| Organisation

Resilienz – Arbeitsschutz beginnt im Kopf

ca. 3 Minuten Lesezeit

Das Wichtigste im Überblick

  • Was bedeutet Resilienz im Arbeitsalltag? 
  • Stressmanagement lernen ist gut, aber die Verbesserung der Arbeitsbedingungen hat nach wie vor Vorrang.
  • Resilienzfähigkeit bleibt nicht immer gleich, je nach Belastung kann sie sich verändern.
  • Die 7 Säulen der Resilienz – gestärkt durch Krisen gehen
  • Was ist organisationale Resilienz – eine Kurzdefinition
  • Stressfaktoren kennen – testen Sie sich: Bin ich über- oder unterfordert? Ein E-Learning-Angebot der IAG für Beschäftigte und Führungskräfte.
Symbol für Zusammenfassung des nachfolgenden Seiteninhalts

Müssen wir unsere Resilienz stärken, um gut durch ­Krisenzeiten zu kommen? Was bedeutet Resilienz überhaupt, gerade mit Blick auf Prävention in der Arbeitswelt? Arbeitspsychologin Dr. Marlen Cosmar erläutert, was Beschäftigte und Unternehmen wissen sollten und dass uns vieles zu diesem Thema aus der Stressbewältigung bekannt ist.

Supermarktkassiererin Natalja S. ist nervlich angespannt: Der Tonfall der Kunden wird immer rauer. Paketbote Mehmed Ö. stöhnt innerlich: Seit ein paar Wochen sind viele Kollegen krank, er muss unter großem Zeitdruck immer mehr Pakete ausliefern. Und Lkw-Fahrer Dirk M. ist v­öllig von der Rolle: Sein Kollege hatte einen tödlichen Auffahrunfall, ein schwerer Schock für ihn.

Porträt Dr. Marlen Cosmar, Arbeitspsychologin bei der DGUV

Umgang mit Stress und Krisen am Arbeitsplatz

Drei unterschiedliche Situation, die die Betroffenen stressen. Wie sie damit umgehen, hängt von ihrer Resilienz ab – von der Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Dazu Dr. Marlen Cosmar, Arbeits­psychologin am Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV in Dresden: „Im Arbeitsleben betrachten wir Re­silienz in zwei verschiedenen Kontexten: Wie geht man mit alltäglichem Stress oder mit Stressspitzen bei der Arbeit um? Und wie verhält man sich in Krisen­situationen, in einer konkreten Notfallsituation?“ Wer zum Beispiel eine optimistische Grundeinstellung hat, akzeptieren kann, dass Veränderungen zum Leben dazugehören, nach einer Lösung sucht statt im Problem zu verharren und gut für sich selbst sorgt, hat die Grundlage dafür, Stress- und Krisensituationen gut zu meistern. Er oder sie ist also resilient. Was machen Beschäftigte, die weniger resilient sind? Die Pessi­mistin? Der Zauderer? Könnte ihnen ein ­Resilienztraining weiterhelfen?

Hinter dem Resi­lienz-Begriff stehen viele Aspekte, die wir aus der Ver­haltensprävention kennen.

Dr. Marlen CosmarArbeitspsychologin DGUV

Was ist Resilienz?

Der Begriff kommt aus dem Lateinischen von resilire „zurückspringen“, „abprallen“. Gemeint ist damit die psychische Widerstandskraft. Die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.

Symbol mit einem Ausrufezeichen

Stressmanagement lernen 

Bevor der Begriff Resilienz aufkam, habe man von Stressmanagement gesprochen, erläutert Cosmar. Resilienztrainings unterscheiden sich aus ihrer Sicht daher auch nicht sehr von Seminaren für Stress-, Selbst- oder Krisen­management. „Hinter dem Resi­lienz-Begriff stehen viele Aspekte, die wir aus der Ver­haltensprävention kennen“, sagt die Arbeitspsychologin. Resilienztrainings seien sinnvoll, da sie ein Problembewusstsein für das eigene Stressverhalten schaffen und einen Perspektivwechsel anstoßen können. Aber habe ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin tiefgreifendere Probleme, dann wirke ein solches Training zu punktuell und ein Coaching oder eine Psychotherapie sei erforderlich.

Arbeitsbedingungen haben Vorrang

Die Stressbeispiele von Supermarktkassie­rerin Natalja, Paketbote Mehmed und Lkw-Fahrer Dirk zeigten aber auch, so Cosmar, dass in solchen Situationen nicht nur die eigene Resilienzfähigkeit weiterhelfen ­könne. Entscheidend sei auch, wie die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen gestalte. „Im Arbeitsschutz gilt Verhältnisprävention vor Verhaltensprävention“, stellt Cosmar fest. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber könnten Resilienztrainings anbieten, aber das entbinde sie nicht von der Pflicht, die Arbeitsbedingungen gesund und sicher zu gestalten. Und das ­werde in der Gefährdungsbeurteilung fest­gehalten, die gesetzlich verpflichtend sei.

Resilienz bleibt nicht immer gleich

Cosmar rät Unternehmen auch aus einem weiteren Grund, nicht nur auf den individu­ellen Faktor Resilienz zu setzen: Manche Mitarbeitende können viele Jahre unter hoher Belastung super Leistungen erbringen. Aber wenn plötzlich private Probleme, Krankheiten oder das Alter hinzukommen, verändert sich die Resilienzfähigkeit. Bislang leistungsfähige Beschäftigte brechen ein und stehen kurz vor dem Burnout. „Unternehmen sollten lang­fristig denken und im Austausch mit den Mitarbeitenden die Arbeitsbedingungen ­gesund gestalten.“

Testen Sie sich – E-Learning Über- oder Unterforderung

Dr. Marlen Cosmar ist ­Arbeits­psychologin am ­Institut für Arbeit und ­Gesundheit (IAG) der DGUV in Dresden. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Ermittlung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz, Prävention und Umgang mit psychischen Erkrankungen bei der Arbeit, gesunder ­Führung sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Das IAG hat ein E-Learning jeweils für Beschäftigte und Führungskräfte entwickelt. Finden Sie damit heraus, ob Sie an Ihrem Arbeitsplatz über- oder unterfordert sind. 

Resilienzmodell* – Die 7 Säulen der Resilienz

  1. Optimismus: Daran glauben, dass Krisen zeitlich ­begrenzt und überwindbar sind.
  2. Akzeptanz: Krisen akzeptieren, um Schritte zur ­Bewältigung zu unternehmen.
  3. Lösungsorientierung: Lösungen suchen, die Kontrolle über das Leben zurückgewinnen.
  4. Opferrolle verlassen: Auf die eigenen Stärken besinnen, Realität angemessen interpretieren.
  5. Verantwortung übernehmen: Weder die Schuld auf andere schieben noch sich selbst zum Sündenbock machen.
  6. Netzwerkorientierung: Soziale Kontakte aufbauen und pflegen.
  7. Positive Zukunftsplanung: Ziele im Auge behalten, auch wenn sich der Weg ändert.

* nach Dipl.-Psychologin Ursula Nuber, in Deutschland das Resilienzmodell

Was ist organisationale Resilienz?

Resiliente Organisationen bewältigen Krisen, ohne daran zu zerbrechen. Die entscheidende Rolle kommt hierbei den Beschäftigten und Teams zu, die eine große Vielfalt an unterschiedlichen Verständnissen und Verhaltensweisen aufweisen. Der adäquate Umgang mit dieser Vielfalt ist der eigentliche Kern organisationaler Resilienz.

Die Resilienz einer Organisation entscheidet darüber, ob eine kritische Situation zu einer technologischen, wirtschaftlichen und sozialen Schwächung führt oder ob es der Organisation gelingt, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Einer resilienten Organisation gelingt es, zwei zur Krisenbewältigung notwendige Eigenschaften auszubalancieren: den Reflex zur Verteidigung gegenüber zerstörerischen Einflüssen und die Fähigkeit zur Veränderung und Anpassung an sich verändernde Bedingungen.

Quellen: Trendsuche der DGUV; DGUV forum Organisationale Resilienz und Vielfalt

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt anmelden
Zurück nach oben springen

Ihr Kontakt zu uns

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Kathrin Schwarzmann

Arbeits- und Organisationspsychologin bei der BGHW

E-Mail:
k.schwarzmann(at)bghw.de

Redaktion "Hundert Prozent"

E-Mail:
hundertprozent(at)bghw.de

Oder richten Sie Ihre Anfrage per Kontaktformular an uns:
Kontaktformular