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Mobil und flexibel - neue Formen der Arbeit

Arbeiten von Zuhause aus oder unterwegs – immer mehr Unternehmen in Deutschland ermöglichen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diese flexible Gestaltung der Arbeit. Die Vorteile liegen auf der Hand: Familie und Beruf lassen sich besser vereinbaren, der Stress im Berufsverkehr entfällt. Das sorgt für eine hohe Arbeitszufriedenheit und Motivation der Beschäftigten. Um diesem Wandel in der Arbeitswelt gerecht zu werden, wurden klare Regelungen für Telearbeitsplätze in die Arbeitsstättenverordnung aufgenommen.

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Doch die neuen Möglichkeiten der Arbeit werfen auch Fragen auf: Wie genau definiert sich ein Arbeitsplatz zu Hause oder unterwegs, und wie ist er rechtlich abgesichert? Telearbeit, Homeoffice, Heimarbeit oder mobiles Arbeiten – diese Begriffe sorgen im Moment in vielen Unternehmen für Verwirrung. Zur Klärung hat der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine Empfehlung erarbeitet, der die neuen Arbeitsformen voneinander abgrenzt. Sowohl Telearbeit als auch Homeoffice oder mobiles Arbeiten seien Formen der "mobilen Arbeiten unter Nutzung von Bildschirmgeräten".

Telearbeit und mobile Arbeit

Telearbeit ist in der Arbeitsstättenverordnung definiert. Dort heißt es in Paragraf 2, Absatz 7 : "Telearbeitsplätze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat." Ein Telearbeitsplatz ist vom Arbeitgeber erst dann eingerichtet, wenn Arbeitgeber und Beschäftigte die Bedingungen der Telearbeit im Arbeitsvertrag oder einer Vereinbarung festgelegt haben. Außerdem muss der Arbeitgeber die benötigte Ausstattung des Telearbeitsplatzes mit Mobiliar, Arbeitsmitteln einschließlich der Kommunikationseinrichtungen bereitstellen und installieren.

Die Definition der Telearbeit ist also recht eindeutig. Schwieriger wird es beim Homeoffice oder mobilen Office. Diese Begriffe bezeichnen eine viel flexiblere Form der Arbeitsgestaltung, die nicht orts- und zeitgebunden ist. In der Arbeitsstättenverordnung ist sie nicht geregelt. Der Mitarbeiter kann sich über Notebook oder Tablet, von wo auch immer, über das mobile Netz einloggen und seine Arbeit erledigen. Der ASTA versucht nun in seiner Empfehlung, diese Formen der mobilen Arbeit zu erfassen: Es sei das "sporadische, nicht einen ganzen Arbeitstag umfassende Arbeit mit einem PC oder einem tragbaren Bildschirmgerät (zum Beispiel Laptop, Tablet) im Wohnbereich des Beschäftigten oder das Arbeiten mit Laptop im Zug oder an einem auswärtigem Ort." Der Einfachheit halber wird meistens von mobiler Arbeit gesprochen, wenn von dieser Art der Arbeit, in Abgrenzung zur Telearbeit, die Rede ist.

Heimarbeit

Der Begriff Heimarbeit bezeichnet wiederum eine andere Art der gewerblichen Tätigkeit, die im Heimarbeitsgesetz definiert ist. Sie hat nach der Definition nichts mit Telearbeit oder der "mobilen Arbeit" zu tun, dennoch werden die Begriffe häufig fälschlicherweise synonym gebraucht.

Arbeitsschutz für alle

Nicht nur für die Telearbeit, sondern auch für die mobile Arbeit gelten das Arbeitsschutzgesetz und das Arbeitszeitgesetz. Der Unternehmer ist uneingeschränkt für die Sicherheit und Gesundheit seiner Mitarbeiter zuständig – egal, ob diese im Betrieb tätig sind oder von Zuhause aus arbeiten. Er muss auch für den mobilen Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung erstellen. Hier geht es insbesondere um die ergonomische Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen sowie die Gestaltung von Arbeitsabläufen und Arbeitszeit. Der ASTA kündigte an, dass er in absehbarer Zeit konkretisierende Regeln für Bildschirmarbeit und Bildschirmgeräte erarbeiten werde. Auch auf mögliche psychische Belastungen, zum Beispiel durch ständige Erreichbarkeit am mobilen Arbeitsplatz, sollte der Unternehmer ein Auge haben.

Geregelte Arbeitszeiten

Die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes gelten auch im Homeoffice oder am Telearbeitsplatz in vollem Umfang. Pausenzeiten, Höchstarbeitszeiten und Mindestruhezeiten sowie Sonn-  und Feiertagsschutz gelten für jeden Mitarbeiter, egal wo er arbeitet.

Versicherungsschutz

Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus, wenn im Homeoffice oder am Telearbeitsplatz ein Unfall passiert? Stark verallgemeinernd lässt sich sagen: Hat der Unfall unmittelbar etwas mit der Arbeit zu tun, gilt der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Doch die Abgrenzung, was ist noch Arbeit und wo beginnt der private Bereich, ist schwierig. Bricht sich zum Beispiel ein Beschäftigter das Bein auf dem Weg zum Drucker im heimischen Bürozimmer, bewerten Juristen diesen Unfall anders, als wenn er auf dem Weg zum Kühlschrank ein Stockwerk tiefer geschehen wäre. Eine rechtsverbindliche Bewertung hängt letztlich aber immer von den konkreten Umständen jedes einzelnen Falles ab. Ähnliches gilt für Gesundheitsgefährdungen, die zu einer Berufskrankheit führen könnten.

Sie sind in den eigenen vier Wänden unwahrscheinlich, aber grundsätzlich möglich. Deshalb ist es wichtig, dass eine Gefährdungsbeurteilung vorliegt und vorbeugende Maßnahmen getroffen werden, um solche Fälle auszuschließen. Klarer liegt der Fall bei Fahrten zur Firma. Diese sind auch für Mitarbeiter, die mobil arbeiten, hin und wieder notwendig, zum Beispiel für eine Besprechung. Geschieht dann auf dem Weg ein Autounfall, gilt dieser als Wegeunfall, der gesetzlich unfallversichert ist. Allerdings, darauf weisen die Juristen hin, beginnt dieser Arbeitsweg erst vor der Außenhaustür. Aber auch hier können letztlich verbindliche Aussagen nur getroffen werden, wenn die Umstände jedes einzelnen Falles berücksichtigt werden.

Mehr dazu
Die Empfehlungen des Ausschusses für Arbeitsstätten (ASTA) zur Abgrenzung von mobiler Arbeit und Telearbeitsplätzen

Die BGHW bietet in ihrem Kompendium Arbeitsschutz eine Reihe von Informationen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen an.

Weitere Tipps finden Sie in der DGUV-Information 215-410 "Bildschirm- und Büroarbeitsplätze"

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