventionsmaßnahmen für den Lärmschutz.

Ronnie Schellhardt hat mit der externen Sifa auch die Hallenakustik geprüft: „Schallabsorbierende Platten hätten in den sehr hohen Hallen nur einen begrenzten Effekt“, erläutert er. Aber es habe sich gelohnt, den Zuschnitt von Metall, beispielsweise für Fensterbänke, in eine andere Halle zu verlagern, um Lärmquellen zu entzerren. 

Unterweisungen und Vorsorgeuntersuchungen zum Lärmschutz

Bei den jährlichen Unterweisungen bespricht Ronnie Schellhardt die Lärmrisiken und den Gehörschutz regelmäßig mit den Teams. Bei den Maschineneinweisungen ist beides ebenfalls Thema. Auch die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen wie G20 und G25 werden regelmäßig und in enger Zusammenarbeit mit der Betriebsärztin durchgeführt. „Arbeitsschutz hat in unseren drei Niederlassungen einen hohen Stellenwert“, sagt Dirk Ulbrich. Der Prokurist bei Holz Possling ist stolz, dass ein Großteil der Belegschaft seit vielen Jahren zum Team gehört. „Und das soll auch so bleiben. Die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist uns sehr wichtig.“

Holz Possling

  • Das Traditionsunternehmen wurde 1841 gegründet.
  • Heute hat Holz Possling drei Niederlassungen im Raum Berlin: in Britz, Charlottenburg und Mahlsdorf.
  • Zum Unternehmen gehören 445 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie aktuell 28 Auszubildende.
  • Die Spezialität des Fachhändlers ist nach wie vor Holz: Vom rohen Balken bis zur Hobel­ware gibt es eine große Aus­wahl an Stär­ken, Län­gen und Profi­len. 

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