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Neu: Technische Regel ASR V3 "Gefährdungsbeurteilung"

Die ASR V3 "Gefährdungsbeurteilung" hilft Gefährdungsbeurteilungen richtig durchzurühren.

Sie konkretisiert die Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung nach § 3 Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Die ASR V3 "Gefährdungsbeurteilung" gibt Hinweise, wie eine Gefährdungsbeurteilung beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten gestaltet werden kann.

Wesentliche Inhalte

 

Fachkunde

Die Gefährdungsbeurteilung ist fachkundig durchzuführen.
Fachkundig ist, wer über die zur Erfüllung der in dieser Regel bestimmten Aufgaben erforderlichen Fachkenntnisse verfügt. Dazu ist eine entsprechende Berufsausbildung, Berufserfahrung oder eine zeitnah ausgeübte entsprechende berufliche Tätigkeit erforderlich. Die Fachkenntnisse sind durch Teilnahme an Schulungen oder Unterweisungen auf dem aktuellen Stand zu halten. Die Anforderungen an die Fachkunde sind abhängig von den zu beurteilenden Gefährdungen und müssen nicht in einer Person vereinigt sein. Fachkundig können insbesondere betriebliche Führungskräfte, die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt sein.

 

Einrichten von Arbeitsstätten

Bereits bei der Planung von Arbeitsstätten sind die Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu berücksichtigen. Deshalb ist es sinnvoll, bereits im Planungsprozess von Neu- oder Umbauten die Nutzung der Arbeitsstätte und den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie die ergonomischen Anforderungen zu ermitteln und als Anforderungen an die Arbeitsstätte festzuhalten. Berücksichtigt man dabei bereits die Grundsätze der barrierefreien Gestaltung, so lassen sich Kosten für eine nachträgliche Anpassung und einen notwendigen Umbau von Arbeitsstätten bei einer künftigen Beschäftigung von Menschen mit Behinderung verringern oder vermeiden.
Falls der Arbeitgeber beabsichtigt eine bauliche Anlage zur Nutzung als Arbeitsstätte zu mieten oder zu erwerben, sollte vor der Einrichtung des Objektes anhand einer Gefährdungsbeurteilung geprüft werden, ob die Vorgaben der ArbStättV eingehalten werden können. Sonst ist gegebenenfalls keine oder nur eine eingeschränkte Nutzung möglich. Sofern vorhanden, sind die Informationen zu Sicherheit und Gesundheitsschutz aus der nach Baustellenverordnung geforderten Unterlage für mögliche spätere Arbeiten, zum Beispiel Reinigung oder Instandhaltung, zu berücksichtigen.

 

Betreiben von Arbeitsstätten

Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass die Arbeitsstätte nach dem Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie den ergonomischen Anforderungen betrieben wird. Dies gilt auch für angemietete Objekte (zum Beispiel Büroflächen, Verkaufsräume, Produktions- und Lageräume).

In der Gefährdungsbeurteilung müssen auch Situationen berücksichtigt sein, die vom Normalbetrieb abweichen (beispielsweise Störungen, Stromausfälle, extreme Witterungseinflüsse). Weiter- hin sind Gefährdungen zu ermitteln und zu beurteilen, mit denen beispielsweise bei Bränden, Unfällen, Überfällen oder sonstigen Betriebsstörungen zu rechnen ist (zum Beispiel Gestaltung von Fluchtwegen und Notausgängen, Flucht- und Rettungspläne). Für Telearbeit gilt nur Anhang Nummer 6 „Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen“ der ArbStättV soweit der Arbeitsplatz von dem im Betrieb abweicht.

 

Ermittlung von möglichen Gefährdungen

Ziel der Ermittlung ist die systematische Identifizierung von möglichen Gefährdungen, deren Quellen und gefahrbringenden Bedingungen. Dabei sind die möglichen Gefährdungen unabhängig vom Ausmaß oder der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Gesundheitsschadens oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu ermitteln.

 

Beurteilung der Gefährdungen (Beurteilungsmaßstäbe)

Für das Beurteilen der Gefährdungen im Hinblick auf das zu erreichende Schutzziel nach
ArbStättV ist zunächst ein Beurteilungsmaßstab nach folgender Reihenfolge festzulegen.

  1. Zunächst ist zu prüfen, ob die in der ArbStättV aufgeführten Schutzziele durch Technische Regeln für Arbeitsstätten konkretisiert werden.
  2. Sofern in den Technischen Regeln keine Anforderungen zu finden sind, ist zu prüfen, ob andere gesicherte Erkenntnisse existieren, zum Beispiel aus Veröffentlichungen der Unfallversicherungsträger, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin (BAuA) oder des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI).
  3. Fehlen gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse, so ist zu prüfen, ob zumindestens arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse mit qualitativen Maßstäben verfügbar sind, zum Beispiel Forschungsberichte, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Normen.
  4. Falls anhand der in Nummer 1 bis 3 beschriebenen Vorgehensweise keine verwendbaren Beurteilungsmaßstäbe ermittelt werden können, sind vom Arbeitgeber betriebliche Beurteilungsmaßstäbe eigenständig zu entwickeln.


Die ermittelten Gefährdungen sind anhand des Anhand des Beurteilungsmaßstabes sind beurteilen.

 

Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung

  • Es besteht eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit:
    Das Ergebnis der Beurteilung erfordert unverzüglich Maßnahmen
  • Es besteht eine Gesundheitsgefährdung:
    Das Ergebnis der Beurteilung erfordert Maßnahmen
  • Der ermittelte Beurteilungsmaßstab ist eingehalten:
    Keine Maßnahmen erforderlich

 

Festlegen von Maßnahmen

Werden die in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten genannten Maßnahmen eingehalten, so ist davon auszugehen, dass die Schutzziele der ArbStättV erreicht werden. Wenn Arbeitgeber nach der ASR V3 vorgehen, tritt die Vermutungswirkung ein. Das heißt, sie können davon ausgehen, dass sie die gesetzlichen Vorschriften aus der Arbeitsstättenverordnung bzw. dem Arbeitsschutzgesetz erfüllen. Weicht der Arbeitgeber von den in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten genannten Maßnahmen ab oder fehlen diese, muss er durch andere Maßnahmen die gleiche Sicherheit und den gleichen Schutz der Gesundheit der Beschäftigten erreichen.

Die Maßnahme bedingt eine Unterweisung der Mitarbeiter hinsichtlich der möglicherweise verbleibenden Gefährdungen sowie  der Auswirkungen der festgelegten Maßnahme oder deren Umsetzung. Beim Festlegen von Maßnahmen sind die Zusammenhänge beziehungsweise die Wechselwirkungen aus den resultierenden Gefährdungsfaktoren von Arbeitsstätte, Arbeitsplatz, Arbeitsstoffen, Arbeitsorganisation und Arbeitsaufgabe zu berücksichtigen.

 

Dokumentation

Die Dokumentation erfolgt schriftlich und kann als Papierdokument oder in elektronischer Form vorliegen. Sie muss in einer verbindlichen, aktuell gültigen Version verfügbar sein.
Der Umfang der Dokumentation richtet sich zum Beispiel nach der Betriebsgröße, Betriebsstruktur oder Art und Ausmaß der Gefährdungen. Die Dokumentation muss jedoch mindestens Folgendes enthalten:

  • die jeweilige Bezeichnung der erfassten Arbeitsplätze, Arbeitsbereiche und Tätigkeiten sowie ggf. der zusammengefassten gleichartigen Arbeitsplätze oder Tätigkeiten,
  • die jeweils festgestellten Gefährdungen,
  • die Ergebnisse der Beurteilung der festgestellten Gefährdungen,
  • die bezogen auf die festgestellten Gefährdungen jeweils festgelegten Maßnahmen
    sowie
  • das Ergebnis der Wirksamkeitsprüfung
  • die Verantwortlichen für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung und der Wirksamkeitskontrolle
  • das Datum der Erstellung bzw. der Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung

 

Link zur ASR V3 "Gefährdungsbeurteilung"